Der Energiekonzern GDF Suez plant nach diesem Sommer eine neue Atomstrategie zu verkünden. Grund dafür ist laut Nachrichtenagentur Reuters die Ankündigung, dass die neue belgische Regierung die Abhängigkeit von Kernenergie künftig verringern will, 57 Prozent des belgischen Energiemixes stammt aus Atomstrom. Auch im Heimatmarkt Frankreich sei die neue Regierung verhaltener gegenüber Kernenergie eingestellt.

Die GDF produzierte im vergangenen Jahr rund zehn Prozent ihrer gesamten Energieproduktion (465 Terawattstunden) aus Kernenergie, 2010 waren es noch 13 Prozent. Mehr als die Hälfte (55 Prozent) steuert Erdgas bei, und 13 Prozent deckt Wasserkraft ab. Laut Reuters ist es das Unternehmensziel, den weltweiten Kernenergie-Anteil bis 2030 unverändert zu lassen. Das werde jedoch schwierig, da GDF an keinen geplanten „nuklearen Großprojekten“ beteiligt sei. Der Markt werde von den französischen Konkurrenten EDF und Areva dominiert sowie dem US-Konzern Westinghouse. Analysten gehen davon aus, dass sich GDF in Emerging Markets wie Brasilien oder China eher auf Gas und erneuerbare Energien konzentrieren wird.

Auch die beiden deutschen Energieriesen Eon und RWE haben sich kürzlich über ihre Atompläne geäußert. Der neue RWE-Chef Peter Terium sagte dem Magazin Spiegel: „Das Kapitel Kernkraft ist für uns beendet.“ Teriums Pendant bei Eon, Johannes Teyssen, gab sich gegenüber der Zeit sehr zurückhaltend gegenüber einem potenziellen Neubau von Atommeilern. „Diese Frage entscheiden wir, wenn sie sich konkret stellt. Nicht abstrakt vorher.“ Eon müsse sich zu einem Konzern entwickeln, der noch stärker als bisher auf dezentrale und erneuerbare Energien aufbaut, so Teyssen.