Elektromobilität
22.02.2018

Heimbatterie-Anbieter Sonnen gründet Ladegemeinschaft für E-Autos

Foto: Sonnen

Mit einer smarten Wallbox will Sonnen Elektroautos zu einer virtuellen Großbatterie vernetzen. Der Ladestrom soll für Flatrate-Kunden nahezu kostenlos sein.

Wenn viele Elektroautos zur gleichzeitig zum Laden am Stromnetz hängen, droht Überlastung oder der Blackout. Gleichzeitig verursacht Wind- und Sonnenstrom  Schwankungen im Stromnetz oder muss teuer abgeregelt werden. Der Hausbatteriehersteller Sonnen aus Wildpoldsried im Allgäu will mit seinem neuen "Sonnen-Charger" beide Probleme lösen: Konkret geht es um eine intelligente Wallbox für zuhause, mit der Sonnen-Kunden deutschlandweit mit der eigenen Solaranlage und Batterie ihr Elektrofahrzeug mit Grünstrom tanken können.

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"Jedes E-Auto soll Teil der Sonnen-Community werden können", sagt Marketing-Geschäftsführer Philipp Schröder bei der Präsentation des neuen Konzeptes in Berlin. Konkret sollen sich E-Fahrzeuge nahezu aller Marken über einen Typ-2-Stecker mit bis zu 22 Kilowatt Leistung an der neuen Wallbox laden lassen. Reicht der eigene Solarstrom vom Dach oder aus der Batterie nicht aus, liefern andere Sonnen-Kunden aus der "Community" ihre überschüssige Energie.

Chip hilft, den optimalen Ladezeitpunkt zu finden

"Die Autos werden Teil des virtuellen Kraftwerks und der Sektorenkopplung", sagt Sonnen-Finanzchef Steffen Schneider. Der Mittelständler hat momentan rund 30.000 Kunden und verfügt nach eigenen Angaben über das größte virtuelle Kraftwerk aus Heimspeichern. Komplettiert wird der Batteriepool durch Windkraft- und kleinere Biogasanlagen.

Um das Stromnetz vor Überlastung durch gleichzeitigen Zugriff vieler E-Autos zu schützen, ist ein Chip in den Charger eingebaut. Über ihn können die Nutzer entscheiden, ob sie ihr Fahrzeug möglichst schnell oder mit dem maximalen Anteil des eigenen Solarstroms laden wollen. Dies soll über eine App mit einem Klick steuerbar sein. Im intelligenten Lademodus lässt sich festlegen, wann das Auto zum nächsten Mal genutzt werden soll – beispielsweise um 7 Uhr morgens. Der Chip hilft dann, den optimalen Ladezeitpunkt zu finden, so dass das Auto rechtzeitig komplett aufgeladen ist.

Lokale Netze entlasten

Gleichzeitig sollen die Batterien der E-Autos dazu beitragen, die lokalen Netze zu entlasten. "Viele Ortsnetze sind nicht für eine steigende Anzahl von Elektroautos ausgelegt", sagt Schröder. Das neue Ladekonzept sei eine Alternative dazu, Straßen aufzureißen und stärkere Kabel zu verlegen. "Wir wollen beweisen, dass wir weniger Netzausbau brauchen." Außerdem könnten die Fahrzeuge als virtuelle Großbatterie dabei helfen, überschüssigen Windstrom aufzunehmen und so zu verhindern, dass er abgeregelt werden muss.

Neukunden, die eine Strom-Flatrate mit 8.000 Kilowattstunden jährlich gebucht haben, erhalten den Sonnen-Charger kostenlos dazu. Verfügbar ist er ab dem zweiten Quartal dieses Jahres und soll separat 1.399 Euro kosten. Ein Vier-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 3.000 Kilowattstunden (kWh) könnte die übrige Energie laut Sonnen ohne weitere Kosten zum Laden seines E-Autos benutzen. Fällig wird nur die monatliche Grundgebühr für die Flatrate. 3.000 kWh entsprechen bei einem regulären Elektroauto einer Fahrleistung von rund 15.000 Kilometer im Jahr. Sonnen wirbt damit, dass das Autofahren damit nahezu gratis sei.

Schröder baut darauf, dass bald viele Besitzer von PV-Anlagen aus der EEG-Förderung fallen. Momentan sind es 1,6 Millionen, die privat Kollektoren auf dem Dach montiert haben. Sie könnten sich stattdessen dafür entscheiden, ihren Strom selbst zu nutzen – oder ihn mit den anderen Mitgliedern der Sonnen-Community zu teilen.

Lesen Sie auch: Sonnen, Eon, EWE – Trend geht zur autarken Strom-Community

Jutta Maier
Keywords:
Elektromobilität | Verkehrswende | Batteriespeicher | sonnen | Sektorkopplung
Ressorts:

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