bizz energy: Taugt Wasserstoff als Stromspeicher?

Alf Henryk Wulf: Wir betrachten Wasserstoff als systemisches Element zum Speichern erneuerbarer Energie. Auf der Batterieseite sind wir vor einem Jahr durch eine Beteiligung an dem Speicherhersteller Sonnen eingestiegen. Im Bereich Wasserstoff haben wir noch keine Produktentwicklung. Aber alles ist denkbar, auch Beteiligungen. Wir beobachten das sehr intensiv, weil wir glauben, dass ein Langzeitspeicher für die Stabilität der Energiesysteme zwingend notwendig ist.   

Das Power-to-Gas-Verfahren, mit dem Strom in Wasserstoff umgewandelt wird, ist aber noch lange nicht wirtschaftlich.
Deshalb ist es noch kein Marktthema. Wir erwarten aber, dass sich das ändert. Bei der Elektrolyse für Power-to-Gas geht die technologische Entwicklung voran. Zudem passiert im Moment eine Menge bei den Brennstoffzellen – sowohl im Bereich Elektromobilität als auch bei kleinen bis mittleren stationären Anlagen, die auch die entstehende Wärme nutzen.

Vor allem Windstrom soll in Wasserstoff umgewandelt werden. Die Windbranche leidet. Wie geht der Windkraftanlagenbauer GE mit dem Ende des Onshore-Booms um?
Seit dem Start des neuen Ausschreibungssystems geht die Auftragskurve in der gesamten Industrie nach unten. Für unsere Strategie bedeutet das: Wir konzentrieren uns auf größere, effizientere Maschinen, mit denen man zu niedrigeren Kosten Windstrom auch in Gebieten mit schwächerem Wind produzieren kann. Das Problem ist, dass die Ausschreibungsmenge in Deutschland staatlich begrenzt ist, obwohl es sinnvoll wäre, mehr Anlagen aufzustellen.

Welche Strategie verfolgen Sie mit Ihrer Gaskraftwerkssparte?
Mit unseren Gasmotoren aus österreichischer Produktion sind wir sehr erfolgreich. Das gipfelt gerade in einem Vorzeigeprojekt, dem neuen Kraftwerk der Stadtwerke Kiel. Dort werden 20 Zehn-Megawatt-Maschinen sehr flexible Kraftwerksleistung in einer Region mit extrem hohem Windstromanteil liefern. So wird es anderswo auch kommen. Der Markt für große Kraftwerke dagegen ist im Moment sehr schwierig.

Geht der Trend auch bei Gas in Richtung dezentraler Stromerzeugung?
Die Gasmotoren ermöglichen das. Das Projekt in Kiel ist kein dezentrales Kraftwerk. Aber ein Konzept mit verteilten Maschinen, die zusammengeschaltet werden, ist genauso vorstellbar. Wichtig ist, dass auch die Wärme genutzt wird. Maximale Flexibilität, Fernwärme und Wärmespeicherung – das ist das Konzept der Zukunft. In Kiel wird der Wärmespeicher auch elektrisch betreibbar sein, wenn viel Windstrom verfügbar ist.

Zur Person
Alf Henryk Wulf ist Vorstandschef der GE Power AG in Mannheim, die bis zur Übernahme durch den US-Konzern General Electric im Jahr 2015 Alstom Deutschland hieß. Zuvor leitete Wulf die deutsche Sparte des damaligen IT-und Netzwerkausrüsters Alcatel-Lucent. Der 1962 geborene Kieler studierte Elektrotechnik an der Technischen Universität München und erlangte einen MBA an der Ecole de Management in Lyon.

 

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Alf Henryk Wulf ist Vorstandschef der GE Power AG in Mannheim (Foto: GE)