Netzentgelte
28.06.2017

Geldregen für Kraft-Wärme-Kopplung

Foto: istockphoto/markusloew

KWK-Betreiber profitieren von der Einigung beim Nemog: Die an sie gezahlten Netzentgelt-Prämien schießen um 800 Millionen Euro in die Höhe, wie ein bizz energy vorliegender Brief von Staatssekretär Rainer Baake zeigt.

Die Branchenverbände singen Lobeshymnen. BDEW, VKU und Co bejubeln die Einigung der Großen Koalition beim Netzentgeltmodernisierungsgesetz (Nemog). Am Dienstag hatten CDU/CSU und SPD die letzte Hürde genommen und einen Kompromiss bei den vermiedenen Netzentgelten ausgehandelt. Deren Niveau wird auf den Stand von 2016 eingefroren. Aber: Das Gesetz greift erst ab 2018 – und 2017 wird es noch mal eine Steigerung um 40 Prozent geben. Das zeigt ein bizz energy vorliegender Brief von Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake (Grüne) an den Unionsspitzenpolitiker Joachim Pfeiffer, der den Beirat der Bundesnetzagentur führt. „Die Kosten für vermiedene Netzentgelte würden – ohne ein Eingreifen des Gesetzgebers – nach Planzahlen im Jahr 2017 von 2 Mrd. auf rund 2,8 Mrd. Euro ansteigen.“

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Für Betreiber von Anlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), zu denen viele Stadtwerke zählen, ist das eine unverhoffte, aber segensreiche Geldspritze: Vermiedene Netzentgelte sind eine der drei KWK-Finanzierungsquellen. Für EEG-Anlagen dagegen gilt: Die vermiedenen Netzentgelte zahlt der Netzbetreiber in das EEG-Konto ein, sie sind mit der EEG-Vergütung abgegolten und werden nicht ausgezahlt.

Fehlanreize gesetzt

Vermiedene Netzentgelte wurden 1999 im Rahmen der Verbändevereinbarung II eingeführt, um vermeintlich geringere Kosten bei der verbrauchsnahen Einspeisung ins Niederspannungs- oder Mittelspannungsnetz zu honorieren.  Doch inzwischen ist klar: Dezentrale Einspeisung – insbesondere von Sonnen- und Windstrom – spart keinen Netzausbau ein, sondern macht ihn im Gegenteil für den Anschluss in lastschwachen Gebieten erst erforderlich. Zudem werden Fehlanreize gesetzt, Netzanschlüsse in einer möglichst niedrigen Spannungsebene und in Gebieten mit möglichst hohen Netzentgelten zu realisieren.

Wichtigstes Thema im Nemog waren allerdings nicht vermiedene Netzentgelte, sondern bundeseinheitliche Übertragungsnetzentgelte. Die werden nach dem Willen der Großen Koalition nun stufenweise zwischen 2019 und 2023 reingeführt. Den kniffligsten Punkt dabei hatte am Dienstag vergangener Woche die Kanzlerin persönlich entschärft. Auf der Unions-Fraktionssitzung sprach Angela Merkel ein Machtwort gegen den Lösungsvorschlag von Unionsfraktionsvizechef Michael Fuchs. Der hatte in der Großen Koalition für Streit gesorgt und die Nemog-Verhandlungen zum Stillstand gebracht: Fuchs wollte die Kosten für das Engpassmanagement von den Netzentgelten in die EEG-Umlage verschieben. Daraufhin drohte der Koalitionspartner SPD, das Gesetz in Gänze platzen lassen.

Die Kosten für das Engpassmanagement erreichten allein im ersten Quartal 2017 rund 337 Millionen Euro. Dazu trugen das Redispatch für konventionelle Kraftwerke sowie das Einspeisemanagement erneuerbarer Energien bei.

Joachim Müller-Soares
Keywords:
Nemog | Netzentgelte | Große Koalition | Branchenverbände | Einigung | KWK
Ressorts:
Governance

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