Windenergie
16.01.2013

Größer, stärker, besser

Repower Systems

Die aktuellen Trends in der Windenergiebranche: Riesen-Rotoren, Mega-Turbinen und eine Service-Offensive

Weniger aus mehr, so lässt sich die Entwicklung der Windkraft in den letzten Jahren zusammenfassen. Zwar steigt die Menge des produzierten Windstroms kontinuierlich, die Zahl der Anlagen sinkt dagegen. Mit technischen Innovationen ist es den Herstellern gelungen, die Energieproduktion pro Windrad zu steigern. „Das gelingt beispielsweise durch längere Rotorblätter“, weiß Felix Losada vom Hersteller Nordex.

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Der Trend geht klar in Richtung Großrotoren. Die Riesenflügel durchstreichen größere Flächen. „So fangen sie einfach mehr Wind ein“, sagt Losada. Nordex bringt in diesem Jahr eine neue Anlage für das Binnenland auf dem Markt, der Rotordurchmesser der Turbine liegt bei rekordverdächtigen 117 Metern. Laut Nordex-Angaben ist es die ertragreichste Turbine ihrer Klasse. Die Anlage soll je nach Standort eine um bis zu 20 Prozent höhere Stromausbeute bringen. 

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Flügel komplett aus Glasfasern

Für den Betreiber lohnt sich die Investition also. „Die Kosten für die produzierte Kilowattstunde sinken deutlich“, betont Losada. Konkurrent Siemens geht noch einen Schritt weiter. Das Unternehmen hat vor wenigen Wochen das mit 75 Metern längste Rotorblatt der Welt vorgestellt, auf der Anlage installiert ergibt sich ein Durchmesser von 150 Metern. Wenn der Megaflügel dreht, durchstreicht er eine Fläche von der Größe zweier Fußballfelder. Siemens fertigt die Flügel komplett aus Glasfasern. Das Material ermöglicht eine extrem stabile und gleichzeitig leichte Konstruktion. Zahlen des Deutschen Windenergie Instituts bestätigen den Wachstumstrend bei den Rotoren. Seit 1990 hat sich die durchschnittliche Rotorgröße von neu installierten Windanlagen mehr als verdreifacht.

 Während Siemens seinen Megaflügel erst in den Probebetrieb nimmt, wird Nordex im Herbst bereits erste Anlagen in Polen und den USA aufstellen. „Verbunden mit höheren Türmen eignen sich die längeren Rotoren für Binnenland-Standorte mit mäßigen Windstärken“, sagt Nordex-Mann Losada. Die neue Anlagentechnik macht Windparks dort überhaupt erst rentabel. Der Run auf die Standorte hat begonnen, auch in Deutschland: Im Blick haben die Hersteller dabei beispielsweise Bayern und Baden-Württemberg. Beide Bundesländer planen, ihren Windenergieanteil auszubauen. 

Die Leistungsrallye hat begonnen 

Aber nicht nur die Rotoren werden größer, auch die Leistung der Turbinen steigt kontinuierlich. Vor zehn Jahren lag die durchschnittliche Leistung der in Deutschland installierten Anlagen bei 1,1 Megawatt, mittlerweile ist es doppelt so viel. Der Bedarf an Großturbinen wächst. Ein Treiber ist der sich entwickelnde Offshore-Markt. Noch führt Onshore-Spezialist Enercon mit seiner 7,5 Megawatt-Turbine E-126 das Ranking der Multi-Megawatt-Maschinen an. Das Unternehmen hat die Riesenmühle bereits zwei Dutzend Mal verkauft. Konkurrent Vestas befindet sich mit seiner 7-Megawatt-Maschine noch in der Testphase. Auch chinesische Hersteller sind in die Leistungsrallye eingestiegen. Sinovel und Goldwind arbeiten nach eigenen Angaben an 10-Megawatt-Turbinen.

Der Verkauf von Anlagen allein reicht aus Herstellersicht nicht mehr aus. Wer Kunden behalten beziehungsweise dazu gewinnen will, muss mehr bieten, so der Tenor aus der Branche. Beispielsweise guten Service. Eine Studie des Beratungsunternehmens Oliver Wymann bestätigt: Das Geschäft mit Wartung und Service erhöht die Gewinnmarge der Hersteller. Unternehmen wie Vestas, Repower oder GE investieren daher kräftig in ihre Wartungs-Teams. Für sie gilt es, verlorenen Boden gut zu machen. Sie alle schnitten in puncto Service in der Vergangenheit eher schlecht ab. 

Hersteller-unabhängige Anbieter konnten sich auf dem Markt etablieren. Turbinenbauer Enercon bietet seinen Kunden traditionell ein Rundum-Sorglos-Paket an. Siemens folgt nun diesem Beispiel und schließt mit dem Verkauf jeder Anlage auch einen Service-Vertrag für 15 bis 20 Jahre ab. Die langen Vertragslaufzeiten kommen Projektbetreibern entgegen: Aus Sicht der Banken reduzieren sie das Ausfallrisiko der Anlagen. Damit steigt die Chance auf einen Kredit.

Karsten Wiedemann
Keywords:
Windenergie | Rotorblätter | Wartung | Enercon | Nordex | Vestas
Ressorts:
Technology

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