Am heutigen Montag gaben die britische Regierung und der französische Energiekonzern EDF das Abkommen für den Bau des Atomkraftwerks Hinkley Point C offiziell bekannt. 2023 soll die neue Anlage in der britischen Grafschaft Somerset in Betrieb gehen und bis zu sechs Millionen Haushalte mit Strom versorgen. Es ist die erste Atomanlage seit fast 20 Jahren, die Großbritannien baut.

Der britische Premierminister David Cameron sieht den Deal nach langen Verhandlungen als Erfolg. 16 Milliarden Pfund (19 Milliarden Euro) an Investitionen kommen für den Bau ins Land, 25.000 neue Arbeitsplätze werden damit geschaffen. „Im harten internationalen Wettbewerb zeugt das vom britischen Selbstvertrauen und macht deutlich, das wir sehr offen sind für Geschäfte“, sagte Cameron.  

Strompreis garantiert

Neben EDF sind der französische Anlagenbauer Areva (10 Prozent) und die chinesischen Atomkonzerne CGN und CNNC (insgesamt bis zu 40 Prozent) an dem Projekt beteiligt. Mit weiteren Unternehmen verhandelt EDF derzeit. Die Regierung Cameron garantiert den Konzernen dabei die Abnahme des Atomstroms für 10,6 Cent pro Kilowattstunde. 

Diese Zusicherung dürfte die Strompreisdebatte auf der Insel weiter anheizen. Zuletzt hatten zwei der sechs größten britischen Versorger, British Gas and SSE, ihre Preise um rund zehn Prozent angehoben. Am Wochenende hatte der Erzbischof von Canterbury, Justin Welby, die moralische Verantwortung der Energiekonzerne über die Profitmaximierung hinaus angemahnt.

Auch mit der EU droht dem britischen Atomprojekt wegen des staatlich garantierten Strompreises ein Konflikt. Vor wenigen Wochen gab EU-Wettbewerbskommissar Joaquin Almunia bekanntgegeben, dass er in seinem Entwurf für Beihilferichtlinien die Atomkraft nicht berücksichtigen möchte. Projekte wie Hinkley Point in Großbritannien müssen demnach gesondert von Fall zu Fall auf ihre Vereinbarkeit mit EU-Recht geprüft werden.