HTW-Studie
16.11.2018

Hocheffiziente Stromspeicher sparen bis zu 1000 Euro

Foto: iStock
Der Markt für Solarstromspeicher boomt. Die HTW Berlin hat sie erstmals unter die Lupe genommen.

Die Berliner Hochschule HTW vergleicht erstmals die Leistungsfähigkeit von Solarstromspeichern. Verbraucherschützer kritisieren die mangelnde Transparenz des Marktes.

Stromspeicher für Eigenheime boomen auch künftig. Ein Prozent der Eigenheime in Deutschland verfügt derzeit über einen Batteriespeicher für selbsterzeugten Photovoltaikstrom – im Jahr 2050 sollte aus Klimaschutzgründen mindestens die Hälfte der Eigenheime damit ausgestattet sein. Das sagte Volker Quaschning von der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW) am Freitag in Berlin. Dazu müssten bundesweit jährlich 400.000 Speicher neu installiert werden, forderte Quaschning bei der Vorstellung der Studie „Stromspeicher-Inspektion 2018“. Im August dieses Jahres war in Brandenburg der bundesweit 100.000. Stromspeicher in einem Haushalt in Betrieb gegangen.

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Bei der von der Bundesstiftung Umwelt geförderten Speicher-Studie hat das Team um Quaschning erstmals in Deutschland die Leistungsfähigkeit gängiger Solarstromspeicher miteinander verglichen. Dazu schrieben die Forscher insgesamt 60 Hersteller an und baten um die Übersendung der vorgeschriebenen Effizienz-Prüfberichte für die Speicher.

Nur zehn Hersteller stellten Daten bereit

Um die darin aufgeführten etwa 50 Leistungsangaben handhabbar zu machen, entwickelten die HTW-Experten einen so genannten System Performance Index (SPI). Dieser legt offen, wieviel der maximal möglichen Kosteneinsparung der jeweilige Stromspeicher erzielt. Gewichtet werden dabei unter anderem die wirklich nutzbare Speicherkapazität, der Stromverbrauch des Speichers selbst sowie entstehende Umwandlungsverluste.

Von den 60 angefragten Herstellern stellten allerdings nur zehn Daten für insgesamt 20 Stromspeicher bereit. Nur fünf Hersteller waren am Ende auch einverstanden, dass sie namentlich in den Ergebnissen der Studie genannt werden. Untersucht wurden Stromspeicher mit einer Kapazität von 2,8 bis 11,2 Kilowattstunden. Bei den Kosten nahmen die Forscher 12 Cent für eigenerzeugten Solarstrom sowie 30 Cent für den aus dem Netz bezogenen Strom an.

Spürbare Kostenunterschiede

Die Studie stellte zuvor nicht erwartete Effizienz- und damit Kostenunterschiede zwischen den Stromspeichern fest. So haben selbst gleichgroße Stromspeicher von 5 Kilowattstunden Kapazität Differenzen bei der Speicherleistung von bis zu 200  Kilowattstunden jährlich. Daraus resultieren dann bei hocheffizienten Speichern spürbare Kostenersparnisse. Deren finanzieller Vorteil kann sich nach Quaschnings Angaben allein in den ersten zehn Jahren auf bis zu 1000 Euro summieren.

Hocheffiziente Anlagen erzielen dabei einen SPI um die 90 Prozent, könnten also den größten Teil der maximalen Einsparungen auch umsetzen. Das sind, ergab die Studie weiter, keinesfalls immer die größten Stromspeicher. Bei diesen schmälerten oftmals Umwandlungsverluste oder ein hoher Verbrauch im Stand-By-Betrieb den Wert des gespeicherten Stroms.

Kritik von Verbraucherschützern

Auch wenn die Bandbreite bei den Ergebnissen größer ist als zuvor vermutet, haben die untersuchten PV-Speicher in Bezug auf die Effizienz „sehr gute Ergebnisse“ erreicht, bilanzierte Quaschning. Er forderte die Branche aber auf, mit den Thema Effizienz „sensibel“ umzugehen und erwartet, dass weitere Hersteller ihre Daten zur Verfügung stellen und für mehr Transparenz sorgen.

Die mangelnde Beteiligung der Hersteller stieß vor allem auf Kritik der Verbraucherschützer. Thomas Seltmann von der Verbraucherzentrale NRW nannte es „absolut ungenügend“, dass sich nur zehn von 60 Herstellern beteiligten. Das sei ein „Warnsignal“. Es sei ein großes Problem, dass die Verbraucher nicht wüssten, „was sie sich in den Keller stellten.“ Das stelle auch die Energieberater vor Schwierigkeiten. Konkrete Anliegen der Verbraucher ließen sich so kaum  beantworten.

Unabhängigkeit und Autarkie

Für Seltmann ist mehr Transparenz auch eine Zukunftsfrage, denn die  Anschaffung einer Photovoltaikanlage und eines Batteriespeichers bilde die Grundlage für die kommenden Prosumerhaushalte, die Systemdienste für die Energiewende zur Verfügung stellten. Der Verbraucherberater bezweifelte auch die Wirtschaftlichkeit heutiger Stromspeicher. Diese sei nach seinen Berechnungen erst bei 500 Euro pro Kilowattstunde Speicherkapazität gegeben. Die Kosten würden heute aber noch bei rund 1000 Euro liegen.

Martin Rothert von der SMA Solar Technology räumte seinerseits ein, dass mehr Druck auf den Markt nötig sei, um die Hersteller zur Veröffentlichung der Speicherdaten zu bewegen. „Da gibt es mit Sicherheit einen großen Graubereich, wo man kein Speichersystem im Keller habe, sondern eine schlechte Stromheizung“, sagte er.

Rothert wies zugleich darauf hin, dass die Motive der Verbraucher, einen Stromspeicher zu kaufen, nicht allein in dessen Wirtschaftlichkeit liegen. Auch Unabhängigkeit und Autarkie vom Stromsystem stellten wichtige Gründe dar. Zudem habe es in den letzten fünf Jahren bei Stromspeichern eine Preisdegression von 50 Prozent gegeben – bei zugleich gestiegener Lebensdauer der Anlagen. Er sei sich sicher, dass sich damit auch die Wirtschaftlichkeit einstellen werde.

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Jörg Staude
Keywords:
Stromspeicher
Ressorts:
Technology

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