Strommarkt
17.06.2015

Gemeinsamer Strommarkt Deutschland-Österreich steht auf der Kippe

foto: 50Hertz

Bundesnetzagentur erwägt Abspaltung des Nachbarn ab 2018, weil die Versorgungssicherheit gefährdet sei.

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Die Bundesnetzagentur erwägt die Abkopplung des österreichischen Strommarkts von Deutschland, weil der gemeinsame Handelsraum die Versorgungssicherheit gefährdet. Auf Anfrage von BIZZ energy today bestätigte die Bonner Regulierungsbehörde die Überlegungen und teilte mit, sie befinde sich derzeit noch in "einem Prozess der Meinungsbildung". Die Abspaltung sei frühestens 2018 möglich. Österreich und Deutschland haben ihre "Gebotszonen" 2002 zusammengeschlossen. Das bedeutet, dass sich Händler nicht mehr um die Grenzkuppelkapazitäten zwischen den beiden Ländern kümmern müssen, sondern Strom jederzeit und zu einem einheitlichen Preis im gesamten Gebiet handeln können.

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Bundesnetzagentur: Risiko auch für Polen und Tschechien

Durch die Abspaltung Österreichs würde sich laut Bundesnetzagentur das Risiko für die Versorgungssicherheit in Deutschland, Polen und Tschechien verringern. "Gegenwärtig müssen zur Beherrschung besonders starker Lastflüsse in großem Umfang Redispatchmaßnahmen durchgeführt werden, damit der sichere Betrieb des Übertragungsnetzes möglich bleibt", heißt es in der Stellungnahme gegenüber BIZZ energy today.

Bei Redispatchmaßnahmen werden Kraftwerke, die eigentlich aufgrund der Marktlage nicht in Betrieb wären, von den Netzbetreibern trotzdem angefordert Strom zu produzieren, um Ungleichgewichte im Stromnetz auszubalancieren. "Ein Nachteil der Aufhebung (der gemeinsamen Gebotszone) läge darin, dass der gegenwärtig unlimitiert mögliche Stromhandel zwischen Deutschland und Österreich nicht mehr durchgängig in jeder Stunde des Jahres gewährleistet werden könnte", schreibt die Bundesnetzagentur.

Untersuchung auf europäischer Ebene im kommenden Sommerhalbjahr erwartet

Auf europäischer Ebene wird im kommenden Sommerhalbjahr eine Untersuchung über den Zuschnitt der Handelszonen veröffentlicht. Eine Sprecherin des Zusammenschluss der europäischen Übertragungsnetzbetreiber (Entso-E) sagte auf Anfrage, die Entscheidung über die Markttrennung läge aber letztlich bei den jeweiligen nationalen Regulierungsbehörden. Die Bundesnetzagentur betonte, sie werde die Entscheidung mit den österreichischen Partnern abstimmen.

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Keywords:
Strommarkt | Österreich | Deutschland | Bundesnetzagentur | Versorgungssicherheit
Ressorts:
Governance | Markets

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