Was gut für Gazprom ist, ist auch gut für Russland. An dieser Maxime hatte über die letzten Jahrzehnte kaum jemand gezweifelt in dem Land, dass sich in Zeiten hoher Energiepreise gerne als Energiesupermacht bezeichnete. Anders als in der Ölbranche, behielt der Konzern, der aus dem Ministerium für Gaswirtschaft hervorgegangen ist, das Exportmonopol für den flüchtigen Energieträger.

Im Ausland ist der Staatskonzern Synonym für russisches Gas. Im Inland dagegen verliert der Konzern immer mehr Anteile. Zwischen 2008 und 2014 hat sicher der Anteil alternativer Produzenten von 18 auf 32 Prozent der Gaslieferungen im Inland erhöht. Nun wollen sie auch im lukrativen Auslandsgeschäft Gazprom Kunden abjagen.

Vor allem der private Anbieter Novotek, der aktuell 18 Prozent der russischen Gases fördert und der staatliche Ölkonzern Rosneft mit einem Anteil von 6 Prozent rütteln bereits nach Kräften an Gazproms Monopol. Beide hätten sich mit entsprechenden Vorschlägen an das Energieministerium Russlands gewendet, berichtete die Moskauer Wirtschaftszeitung RBK Ende März.

 

Lukrative Exportmärkte

Novatek hatte bereits 2012 über seinen Schweizer Gashändler Novatek Gas & Power Gmbh einen Liefervertrag mit dem deutschen Konzern EbBW abgeschlossen und kauft seitdem Gas auf dem europäischen Markt auf, um diesen Vertrag zu bedienen. Kurze Zeit später beschwerte sich Novatek-Chef Leonid Michelson, der mit einem Vermögen von 14,4 Milliarden Dollar mittlerweile zum reichsten Russen aufgestiegen ist, über das ungerechte Exportverbot. „Novatek hat wie Gazprom soziale Verpflichtungen und beliefert die Stadtwerke von zwei Regionen vollständig mit Gas, und hat deshalb Recht auf einen Anteil am den Exportgewinnen“, sagte der Novatek-Chef.

Sein aktueller Plan sieht vor, dass Gazprom den Brennstoff von Novatek zum Exportpreis, abzüglich der Transportkosten nach Europa, aufkauft und an europäische Novatek-Kunden liefert. Somit könnte Novatek die EnBW komplett mit russischem Gas beliefern. Bisher verdient der Hersteller im Inland etwa 32 Dollar pro 1.000 Kubikmeter Gas. Der Exportpreis abzüglich des Transports liegt dagegen bei etwa 50 bis 55 Dollar.

Auf ähnliche Weise versucht Rosneft die Alleinstellung seines Konkurrenten aufzuweichen. „Wir unterstützen Gazproms Export-Monopol“, sagte Rosneft-Chef Igor Setschin im Herbst. Gleichzeitig sei er jedoch an einer Kooperaation mit Gazprom in Sachen Export interessiert. Laut Presseberichten habe Rosneft bereits ein Memorandum mit BP unterschrieben, wonach der Konzern sieben Milliarden Kubikmeter Gas liefern könnte, sollte das Exportmonopol fallen.

 

Angst vor sinkenden Preisen

Gazprom selbst sträubt sich allerdings mit aller Macht gegen die Pläne seiner Konkurenten. In einem Brief von Gazprom-Chef Alexej Miller an Wladimir Putin, der in die Moskauer Wirtschaftspresse gelangte, wirft er den Bittstellern mangelnde Kenntnis der Märkte vor und warnt davor, dass im Falle einer Exportliberalisierung nicht nur der Gaspreis sinken könnte, sondern auch die Kontrolle über die Lieferungen verloren ginge.

Russlands Präsident selbst hält sich bisher bedeckt und ließ über seinen Sprecher ausrichten, das Thema stünde noch nicht aug der Agenda. Maria Belowa von Vygon Consulting merkt allerdings an, dass die Liberalisierung des Exports vpn Flüssiggas ebenso ihren Anfang nahm. Damals habe Novatek ebenfalls eine Einigung mit Gazprom erzielt. Als sich der Konzern jedoch weiterhin weigerte Gas von anderen Anbietern aufzukaufen, wurde der Markt schließlich liberalisiert.

 

 

Russlands Präsident Putin im Gespräch mit Novatek-CEO Leonid Mikhelson im Januar. (foto: Kreml)