Wasserstoff
21.05.2019

Großauftrag aus Hessen für Brennstoffzellenzüge

Foto: Alstom/Michael Wittwer
Alstom präsentierte den CO2-emissionsfreien Regional­zug Coradia iLint erstmals 2016 in Berlin.

Der Rhein-Main-Verkehrsverbund will die größte Brennstoffzellen-Flotte der Welt auf die Schienen stellen. Die Ausschreibung über 27 Züge gewann Alstom.

Wasserdampf statt Dieselabgase – die Nahverkehrszüge im Taunus sollen künftig von Brennstoffzellen angetrieben werden. Einen entsprechenden Großauftrag über 27 Züge mit einem Gesamtvolumen von rund 500 Millionen Euro hat die RMV-Tochter „fahma“ an den französischen Zughersteller Alstom erteilt. Der Auftrag umfasst auch die Versorgung mit Wasserstoff am Industriepark Höchst, die Instandhaltung sowie Reservezüge für die nächsten 25 Jahre, wie die beteiligten Unternehmen berichteten.

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Dem Rhein-Main-Verkehrsverbund zufolge wird bis zum Fahrplanwechsel 2022/2023 die größte Brennstoffzellen-Flotte der Welt auf die Schienen gestellt. Technisch fußt der eingesetzte Triebwagen iLint auf einem vielfach erprobten Diesel-Zug des Herstellers Alstom. Wasserstoff-Tanks und Brennstoffzellen ersetzen die Diesel-Komponenten. Für den Hersteller bedeutet die Bestellung aus Hessen den zweiten Großauftrag nach Niedersachsen für sein Brennstoffzellen-Modell.

Bund unterstützt die Investition

„Die Anschaffung der 27 Fahrzeuge ist ein Leuchtturmprojekt der Brennstoffzellenmobilität, über das ich mich sehr freue“, sagt Enak Ferlemann, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium. Der Bund unterstützt die Investition, indem er 40 Prozent der Fahrzeugmehrkosten übernimmt, die im Vergleich zu Dieselfahrzeugen anfallen, sowie durch eine anteilige Förderung der Wasserstofftankstelle.

Der Brennstoffzellen-Antrieb sei eine schnell umsetzbare Alternative zur Elektrifizierung, sagt der hessische Verkehrsminister Tarek Al-Wazir: „Der Verkehr ist in Hessen für ein Drittel der Treibhausgasemissionen verantwortlich. Wasserdampf statt Dieselruß ist deshalb ein spannender Ansatz.“

Hoffnungsträger "Power to Gas"

Zumindest im direkten Betrieb eines solchen Zuges fallen keine klimaschädlichen Emissionen an, weil in einer Brennstoffzelle Wasserstoff kontrolliert mit dem Sauerstoff aus der Luft reagiert und so Strom für den Elektromotor liefert. Allerdings kommt reiner Wasserstoff in der Natur nicht vor, sondern muss mit hohem Energieaufwand aus Verbindungen wie Wasser gelöst werden.

Die alternative Stromwirtschaft setzt große Hoffnungen in die „Power to Gas“-Technologie, bei der regenerativ gewonnener Solar- oder Windstrom zur Aufspaltung von Wasser in Sauerstoff und speicherbaren Wasserstoff genutzt wird. Ähnlich wie bei Elektroautos könnte die Brennstoffzelle erst bei einer regenerativen Produktion der Primärenergie ihre Umweltvorteile voll ausspielen. Die Reichweite von Fahrzeugen mit Brennstoffzelle ist bislang deutlich größer als die von batteriegetriebenen Elektro-Mobilen. Die Technologie wird daher insbesondere für den Schienen- und Schwerverkehr als Alternative zum Batteriebetrieb gesehen.

Niedersachsen ging voran

Weltpremiere hatte der in Salzgitter gebaute Regionalzug „Coradia iLint“ von Alstom 2018 in Niedersachsen. Er verbindet dort die Städte Bremervörde, Cuxhaven, Bremerhaven und Buxtehude. Niedersachsen will ab 2021 weitere 14 Brennstoffzellenzüge einsetzen. Langfristig wollen viele Bundesländern Dieselloks auf Nebenbahnen durch Wasserstoffzüge ersetzen. So sollen beispielsweise auf der Strecke der Schwarzatalbahn in Ostthüringen von Ende 2021 an testweise Linienzüge fahren, die mit Wasserstoff-Brennstoffzellen angetrieben werden.

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ck/dpa
Keywords:
grüner Wasserstoff | Alstom | Brennstoffzellenzug
Ressorts:
Technology | Markets

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