Schon als Politiker spielte Gerhard Schröder gerne Tennis, wenn auch als Spätberufener dieser Sportart. Die Angriffsregeln der Politik, so sein Motto, passen bestens auf den Court. Einer seiner früheren Trainingspartner beschreibt das so: Schröder stürmt nach eigenen Angriffsbällen sofort kühn ans Netz. Wird er dann dort mit einem für ihn unerreichbaren Passierball konfrontiert, ruft er lautstark „Aus“ – ohne abzuwarten, wo der Ball tatsächlich landet.

Chuzpe und Schnellschüsse. Diese Taktikvarianten des Tennisspielers Schröder gehörten auch während seiner Kanzlerschaft zum Repertoire. Für den Mann, der sich vom armen Putzfrauenkind zum Bundeskanzler hocharbeitete, ist das Leben ein Wettkampf. Und der kann stets überraschende Wendungen bringen.

 Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass er jemals wieder ins Herz seiner Partei zurückkehren würde? Just dies passierte auf dem SPD-Parteitag im Dezember. Der Altkanzler war staatstragend gestimmt, für die Krawatte hatte er ein gedecktes Rot gewählt, als wolle er signalisieren: Der Polit-Rabauke Schröder, der Genossen vor den Kopf stößt, ist passé.

 Seit 2007 hatte er auf Parteitagen nicht mehr reden dürfen; damals, zwei Jahre nach dem Ende seiner Kanzlerschaft,  war ihm auch nur ein belangloses Grußwort erlaubt worden. Diesmal hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel vorgeschlagen, Schröder möge auf dem Parteitag die Gedenkrede für die verstorbenen Genossen Helmut Schmidt, Egon Bahr und Günter Grass halten. Prompt gab es parteiintern Kritik: Kann das der Schröder denn überhaupt in angemessener Form?

 Schröder konnte es – weit über den üblichen Rahmen einer Trauerrede hinaus – und erntete den Beifall der 600 Delegierten. Der erste Applaus ertönte, als Schröder an sein Nein zum Irak-Krieg erinnerte. Standing Ovations begleiteten ihn auf dem Weg zurück unter die Delegierten. Die Rührung im Raum war spürbar, als Außenminister Frank-Walter Steinmeier, einst sein engster Wegbegleiter, ihm mit dem Satz dankte: „Gerhard, gut, dass du wieder da bist. Hier gehörst du her!“

 Das klang wie die Heimkehr des verlorenen Sohnes. Als Kanzler hatte Schröder die Genossen mit selbstverliebten Sprüchen oft genug düpiert. Im Kaschmir-Mantel, die Cohiba-Zigarre zwischen den Zähnen, tappte er mit seinen handvernähten Schuhen in allerlei Fettnäpfchen. Viele Genossen nahmen ihm sein Leitmotiv übel: „Erst kommt das Land, dann die Partei.“

Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder. (foto: Nord Stream (2))