Biodiesel aus Raps senkt im Vergleich zu fossilem Diesel den CO2-Ausstoß um 60 Prozent im Schnitt - dies gelte selbst dann, wenn indirekte Effekte des Rohstoffanbaus für Biokraftstoffe berücksichtigt würden, ergab eine heute veröffentlichte Studie vom Thinktank Studio Gear Up im Auftrag des Biokraftstoffverbandes (VDB). Die Studie begründet den weitgehend positiven Klimaeffekt damit, dass die Produktion von Biodiesel und -ethanol aus Anbaubiomasse in der EU zum größten Teil in den Jahren von 2000 bis 2010 anstieg.

Zu der Zeit nutzten die Landwirte, erläutert die Studie, dazu Stilllegungs- und Ausgleichsflächen. Die Landwirte hätten die Rohstoffe auf Flächen angebaut, die zunächst Agrarflächen waren, dann aber aus der Produktion genommen wurden. "Damit konnte vom Rohstoffanbau für Biokraftstoffe auf diesen Flächen keine indirekte Landnutzungsänderung ausgehen", erklärte Studienautor Carlo Hamelinck vom Studio Gear Up. Beim Raps habe zudem die gestiegene Nachfrage nach Pflanzenöl bis 2010 zu großen Verbesserungen der Erträge geführt, was nicht zu indirekten Verdrängungseffekten führe.

Damit sehen die Studienautoren nach eigener Mitteilung Behauptungen von Umweltorganisationen wie Transport & Environment widerlegt, wonach Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse angeblich sogar mehr Treibhausgase ausstießen als fossile Kraftstoffe. "Indirekte Effekte können nur bei einer starken Zunahme der Produktion auftreten, nicht für bestehende Mengen", so Hamelinck.

Biokraftstoffe sind für die deutschen Klimaziele aus der Sicht von VDB-Geschäftsführer Elmar Baumann unverzichtbar. Gebraucht werde in den kommenden Jahren eine stetig steigende THG-Quote, damit Biokraftstoffe aus Anbaubiomasse nicht durch andere Erneuerbare im Straßenverkehr verdrängt würden. Der VDB lehne es allerdings grundsätzlich ab, indirekte Effekte auf die Klimabilanz von Biokraftstoffen anzurechnen. Das forderten NGO, um die CO2-Bilanz von Biokraftstoffen schlecht zu rechnen, sagte Baumann.

Verbot von Palmöl ab 2022 gefordert

Scharfe Kritik am Gesetzentwurf zur THG-Quote kam heute von der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Die Gesetzesvorlage sehe einen Ausstieg aus Palmöl im Diesel erst ab 2026 vor. Dieser späte Ausstieg aus Palmöl sowie dessen Ersatz durch andere Anbaukraftstoffe verursache 5,8 Millionen Tonnen vermeidbares CO2. Dies geht aus einer am Dienstag veröffentlichten Analyse im Auftrag der DUH hervor.

Der Umweltverband fordert, spätestens Ende 2022 die Beimischung von Palmöl im Diesel zu beenden und auch keine anderen Agrokraftstoffe ersatzweise einzusetzen. Die DUH kritisiert in dem Zusammenhang generell, dass das THG-Quoten-Gesetz die Förderung von Agrokraftstoffen auf unbestimmte Zeit verlängere.

Für DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner sind Agrokraftstoffe "nur eine Scheinlösung" und verlängerten das Leben von Verbrennungsmotoren. Der Bundestag müsse den Gesetzentwurf "dringend nachbessern". Palmöl und andere Öle wie Soja oder Raps dürften nicht länger als Kraftstoff verbrannt werden.  Allein für den deutschen Verbrauch an Palmöl für Diesel wurden bis heute nach den Angaben der DUH rechnerisch rund 85.000 Hektar Wald und Moor in Ölpalm-Plantagen umgewandelt - eine Fläche fast so groß wie Berlin.

Laut DUH verursacht agrarischer Kraftstoff mehr Treibhausgase als fossiler - unter anderem wegen der Umwandlung kohlenstoffreicher Lebensräume wie Wald in Acker. Bei Palmöl seien die Emissionen bis zu dreimal höher als bei fossilem Kraftstoff und bei Sojadiesel etwa doppelt so hoch.

An Rapsfeldern scheiden sich die energiepolitischen Geister - für die einen sinnvoller, für die anderen unsinniger Klimaschutz. (Copyright: VDB)