Nachhaltige Geldanlage
16.03.2016

Green Bonds – Milliarden fürs Klima

foto: Wikipedia
Weltbank in Washington, eine der ersten Emittenten von Green Bonds.

Grüne Anleihen sind angesagt. Selbst Hersteller wie Toyota oder Energieriesen wie Engie finden – trotz fossiler Tradition – genügend Klimaprojekte im eigenen Konzern, um sie per Green Bond zu finanzieren.

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Preisfrage: Was kostet die Rettung des Weltklimas? Das haben kürzlich die Analysten der Bank of America Merrill Lynch ausgerechnet. Ergebnis: 93 Billionen US-Dollar sind bis 2030 notwendig, das entspricht 6,2 Billionen US-Dollar jährlich, um den Temperaturanstieg auf zwei Grad zu begrenzen. Das ist mehr Geld als im aktuellen US-Haushalt, der vier Billionen US-Dollar umfasst. Der Etat der Bundesregierung beträgt 317 Milliarden Euro. Selbst wenn Präsident Barack Obama und Kanzlerin Angela Merkel das gesamte ihnen zur Verfügung stehende Geld ausschließlich in C02-Vermeidungstechnologien investieren würden, wäre das noch nicht genug. Hinzu kommt: 60 Prozent dieser 93 Billionen US-Dollar müssten in den bevölkerungsreichen Emerging Markets investiert werden, darunter vor allem China, Indien, Brasilien und Mexiko.
Weltbank, EIB und KfW als Vorreiter Green Bonds sind dafür ein ideales Vehikel. Die Anleihen zur Finanzierung von Umwelt- und Klimaschutzprojekten sind ein Kind der großen Entwicklungsbanken. Die Weltbank in Washington und die European Investment Bank (EIB) in Luxemburg machten 2007 den Anfang. Auch die KfW in Frankfurt entdeckte diese Finanzierungsform früh für sich und war 2015 bereits der drittgrößte Emittent.

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Sean Kidney, Vorsitzender und Mitgründer der Londoner Climate Bonds Initiative, erwartet für 2016 ein weltweites Emissionsvolumen von mindestens 100 Milliarden Dollar. „Der Green Bonds Markt ist ein sehr sicherer, milliardenschwerer und liquider Infrastrukturmarkt“, wirbt Kidney. Fast alle namhaften Finanzhäuser von Black Rock bis Allianz Global Partners sowie Finanznachrichtenagenturen von Reuters bis Bloomberg unterstützen inzwischen Kidneys Organisation.

 

Selbst Konzerne konventioneller Energien finanzieren Green Bonds

Damit die Initiative nicht an Sprachgrenzen scheitert, sind inzwischen die gesamte Webseite sowie alle technischen Informationen über Green Bonds auch auf Chinesisch online. Grüne Anleihen werden inzwischen auch bei Unternehmen überaus populär. Selbst Konzerne wie Toyota, Electricité de France oder der Energieversorger Engie (früher GDF Suez), die eher für die Verbrennung konventioneller Energieträger stehen,
finden heute genügend Klimaprojekte im eigenen Konzern, um diese mit Green Bonds zu finanzieren. Kidney sieht darin primär kein „Greenwashing“, wie Kritiker monieren, sondern ein klares Zeichen, dass Konzerne aus Angst vor der Erderwärmung in Klimaprojekte investieren.

Zwar gibt es in den USA eine Front von gut bezahlten Klimaskeptikern. Doch anders als die Kohle- und Öllobby betrachten die meisten Banken, Versicherer, Pensionskassen und Stiftungsvermögen den menschengemachten Klimawandel für bewiesen. Extremwetter ist das zweitgrößte Schadensrisiko weltweit. Es betrifft statistisch zwar erst zehn Prozent des Globus, das ist aber schon deutlich mehr als in der Zeit vor 1980, als nur 0,2 Prozent der Erde von Wetterkatastrophen betroffen war.

Für Banken sind Green Bonds nicht zuletzt eine lukrative Finanzierungsaufgabe. Industriekonzerne und Großbanken sind auf dem besten Weg, die Förderbanken bei der Neuemission von Green Bonds zu überholen. Und die Überholten betrachten dies als ihren historischen Erfolg. „Es ist für den Markt gut, wenn es eine größere Anzahl von Emittenten gibt – auch solche, die ein großes Volumen anbieten“, sagt Heike Reichelt, Investor-Relations-Chefi n der Weltbank in New York. Reichelt wirkte dort 2007 maßgeblich bei der Geburt der ersten Green Bonds mit. Es ist für sie heute offensichtlich, „dass Investoren jetzt immer mehr Klimarisiken in ihre Investitionsentscheidungen einbeziehen und dem Zweck ihrer Investitionen mehr Bedeutung geben.“

Gerade für die Schwellenländer bieten die grünen Anleihen elegante Lösungen. So hat Indien im Jahr 2015 erste Schritte auf dem Green Bonds Markt gemacht und grüne Anleihen über 1,1 Milliarden US-Dollar genehmigt. Unter der Handvoll Emittenten waren unter anderem die Yes Bank und die Export-Import Bank of India sowie in China Goldwind und die Agricultural Bank of China. Der nationalistischen Hindu-Regierung dämmert längst, dass Indien und seine Megastädte nicht nur ein Armutsproblem haben, sondern vor allem ein massives Umweltproblem. Mit Green Bonds könnte das Land milliardenschwere Investoren aus dem Ausland mobilisieren. Indiens Wertpapierund Börsenaufsicht hat Mitte Januar vorsorglich Regeln für Green Bonds erlassen. Jeder Green Bond muss von ihr genehmigt werden, zweifelhafte Anbieter sollen so von Anfang an außen vor bleiben.

Die Unterstützung für klimaneutrale Kapitalanlagen kommt inzwischen auch von jungen Ökoaktivisten aus dem studentischen Milieu. Die aus den USA stammende Fossil Free Bewegung zählt in 25 deutschen Städten eigene Ortsgruppen. Deren Aktivisten fordern, dass „öffentliche Institutionen mit sofortiger Wirkung sämtliche neue Investitionen in fossile Brennstoffe stoppen“ und sich darüber hinaus von ihren bestehenden Kapitalanlagen fossiler Brennstoffe innerhalb der kommenden fünf Jahre trennen.

Damit klar ist, wessen Aktien, Mischfonds, Anleihen, Beteiligungen Tabu sein sollten, publiziert die Organisation eine Liste der 200 größten CO2-Emittenten aus der Kohle-, Ölund Gaswirtschaft. Darunter finden sich die Kohlesünder Coal India, China Shenhua, Anglo American und die Ölkonzerne Gazprom, Rosneft, Petro China, Exxon Mobil, Lukoil, BP, aber auch der Essener Versorger RWE.

 

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Keywords:
Green Bonds | grüne Geldanlage | KfW | Klimaschutz | Finanzprodukte
Ressorts:
Finance

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