Atommüll
20.06.2013

Greenpeace fordert offene Endlagersuche

Die Umweltschutzorganisation lehnt den Entwurf zum Endlagersuchgesetz ab. Der Zeitplan der Bundesregierung sei unrealistisch. Laut Greenpeace kommen die meisten Bundesländer als mögliche Standorte in Frage.

Greenpeace spricht sich gegen den aktuellen Entwurf zum Endlagersuchgesetz aus, das dem Plan nach, noch vor der Sommerpause von Bundestag und Bundesrat beschlossen werden soll. Stattdessen solle die Suche nach einem Endlager für Atommüll in Deutschland von vorne und vor allem unter Miteinbeziehung der Bevölkerung beginnen. Nur so ließe sich eine in der Gesellschaft breit akzeptierte Lösung finden.

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Der von der Bundesregierung anvisierte Zeitpunkt für einen Abschluss der Endlagersuche im Jahre 2031 ist laut Mathias Edler, Atomspezialist von Greenpeace, utopisch. Der Prozess dauere fünf bis sieben Legislaturperioden. Vor 2040 sei nicht mit einem finalen Ergebnis zu rechnen. 

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Gorleben ausklammern

Greenpeace fordert einen kompletten Neustart der Endlagersuche. Der Salzstock Gorleben solle dabei tabu sein. Mit Gorleben im Rennen sei es nicht möglich, nach objektiven Gesichtspunkten den besten Standort für ein Endlager zu ermitteln, so Edler.  In Konsequenz empfiehlt die Umweltschutzorganisation ein neues Rahmengesetz, welches eine ergebnisoffene Suche zum Inhalt hat. Zu diesem Zweck solle die Regierung eine Kommission einsetzen, mit dem Auftrag, Kriterien für das Suchverfahren zu definieren.

Ulrich Schneider, der als Diplom-Geologe bereits in den 1980ern Gorleben auf seine Tauglichkeit als Endlager untersucht hat, betont: „Salzstöcke sind nicht die einzige geeignete geologische Formation um Atommüll zu lagern, wir müssen Tonstein- und Granitvorkommen in die Suche mit einbeziehen.“ 

Bei ihren Aussagen stützen sich Edler und Schneider auf von Greenpeace neu ausgewertete Daten, die im Auftrag der verschiedenen Bundesregierungen in den vergangenen knapp 40 Jahren erhoben wurden. Im Ergebnis eignen sich laut Greenpeace fast alle Bundesländer als mögliche Endlagerstätten.

Gefahren der Zukunft 

Die Politik müsse bei der Standortwahl abwägen, zwischen Gefahren durch zukünftige Eiszeiten im Norden und einer Erdbebengefahr im Süden der Republik, betont Geologe Schneider. In der vergangenen Millionen Jahre habe es zehn Eiszeiten in Nordeuropa gegeben. Trotz Klimawandel sei nicht auszuschließen, dass es auch in Zukunft solche Kälteperioden gebe, bei denen in der Vergangenheit die untersten Gesteinsschichten nach oben gekehrt wurden. 

 
 
Nora Enzlberger
Keywords:
Endlager | Atommüll | Gorleben | Greenpeace | Atomausstieg
Ressorts:
Governance

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