Fernleitungsnetzbetreiber
17.06.2019

Grünes Gas soll durch die Pipelines strömen

Foto: GASCADE Gastransport GmbH
Die deutschen Betreiber von Gas-Fernleitungsnetzen planen mit mehr Grüngas.

Wasserstoff, synthetisches Methan und Biomethan werden Teil des nächsten Netzentwicklungsplans der Gaswirtschaft. Für das kommende Jahrzehnt werden schon Elektrolysekapazitäten im Gigawattbereich erwartet.

Die Betreiber der großen Gasnetze rüsten sich für Grüngas-Projekte. Derzeit entwickelt die Branche den neuen Netzentwicklungsplan (NEP). Neben Biomethan werden nach Angaben der Vereinigung der Fernleitungsnetzbetreiber (FNB Gas) als Grüne Gase erstmals auch Wasserstoff und synthetisches Methan in der Modellierung berücksichtigt. „Das ist neu und das ist spannend“, sagt FNB-Vorstandschef Ralph Bahke. Ohne die Verwendung grüner Gase sei eine Dekarbonisierung von Industrie, Verkehr oder Gebäuden nicht effizient möglich.

Anzeige

Anzeige

Der NEP wird jährlich auf den neuesten Stand gebracht. Bis zum 12. Juli sollen die Konsultationen zu den Szenarien beendet werden. Auch die Anmerkungen der Bundesnetzagentur fließen vor dem Abschluss des Planes noch ein. Zugleich läuft noch die Frist, in der Vorhaben zu Grüngas-Projekten gemeldet werden können. Bislang gibt es zwar bundesweit eine ganze Reihe von Pilotanlagen zur Herstellung von Wasserstoff oder Methan. Doch deren Produktionsmenge ist gering. Nach Ansicht der Netzbetreiber wird sich dies im kommenden Jahrzehnt ändern. Für 2025 geht die FNB Gas anhand der bisherigen 22 Projektmeldungen von installierten Elektrolysekapazitäten in Höhe von 1,5 Gigawatt aus. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollen es dann schon 7,5 Gigawatt sein.

Kernpunkt ist Power-to-Gas

Die Gas-Netzbetreiber wollen sich praktisch einen Teil des Ökostrom-Marktes sichern. Kernpunkt ist die Power-to-Gas-Technologie (PtG). Statt den zum Beispiel bei Offshore-Windparks anfallenden Stromüberschuss in neu zu bauenden Fernleitungen einzuspeisen, kann die Elektrizität mit Hilfe der PtG in Wasserstoff umgewandelt und durch die bereits bestehende Transportinfrastruktur geleitet werden. Das sehen wiederum die Netzbetreiber der Stromwirtschaft kritisch.

Eine Studie der Forschungsgesellschaft für Energiewirtschaft (FFE) im Auftrag des Verbands regionalisiert schon einmal die Standortfaktoren dafür, sowohl auf Seiten der Produzenten als auch auf der der Abnehmer. Geeignet für PtG-Anlagen sind demnach vor allem die küstennahen Regionen, in denen Ökostrom im Überfluss anfällt. Die Abnehmer wiederum finden sich etwa im ostdeutschen Chemiedreieck und im Ruhrgebiet. Langfristig rechnet das FFE auch entlang der Verkehrswege mit einer hohen Nachfrage.

Lesen Sie auch: Grüner Wasserstoff - einmal Gas und wieder zurück

Wolfgang Mulke
Keywords:
Green Gas | grüner Wasserstoff | Gasnetz
Ressorts:
Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen