AKW-Neubau
03.05.2012

Greenpeace-Studie warnt vor finanziellen Risiken

Quelle: Fennovoima
Noch reine Animation: Das finnische AKW in Pyhäjoki mit Eon-Beteiligung

Der Neubau eines Atomkraftwerks in Finnland könnte für den Essener Energieriesen Eon zu einem finanziellen Desaster werden. Zu diesem Schluss kommt eine druckfrische Greenpeace-Studie.

Der Baubeginn für das Kernkraftwerk im westfinnischen Pyhäjoki ist für 2014 geplant. Sechs Jahre später soll der Reaktor ans Netz gehen. Ob das so umgesetzt werden kann, ist aber fraglich. „Der Zeitplan ist reines Wunschdenken, in Wahrheit sind die Genehmigungsrisiken so groß, dass es zu erheblichen Verzögerungen und zu einer Kostenexplosion kommen wird”, sagt Tobias Riedl, Experte auf diesem Gebiet bei Greenpeace in Hamburg und Auftraggeber der Studie.



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Denn auch in Finnland werden nach dem Atomunfall in Fukushima neue Sicherheitsstandards für den Neubau von Kernkraftwerken erarbeitet. Zeitplan und Kosten für den Bau des Reaktors sind nach der Studie der beiden niedersächsischen Beratungsunternehmen Intac und Cervus Nuclear Consulting nur schwer zu berechnen. Weitere Risiken seien die ungeklärte Entsorgung des Atommülls, neue politische Rahmenbedingungen sowie eine Veränderung auf dem Strommarkt durch mehr erneuerbare Energien, „ die die Einnahmen aus der Stromproduktion gefährden könnten“, so heißt es.

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Die Entscheidung darüber, welcher Reaktortyp gebaut werden soll, fällt erst Ende des Jahres. Geplant war die Entscheidung Ende 2011 – damit verzögert sich der Bau bereits um ein Jahr. Im Wettbewerb sind der europäische Druckwasserreaktor von Areva aus Paris und ein Siedewasserreaktor vom US-japanischen Konzern Toshiba-Westinghouse. Beide Typen sind in der geplanten Leistungsstärke von 1.700 beziehungsweise 1.600 Megawatt weltweit noch nicht gebaut worden.

Die Kosten werden auf vier bis sechs Milliarden Euro geschätzt. Betreiber des Projekts in Pyhäjoki ist das internationale Konsortium Fennovoima. Die Essener sind ist mit einem Anteil von 34 Prozent der größte Anteilseigner, weitere 68 finnische Firmen sind beteiligt. Greenpeace fürchtet, dass die Mehrkosten zu Einsparungen an anderer Stelle führen. „Eon hat sich verkalkuliert und droht Milliarden in den Sand zu setzen – die für die Energiewende dringend erforderlich wären”, warnt Greenpeace-Mann Riedl.

„Grundsätzlich müssen optimale Marktbedingungen und stabile Rahmenbedingungen bestehen, um die Realisierung von Kernkraftwerksneubauten sicherzustellen“, so der zuständige Sprecher bei Eon, Sebastian Heindrichs. „Die Projektoption in Finnland verfolgt Eon vor diesem Hintergrund auch weiterhin.“ Mit dem Verweis auf das sehr frühe Entwicklungsstadium des Projekts wollte Heinrichs sich nicht weiter im Detail äußern. Die geplanten Investitionen innerhalb der nächsten fünf Jahre in Höhe von sieben Milliarden Euro in erneuerbare Energien blieben jedoch davon unberührt, versichert der Energiekonzern.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Atomausstieg | Eon | Erneuerbare Energie
Ressorts:
Finance

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