Energiekosten
30.05.2018

Grüner Strom: Skandinavien wird Eldorado der Datenzentren

Foto: Creative Commons/Christopher Down
Facebook-Datenzentrum im schwedischen Lulea. Das Unternehmen plant, seine Anlage an dem Standort auszubauen.

Der Bedarf an Rechenzentren wächst rasant, ihr Energiehunger ebenso. In Europa wird Skandinavien dafür zum Standort der Wahl, wie eine neue Studie zeigt. Das liegt nicht zuletzt am Ökostrom.

Große IT-Konzerne drängen mit ihren Rechenzentren nach Skandinavien. Das britische Immobilien- und Marktforschungsunternehmen Savills sagt voraus, dass dieser Trend noch zunimmt. Das begehrteste Ziel wird demnach Norwegen sein, gefolgt von Schweden, Finnland und Dänemark. (Lesen Sie auch: Windstrom lockt Facebook, Apple & Co. nach Dänemark)

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Die Savills-Marktforscher haben rund 20 europäische Länder auf ihre Eignung für große Rechenzentren geprüft. Kriterien waren die jährliche Durchschnittstemperatur und die Durchschnittstemperatur des wärmsten Monats. Außerdem die Menge der Ökostromproduktion und der gesamten Stromproduktion pro Kopf sowie der Strompreis. Berücksichtigt wurden auch die verfügbare Menge von Süßwasser pro Kopf, die jährlichen Verluste der Wirtschaft aufgrund von Naturkatastrophen, die Internetgeschwindigkeit sowie eine Reihe weiterer Faktoren.

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Deutschland auf drittletztem Platz

In die Spitzengruppe des Rankings geschafft haben es auch die Niederlande auf Platz vier – damit liegen sie sogar einen Platz vor Dänemark. Ebenfalls im oberen Drittel ist Rumänien auf Platz 6. Deutschland liegt auf dem drittletzten Platz vor Italien und Griechenland.

Standorte in nordischen Regionen eignen sich besser für Datenzentren als warme Gegenden, weil eine niedrigere Außentemperatur weniger Energie zum Kühlen der Rechner erfordert. Ähnlich wichtig: Die Kühlsysteme brauchen viel Wasser, deshalb wählen Betreiber von Rechenzentren Standorte mit ausreichender und möglichst günstiger Wasserversorgung. Dass auch der Ökostrom zu einem der wichtigsten Entscheidungskriterien geworden ist, liegt daran, dass sich immer mehr IT-Konzerne eine CO2-neutrale Energieversorgung zum Ziel setzen. Nicht allein aus eigenem Antrieb: Umweltschutzorganisationen kritisieren die Branche für ihren hohen Energieverbrauch.

Geballte Rechenleistung in Süddänemark

Erneuerbare Energie ist unter anderem für Facebook, Google und Apple ein wesentlicher Grund, Rechenzentren in Skandinavien zu bauen. Google betreibt bereits seit 2011 eines in Finnland und plant zwei weitere in Schweden und Dänemark. Die Region um den dänischen Ort  Aabenraa könnte nach Einschätzung von Savills zum größten Datenzentren-Standort der Welt werden, da Google dort zwei solche Einrichtungen und Apple eine plant.

Facebook will sein Datenzentrum im schwedische Lulea vergrößern, auch Amazon hat den Bau dreier Anlagen in Schweden angekündigt. IBM hat sich für die norwegische Hauptstadt Oslo entschieden, der chinesische Konzern Alibaba für Schweden. Auch energieintensive Bitcoin-Mining-Unternehmen siedeln sich zunehmend in Skandinavien an.

Schweden senkt Stromsteuer

„Die Energiekosten in der nordischen Region zählen zu den niedrigsten der Welt“, schreiben die Savills-Analysten. Die Gegend produziere im Vergleich zu anderen europäischen Ländern außerdem grünen Strom im Übermaß.

Schweden hat bei seiner Attraktivität für Großverbraucher von Strom allerdings etwas nachgeholfen: Anfang 2017 senkte es die Steuer auf den Stromverbrauch von Datenzentren drastisch. Übrig geblieben sind 0,05 Cent pro Kilowattstunde. Weniger geht nicht, denn das ist der von der EU-vorgegebene Mindestsatz für Stromsteuern.

Lesen Sie auch: Blockchain-Projekt: Lightning-Network könnte Bitcoin-Strombedarf senken

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Rechenzentren | Skandinavien | Ökostrom
Ressorts:
Markets

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