Strommarkt
17.06.2015

Gemeinsamer Strommarkt Deutschland-Österreich steht auf der Kippe

foto: 50Hertz

Bundesnetzagentur erwägt Abspaltung des Nachbarn ab 2018, weil die Versorgungssicherheit gefährdet sei.

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Anlass für die Anfrage von BIZZ energy today war die Abschätzung der Bundesnetzagentur über den Bedarf an Reservekraftwerken, die im Notfall anspringen und das Stromnetz in Süddeutschland stabilisieren können. Für die beiden kommenden Winter geht die Bundesnetzagentur von mindestens 6,6 beziehungsweise 6,7 Gigawatt nötiger Kraftwerkskapazität aus, soviel wie fünf größere Kernkraftwerke. Für 2019/20 wird allerdings nur noch ein Bedarf von 1,6 Gigawatt erwartet – weil in den Berechnungen davon ausgegangen wird, dass es den Markt mit Österreich in dieser Form nicht mehr gibt. Die Bundesnetzagentur erwartet demnach, dass es 2020 zu Handelsströmen von Österreich nach Deutschland von etwa 10 Gigawatt kommen kann, die physische Kapazität der Grenzkuppelstellen liegt aber nur bei 5,5 Gigawatt. Durch das Ungleichgewicht erhöht sich der Bedarf an Reservekapazität offenbar massiv.

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Bundesnetzagentur änderte ihren Kurs

 

Vor einigen Jahren hatte die Bundesnetzagentur den gemeinsamen Markt mit Österreich noch vehement verteidigt. Beschwerden osteuropäischer Nachbarländer wurden zurückgewiesen. Diese beklagen bis heute, dass der gemeinsame Markt mit Österreich zur Belastungsprobe für ihre Stromnetze wird. Unter anderem hatten die Netzbetreiber von Polen, Tschechien, Ungarn und der Slowakei eine Studie zu dem Thema veröffentlicht. Darin beschreiben sie Netzsituationen, in denen die Handelsvolumen, die über die deutsch-österreichische Grenze fließen, die der physischen Verbindungen weit überschreiten. Das Resultat: Der Strom fließt über Osteuropa in einem sogenannten "Ringfluss" ("Loop Flow"), der die dortigen Netze destabilisiert.

 

Auswirkungen für grenzüberschreitend tätige Stromhändler erwartet

 

Für Stromhändler, die grenzüberschreitend tätig sind, könnte die Trennung erhebliche Auswirkungen haben. Die Großhandels-Preise in Österreich würden durch die Trennung vermutlich ansteigen. Daniel Hölder, Leiter Energiepolitik des Direktvermarkters Clean Energy Sourcing, sagte BIZZ energy today: "Die gemeinsame Preiszone Deutschland-Österreich ist eine Errungenschaft im Sinne des Zusammenwachsens der europäischen Strommärkte. Ihre Trennung wäre ein Rückschritt für den grenzüberschreitenden Stromhandel." Zum Beispiel würde der Zugang zur Wiener Strombörse EXAA für deutsche Versorgungsunternehmen und Direktvermarkter erschwert. Auch die Bundesnetzagentur spricht in ihrer Stellungnahme von "organisatorischen Anpassungen im Zusammenhang mit den grenzüberschreitenden Handelsaktivitäten", falls die gemeinsame Gebotszone aufgelöst wird. "Hierzu gehören nicht zuletzt IT-Umstellungen bei den betroffenen Marktteilnehmern", heißt es.

 

Jakob Schlandt
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Keywords:
Strommarkt | Österreich | Deutschland | Bundesnetzagentur | Versorgungssicherheit
Ressorts:
Governance | Markets

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