Neue Mobilität
17.09.2018

Hermes testet E-Lkw eActros von Mercedes Benz

Foto: Daimler
Mercedes-Benz eActros geht bei Hermes in den Betriebseinsatz.

Lange galten Elektroantriebe für Lkw als zu teuer, die Reichweiten als zu gering. Doch nun nimmt das Rennen zwischen Herstellern wie Mercedes-Benz, Tesla oder Volvo Fahrt auf.

Der Handels- und Logistikdienstleister Hermes erprobt als erstes von 20 Unternehmen den Elektro-Lkw eActros von Mercedes-Benz. Die verschiedenen Kunden setzen jeweils einen 18- oder 25-Tonner ein Jahr lang im normalen Betrieb ein, um ihn auf seine Alltagstauglichkeit zu testen. Das Ziel: lokal emissionsfreies und leises Fahren in Städten – später auch mit schweren Serien-Lkw. Die Testserie gliedert sich in zwei Phasen mit jeweils zehn Kunden und dauert insgesamt rund zwei Jahre.

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„Mit den umfassenden Erkenntnissen wollen wir Elektro-Lkw für den innerstädtischen Verteilerverkehr, die betriebswirtschaftlich auf Augenhöhe mit Diesel-Lkw liegen, ab 2021 realisieren“, sagt Stefan Buchner, Leiter bei Mercedes-Benz Lkw zum Praxistest des eActros. Der Fokus liege dabei auf Reichweite und Kosten der Batterien, aber auch auf der notwendigen Infrastruktur für den Einsatz in den gewerblichen Flotten der Kunden.

Hermes will bis 2025 emissionsfrei zustellen

Hermes erprobt einen 25-Tonner hauptsächlich auf einer 50 Kilometer langen Strecke, die zwischen Bad Hersfeld und dem Hermes Logistik-Center Friedewald in Nordhessen verläuft. Die Tour führt durch eine von Hügeln geprägte Landschaft und wird sechs- bis achtmal am Tag gefahren. Dies macht mindestens einen Ladevorgang zwischen den Fahrten erforderlich. Die Reichweite des eActros beträgt bis zu 200 Kilometer. Die Übergabe des Fahrzeugs an Hermes fand im September in Bad Hersfeld statt. Hermes hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2025 in allen Ballungszentren in Deutschland emissionsfrei zuzustellen.

Weitere Kunden, die den eActros in der ersten Testphase einsetzen, sind Dachser, Edeka, Kraftverkehr Nagel, Ludwig Meyer, Pfenning Logistics, TBS Rhein-Neckar und Rigterink aus Deutschland sowie Camion Transport und Migros aus der Schweiz. Die Übergaben der Fahrzeuge erfolgen bis Ende des Jahres. Alle Testkunden transportieren Waren im Stadtverkehr und benutzen den eActros für Aufgaben, die sonst mit konventionellen Dieselantrieben erledigt würden – aber in unterschiedlichen Branchen. Die Palette reicht von Lebensmitteln bis zu Bau- und Werkstoffen. Sie erhalten den zweiachsigen 18-Tonner oder den dreiachsigen 25-Tonner daher mit Aufbauten wie Kühlkoffer, Trockenkoffer, Silo oder Plane.

Tesla verspricht viel

Derzeit drängen eine Reihe von Elektro-Lkw auf den Markt – allen voran Teslas E-Truck. Der „Semi“ wird bereits als Frachtfahrzeug getestet und soll ab 2019 verkauft werden. Tesla-Chef Elon Musk hatte beeindruckende technische Daten versprochen: Vier Elektromotoren sollen den Truck innerhalb von fünf Sekunden auf Tempo 120 bringen, das massive Batteriepaket eine Reichweite von bis zu 800 Kilometern sichern. Experten bezweifeln jedoch, dass Tesla diese Versprechen halten kann.

Autonomer Volvo Truck
Volvos Truck "Vera" fährt elektrisch und autonom. Foto: Volvo
Auch Volvo will seinen Lieferverkehr elektrifizieren. Der vollelektrische und autonome LKW „Vera“ verfügt nicht mal über eine Fahrerkabine. Dem schwedischen Autobauer zufolge nutzt Vera dasselbe Batteriesystem wie der andere E-Lkw, den Volvo bereits in diesem Jahr vorgestellt hat: Beim FL Electric handelt es sich um einen 16-Tonner, der mit verschiedenen Akku-Packs für unterschiedliche Reichweiten ausgestattet werden kann. Die Version mit 300 Kilowattstunden kommt dabei auf eine maximale Strecke von 300 Kilometer mit einer Ladung. Weniger geeignet für lange Strecken ist der eTruck von MAN: Die Reichweite des 26-Tonners beträgt im Idealfall gerade mal 180 Kilometer.

Angesichts der Diskussionen über Innenstadt-Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge erscheint ein Schwenk hin zu Elektro-Lkw und Nutzfahrzeuge vor allem für die Städte dringend geboten. Die Post-Tochter Streetscooter hat mit ihren Elektro-Transportern der Branche den Weg gewiesen. Auch Brüssel macht Druck: Bis 2030 müssen die Lkw-Hersteller ihre Emissionen um 30 Prozent reduzieren, verlangt die Europäische Kommission.

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Carsten Kloth
Keywords:
E-Mobilität
Ressorts:
Technology

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