Die Hamburger Gesellschaft für Vermögens- und Beteiligungsmanagement (HGV) übernimmt das Hamburger Stromnetz für den vorläufigen Kaufpreis von 550 Millionen Euro. Darauf haben sich die Konzernholding der Hansestadt und der Verkäufer, der Energieversorger Vattenfall, etwa vier Monate nach dem Volksentscheid über den Rückkauf geeinigt. Die Stadt geht damit als Netzbetreiber in das anstehende Konzessionsverfahren, in dem sich Vattenfall selbst nicht mehr bewerben möchte. 

„Mit der jetzt gefundenen Lösung minimieren wir die Risiken des Konzessionsverfahrens und vermeiden Rechtsstreitigkeiten mit offenem Ausgang“, sagt SPD-Fraktionschef Andreas Dressel. Das Votum der Bürger, das Netz zu rekommunalisieren, könne somit wesentlich zügiger und sicherer umgesetzt werden, mit mehr Planungssicherheit für alle Beteiligten. Allerdings ist der Ausgang des Konzessionsverfahrens ungewiss. Neben der städtischen Konzernholding bewerben sich schließlich auch der Düsseldorfer Versorger Eon sowie der niederländische Netzbetreiber Alliander um die Konzession, künftig das Stromnetz zu betreiben.

Den genauen Kaufpreis des Netzes soll ein gemeinsam beauftragter Gutachter festlegen, mindestens aber 495 Millionen Euro betragen. Für die Servicegesellschaften des Stromnetzgeschäfts soll nach dem gleichen Verfahren ein Preis bestimmt werden. Finanziert werde das Ganze über Kredite, teilte ein Senatssprecher auf Anfrage mit. Spätestens bis zum 1. Januar 2016 werden laut Vereinbarung alle für das Hamburger Stromnetz tätigen Vattenfall-Mitarbeiter übernommen. 

Kaufoption für Fernwärme

Über den Rückkauf des Stromnetzes hinaus hat sich Hamburg für das Jahr 2019 eine Erwerbsoption für die verbleibenden Vattenfall-Anteile (75 Prozent) am Fernwärmegeschäft gesichert. Bis dahin agieren der Versorger und die Stadt als Partner. Auf zwei alternative Mindestpreise konnten sich die Verhandlungspartner dabei schon einigen, je nachdem, ob das Gaskraftwerk in Wedel ab 2015 gebaut werden darf oder nicht. Mit dem neuen Gaskraftwerk läge der Kaufpreis der Vattenfall-Anteile am Fernwärmenetz bei mindestens 1,15 Milliarden Euro, ohne das Kraftwerk bei 950 Millionen Euro. 

Dem Verhandlungsergebnis zwischen HGV und Vattenfall muss der Hamburger Senat und der Aufsichtsrat des Versorgers bis zum 14. Februar zustimmen. Aber auch nach dem Verkauf der Netze bleibt Hamburg ein wichtiger Standort für Vattenfall, sagt Tuomo Hatakka, Deutschlandchef des schwedischen Stromkonzerns. „Mit Stromvertrieb, Energiehandel, Windkraft und anderen Aktivitäten wird der größte Teil unserer Mitarbeiter am Standort auch künftig für Vattenfall tätig sein.“

 
Hamburg hat sein Stromnetz wieder. (depositphotos)