Biogas
15.02.2013

Hehres Ziel

MT Biomethan
Gasaufbereitungsanlage in Zeven.

Biomethan hat eine gute Ökobilanz, weshalb die Bundesregierung den Einsatz im Erdgasnetz forcieren will. Doch die Einspeisung stockt.

Bei der Energiewende wird viel zu oft über Wind- und Sonnenenergie gesprochen. Das meint zumindest Reinhard Schulz, Geschäftsführer des Biogasrats, einem Zusammenschluss größerer Unternehmen der Biogasbranche. „Dabei können unsere Anlagen rund um die Uhr Wärme und Strom produzieren“, schwärmt Schulz. „Mit Biomethan sind wir räumlich und zeitlich flexibel.“

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Biomethan entsteht aus der Vergärung von nachwachsenden Rohstoffen wie Mais und Zuckerrüben. Auch organische Abfälle eignen sich zur Gewinnung. Die Bundesregierung will daraus verstärkt Biogas produzieren lassen, um die Konkurrenz mit der Lebensmittelproduktion und die daraus resultierende ,Teller-Tank-Diskussion‘ zu umgehen. Bis 2020 sollen sechs Prozent oder 60 Milliarden Kilowattstunden des jährlichen Erdgasbedarfs durch Biogas oder qualitativ besseres Biomethan gedeckt werden. Das ist ehrgeizig, denn aktuell liegt der Anteil unter einem Prozent. Nach einer Analyse des Branchenverbandes BDEW kann Biomethan bis 2030 immerhin zehn Prozent des deutschen Erdgasverbrauchs ersetzen. 

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Derzeit stehen in Deutschland 7.600 Biogasanlagen, ein Drittel davon in Bayern. Die installierte elektrische Leistung beträgt 3.400 Megawatt, das entspricht der Leistung von drei Atomkraftwerken. Rund 98 Prozent der Anlagen speisen nicht ins Erdgasnetz ein, sondern betreiben kleine Kraftwerke mit Kraft-Wärmekopplung, die das Gas in Strom und Wärme umwandeln. 

Nur 107 der über 7.000 deutschen Biogasanlagen speisen Biomethan ein

Der Grund: Rohes Biogas muss mit hohem Aufwand gereinigt werden, um dann als 98 Prozent reines Methan ins Erdgasnetz eingespeist zu werden. Nur durch die Speicherung lässt sich Produktion und Verbrauch zeitlich und örtlich voneinander entkoppeln. Laut der Deutschen Energieagentur Dena speisen jedoch erst 107 Anlagen mit einer Kapazität von insgesamt 67.000 Kubikmetern pro Stunde ins Gasnetz ein. Das entspricht etwa dem jährlichen Wärmebedarf von rund 300.000 Haushalten.

Bei vielen Gasnetzbetreibern kamen die Einspeiseprojekte bisher nicht so gut an. Genehmigungen zogen sich oft in die Länge. Beobachter argwöhnten, die Gasnetzbetreiber wollen sich die neue Konkurrenz vom Leib halten. „Für das kommende Jahr versprechen wir uns hier allerdings eine enorme Verbesserung“, glaubt Carsten Steentjes, Manager beim Anlagenbauer Envitec. Die Netzbetreiber würden langsam ihre Hürden abbauen, dadurch werde die Netzeinspeisung beschleunigt. Um jedoch das Sechs-Prozent-Ziel der Bundesregierung bis 2020 zu erreichen, müssten je nach Größe durchschnittlich 150 bis 300 Anlagen pro Jahr ans Netz gehen. Damit rechnet in der Branche allerdings niemand.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Biogas | Biomethan | Reinhard Schulz | Biogasrat | Carsten Steentjes
Ressorts:
Markets

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