„Eine detaillierte Analyse der Versprechungen, die für das Pariser Klimaabkommen gemacht wurden, zeigt, dass die Ära der fossilen Brennstoffe noch lange nicht vorbei ist und unterstreicht die Herausforderung ambitioniertere Klimaziele zu erreichen“: So verkündet die Internationale Energiebehörde IEA ihre Einschätzung eines Versagens der internationalen Klimapolitik, mitten im Ringen der Nationen in Marrakesch um die Umsetzungsstrategien des Pariser Papiers. Diesen Mittwoch veröffentlichte die IEA mit diesen Worten ihren diesjährigen Zukunftsausblick, den World Energy Outlook 2016.

Dennoch glauben die Analysten der IEA an eine Verdopplung des Erneuerbaren-Ausbaus und ebenso der Energieeffizienz in den nächsten 25 Jahren. In ihrem Hauptszenario werden nahezu 60 Prozent des Energiewachstums von Grünstromanlagen erbracht; vor allem von Windkraft und Photovoltaik. 2040 rechnet die Energiebehörde mit einem Erneuerbaren-Anteil von bis zu 37 Prozent. Auch Erdgas werde seine Rolle stark ausbauen und die Kohle langsam von ihrer Spitzenposition der Energieträger ablösen. Dabei werde 2040 über die Hälfte des gehandelten Gases Flüssigerdgas sein. Damit verändere sich auch die Infrastruktur, die zunehmend weniger auf Pipelines und mehr auf Verschiffung, Straßen- und Schienentransport ausgerichtet werde.

 

Wasser-Energie-Komplex

Gleichzeitig befürchtet die IEA Probleme für die Energiesicherheit in den nächsten Jahren, wenn im Zuge dieser Neuausrichtung zu wenig in die Fossilen investiert werde und es somit zu Engpässen kommen könne. Die Behörde rechnet daher auch mit zukünftig stärker schwankenden Ölpreisen, die demzufolge von den flexibleren Schieferöl-Förderern ausgenutzt und verstärkt werden könnten.

Die bisherigen nationalen klimapolitischen Versprechungen werden der IEA zufolge immer noch zu einer Erderwärmung um 2,7 Grad bis 2100 führen. Ein Zwei-Grad-Ziel sei herausfordernd, aber weiterhin zu erreichen. Eine weitere Gefahr, auf welche die Autoren in ihrem Ausblick aufmerksam machen, ist die zunehmende gegenseitige Abhängigkeit von Wasserverbrauch und Energiewirtschaft. Biosprit, Wasserkraft und selbst die Ölförderung verbrauchen demnach große Mengen Wasser. Der Bedarf an entsalztem Meerwasser werde bei zunehmender Trinkwasserknappheit ebenso zunehmen und den Energieverbrauch der Wasserversorgung bis 2040 verdoppeln. Das müsse zukünftig mitbedacht werden.

Hauptgewinner des wachsenden Energiehungers der Welt werden laut IEA die Erneuerbaren sein. Doch ohne Fossile werde es nicht gehen. (Foto: ne2pi / iStock.com)