Divestment
19.06.2018

Hannover Rück trennt sich von Kohle-Investments

Foto: Hannover Rück
Hauptverwaltung der Hannover Rück.

Nahezu die Hälfte der globalen Rückversicherer investiert nicht mehr in Kohle. Auch die Hannover Rück, drittgrößte Rückversicherung der Welt, schließt sich dieser Politik an.

Die Hannover Rück investiert nicht mehr in Unternehmen, deren Umsatz zu mehr als 25 Prozent von Kohle abhängig ist. Dies teilte die Versicherung der Initiative Unfriend Coal mit, einem internationalen Netzwerk der Divestment Bewegung. Die Divestment-Bewegung versucht Banken und Versicherungskonzerne dazu zu bringen, Investitionen aus unethischen Industrien unter dem Aspekt des Klima- und Umweltschutzes abzuziehen.
 
Ein Sprecher der Hannover Rück bestätigte die Entscheidung im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Man habe sich bereits vor einigen Monaten zu dem Schritt entschlossen, nicht mehr in Kohle-Unternehmen zu investieren. Kohle-Projekte sollen aber weiter rückversichert werden. Es sei schließlich eine politische Entscheidung von Regierungen, ob diese gebaut werden sollen oder nicht.

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Signal an die Branche

Die Hannover Rück war 2016 der drittgrößte Rückversicherer der Welt. Sie verwaltet ein Vermögen von rund 63,6 Milliarden US-Dollar. Die Unternehmen, die sich teilweise oder ganz von Kohle-Investitionen getrennt haben, kontrollierten im Jahr 2016 45 Prozent der globalen Rückversicherungsbeiträge von 257,5 Milliarden US-Dollar. Zu den Unternehmen gehören die Swiss Re, Münchener Rück, SCOR, Lloyd's, Generali, die Markel Corporation und nun auch die Hannover Rück.

„Fast die Hälfte des weltweiten Rückversicherungsmarktes trennt sich von der Kohle und sieht eindeutig keine Zukunft mehr für die größte Einzelquelle von Kohlenstoffemissionen“, sagt Peter Bosshard, Koordinator der Kampagne Unfriend Coal. Dies sei ein Signal für die Regierungen, Investoren und Finanziers, die über die Zukunft des globalen Energiesektors entscheiden.

Weitere Konzerne planen Divestment

„Die Veräußerung von Kohle durch die Hannover Rück ist ein willkommener erster Schritt“, sagt Regine Richter, Aktivistin der deutschen Umweltorganisation Urgewald, die mit Unfriend Coal kooperiert. Die 25-Prozent-Grenze für die Definition von Kohleunternehmen sei strenger als die Definitionen der Konkurrenten. Zusätzliche Ausschlusskriterien wie die Entwicklung neuer Kohleprojekte würden aber fehlen. Enttäuschend sei, dass die Erzeugung von Energie aus fossilen Ressourcen weiterhin rückversichert werden solle.

17 Versicherer haben nach Angaben von Unfriend Coal bereits schätzungsweise 30 Milliarden US-Dollar aus dem Kohlesektor abgezogen. Die Konzerne Allianz, AXA, SCOR und Zurich hätten ebenfalls beschlossen, Kohleprojekte zu begrenzen oder einzustellen. Auch der Schweizer Rückversicherer Swiss Re plane in diese Richtung.

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Carsten Kloth
Keywords:
Finanzen
Ressorts:
Finance

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