Bilanzzahlen
14.08.2013

Geld aus Moskau hilft RWE nur kurzfristig

Eine Milliarden-Überweisung von Gazprom sorgt bei RWE nur vorübergehend für Erleichterung. Der Gewinn bricht deutlich ein. Wegen des mauen Stromgeschäfts will der Energieversorger zahlreiche Kraftwerke schließen.

RWE hatte sich in einem Schiedsverfahren über die Preise für Gaslieferungen gegen den russischen Staatskonzern Gazprom durchgesetzt. Dieser musste in der Folge geschätzte eine Milliarde Euro überweisen.

Anzeige

Trotz des Geldsegens aus Moskau ist die Lage beim Essener Energieversorger alles andere als rosig. Zwar stieg der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr leicht auf 28,5 Milliarden Euro, auch das Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) verbesserte sich in den ersten sechs Monaten dank der Gazprom-Finanzspritze auf 5,5 Milliarden Euro. Das Nettoergebnis fiel im Vergleich zum ersten Halbjahr 2012 allerdings drastisch um 38 Prozent auf unter eine Milliarde Euro. Laut RWE geht dies auf eine Wertberichtigung im Portfolio der niederländischen Tochter Essent zurück.

Anzeige

Stromverkauf sinkt

Vor allem das Kraftwerksgeschäft läuft schlecht, die Anlagen sind nicht ausgelastet. RWE macht dafür den Zubau der Solarenergie verantwortlich. Dieser sorge dafür, dass sich der Betrieb vieler Kraftwerke nicht mehr rechne. Bei der konventionellen Stromerzeugung verbuchte der Energieversorger einen Ergebnisrückgang um zwei Drittel, die Stromproduktion sank dabei aber nur um ein Prozent.

Der Konzern baut zwar sein Portfolio an erneuerbaren Energien langsam aus, noch reicht das aber nicht aus, um die sinkenden Erlöse aus dem fossilen Geschäft auch nur annähernd auszugleichen. Die Situation bei RWE ähnelt zwei Jahre nach den Beschlüssen zur Energiewende der bei Eon und EnBW. Die ehemaligen Monopolisten reagieren mit der Stillegung von Kraftwerken. RWE kündigte an, in Europa Anlagen mit einer Leistung von 3.100 Megawatt einzumotten. 

Ausblick bestätigt

Angesichts der Lage müsste RWE eigentlich mehr investieren. Tatsächlich sind die Investitionen im Vergleich zum Vorjahr aber um 16 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro gesunken. Der Energieversorger begründet dies mit dem Abschluss eines Kraftwerkserneuerungsprogamms.

RWE hält dennoch an der Prognose für 2013 fest. Der Energieversorger rechnet mit einem betrieblichen Ergebnis von 5,9 Milliarden Euro und einem nachhaltigen Nettoergebnis von 2,4 Milliarden Euro. 

Kritk an Kohlekraftwerksplänen

Der energiepolitische Sprecher der Grünen, Oliver Krischer, kritisierte, dass RWE trotz der schwierigen Lage weiterhin neue Kohlekraftwerke plane. „Klimaschädliche und unflexible Kraftwerke passen einfach nicht mehr in den heutigen Energiemix, wo Erneuerbare-Energien-Anlagen an der Strombörse zu Grenzkosten nahe Null produzieren." Die Energiekonzerne sollten mit der Energiewende ernst machen und verstärkt in Erneuerbare Energien und Energieeffizienz investieren, forderte Krischer.

Aktienkurs fällt

An der Börse sorgten die RWE-Zahlen für wenig Überraschung. Der Kurs des RWE-Papiers notierte am Mittwoch mit 21,20 Euro rund fünf Prozent unter Vortagsniveau.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
RWE | Strompreis
Ressorts:
Finance

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen