Batteriespeicher
06.05.2019

Gigafactory in Deutschland: Tesvolt statt Tesla

Foto: Tesvolt
Tesvolt produziert in Wittenberg Stromspeicher für Gewerbe und Industrie.

In Wittenberg entsteht Europas erste Gigafactory für Batteriespeicher. Tesvolt baut eine Fertigung mit einer jährlichen Produktionskapazität von über einer Gigawattstunde – allerdings nicht für E-Autos.

Die erste Gigafactory ist eine Fabrik von Tesla im US-Bundesstaat Nevada. Dort werden in Kooperation mit dem japanischen Elektronikkonzern Panasonic Lithium-Ionen-Akkus vor allem für E-Autos produziert. Nun bekommt auch Deutschland eine Batteriefabrik mit einer jährlichen Produktionskapazität von über einer Gigawattstunde (GWh): In Sachsen-Anhalt entsteht Europas erste Gigafactory für Batteriespeichersysteme. Das Unternehmen Tesvolt aus Wittenberg baut allerdings keine E-Auto-Batterien, sondern Batteriespeicher für Gewerbebetriebe.

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„Der Weltmarkt für stationäre Energiespeicher hat bereits eine Gesamtkapazität von 16 GWh erreicht. Die Menschen in Europa wollen keine rauchenden Kohlekraftwerke und Dieselskandale mehr, sie wünschen sich eine Zukunft ohne Umweltkatastrophen“, sagt Daniel Hannemann, der Tesvolt vor fünf Jahren zusammen mit Simon Schandert gegründet hat. Die millionenschwere Investition in die Gigafactory finanziert Tesvolt dabei nach eignen Angaben ohne Unterstützung, lediglich die Fertigungslinien würden zu rund zehn Prozent von der EU gefördert.

In der Gigafactory sollen die Tesvolt Batteriespeicher vollständig CO2-neutral entstehen. Auch Lager und Büros sollen zu 100 Prozent mit Solarenergie versorgt werden. Die Fertigstellung des ersten Bauabschnittes ist für Juni geplant.

Tesla-Gigafactory in Deutschland?

Während es im Segment der Gewerbe- und Industriespeicher somit vorangeht, stockt die Entwicklung im Bereich der Elektromobilität. Tesla und Panasonic haben ihre geplanten Investments in die Erweiterung der Gigafactory 1 erst einmal auf Eis gelegt. Schneller voran kommt aber offenbar der Bau der dritte Riesenfabrik von Tesla in der chinesischen Industriestadt Schanghai.

Eigentlich wollte Tesla längst auch einen Gigafactory-Standort für den Bau von Batterien in Europa verkünden. Mehrere Bundesländer machen sich hier Hoffnung. Doch der US-Hersteller von Elektroautos hat derzeit offenbar in erster Linie mit der Beseitigung der Model 3-Produktionsprobleme zu tun.

Europäisches Batteriekonsortium geplant

Auf politischer Ebene bleibt das Thema Batteriefabriken derweil auf der Tagesordnung: Wirtschaftsminister Peter Altmaier und sein französischer Kollege Bruno Le Maire haben gemeinsam mit EU-Kommissions-Vizepräsident Maros Sefcovic das europäische Projekt für die Herstellung von Batterien für E-Autos vorgestellt, mit dem sie der Konkurrenz aus China trotzen wollen. Gefördert wird mit 1,2 Milliarden Euro ein Konsortium um Opel-Mutter PSA und dem französischen Batteriehersteller „Saft“. Bis 2020 soll eine Pilotfabrik in Frankreich entstehen. In den Jahren 2022 und 2023 kämen jeweils ein Werk in Deutschland und Frankreich hinzu.

Während die Politik noch plant und Tesla schwächelt, schafft Tesvolt Fakten in Deutschland – wenn auch nicht für E-Auto-Batterien. Doch nicht nur im Verkehrssektor spielen Batteriespeicher eine zunehmend wichtige Rolle für die Energiewende. Speicher wie die von Tesvolt können an verschiedene Energieerzeuger angeschlossen werden: Sonne, Wind, Wasser, Biogas und Blockheizkraft – On-Grid ebenso wie Off-Grid. Sie könnten so auch zur Stabilisierung der Stromnetze beitragen.

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Carsten Kloth
Keywords:
Batteriespeicher | Gigafactory
Ressorts:
Technology

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