Verkehr in Indien
20.04.2016

Hohe Sonderabgaben und Verbote für Dieselautos geplant

foto: Wikipedia
Verkehrschaos in Neu-Delhi.

Höchstes Gericht in Neu-Delhi bereitet Luxuswagenhersteller auf harte Zeiten vor. Deutsche Hersteller reagieren erschrocken.

 

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Smog, Dauerstau und zunehmende Atemwegserkrankungen: Bereits 2014 hat die Weltgesundsheitsorganisation WHO Indiens Hauptstadt Neu-Delhi zur weltweit meistverschmutzten Stadt erklärt. Dazu tragen die 8,8 Millionen Fahrzeuge auf den Straßen erheblich bei. In letzter Zeit richtet sich der Volkszorn insbesondere gegen Dieselautos.

Indiens Supreme Court, die höchste Gerichtsinstanz mit Sitz in der Hauptstadt, verfügte Ende 2015 ein Verbot für die Zulassung neuer Dieselautos in Neu Delhi. Ende März warteten Hersteller auf die Aufhebung dieses Verbots – und wurden enttäuscht. Stattdessen verlängerte der Supreme Court das Verbot vorerst um einen weiteren Monat bis zum 30. April.

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Doch damit nicht genug. Die obersten Richter haben Hersteller vorsorglich gewarnt: Entweder wird der Supreme Court ein permanentes Verbot von Dieselautos verfügen – oder einer heftige, wenn auch einmalige "Umweltabgabe" in Höhe von 30 Prozent des Kaufpreises. Die Sonderabgabe würde dann für alle im Großraum Neu-Delhi neu zugelassen Diesel-PKWs mit einem Hubraum von mehr als 2.000 Kubikzentimetern gelten.

 

Deutsche Hersteller reagieren schockiert

Die deutschen Hersteller sind konsterniert, und das ist verständlich: Mehr als 70 Prozent ihrer Umsätze in Indien machen die Luxusproduzenten Mercedes-Benz, Audi und BMW mit Dieselmodellen.  "Unsere Autos erfüllen die in Indien gültige Emissionsnorm nicht nur, wir haben durch die Anwendung von Spitzentechnologie die Emissionen noch weiter reduziert," sagt Roland Folger, CEO von Mercedes-Benz India im Gespräch mit bizz energy.  Feinstaub-und NOx-Emissionen eines in Indien hergestellten Mercedes-Benz C-220 D seien mindestens 40 Prozent geringer als die vorgeschriebenen Normen. 

Indiens führender Umwelt-Thinktank, das Centre for Science and Environment (CSE) will Autohersteller dagegen stärker in die Pflicht nehmen. "Diese Erklärung von Mercedes-Benz ist nicht akzeptabel, vor allem weil Forscher selbst in Europa festgestellt haben, dass die Werte der Abgase von verkauften Dieselautos dort immer höher sind als die, die die Hersteller beim Zulassungsprozeß angaben," sagt CSE-Direktorin Sunita Narain gegenüber bizz energy. "Wir sind nicht gegen Mercedes-Benz, sondern nur für die Umstellung auf preisgünstigere Benzinvarianten."

Andere Beobachter argumentieren, dass ein Kunde, der mehr als 66.000 Euro für ein Luxusauto ausgeben kann, auch noch die zusätzlichen 30 Prozent Umweltsteuer vertragen würde. Das wachsende Bewußtsein über die Ursachen der Luftverschmutzung durch intensive Informationskampagnen auch durch die Modi-Regierung hat zu einer allgemeinen Abneigung gegen Diesel geführt.

 

Diesel-Busse im Stadtzentrum Neu-Delhis schon heute verboten

Schon heute dürfen Diesel-LkW das Stadtzentrum der 22-Millionen-Metropole nicht befahren. Busse werden seit 2001 mit Erdgas (CNG) betrieben – Diesel-Busse sind verboten.

Indiens Umweltprobleme werden sicher nicht geringer: Bis 2030 wird die Bevölkerung Neu-Delhis nach UN-Schätzungen von 22 auf 36 Millionen anwachsen. Und mit dem schnell wachsendem Reichtum wird wohl auch der Bedarf an Luxusautos wachsen.  Laut dem staatlichen Wirtschaftsforschungsinstitut NCAER wird Indiens boomende Mittelschicht, die bereits heute 267 Millionen beträgt, in 14 Jahren auf 475 Millionen ansteigen.

Padma Rao
Keywords:
Indien | Smog | WHO | Dieselautos | Umweltabgabe | Neu-Delhi
Ressorts:
Governance

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