Ölmarkt
12.12.2016

IfW sieht keinen dauerhaften Ölpreisanstieg

Foto: istock.com / chengwaidefeng
Ölförderpumpen laufen derzeit weltweit noch auf Hochtouren.

Am Wochenende einigten sich OPEC-Staaten und weitere wichtige Förderländer auf eine Begrenzung der Produktion. Das Institut für Weltwirtschaft in Kiel sieht die Lage auf dem Ölmarkt jedoch weiter entspannt.

 

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Zum ersten Mal seit Jahren ist es der OPEC wieder gelungen, eine Förderkürzung mit Staaten außerhalb der Organisation zu vereinbaren. Am Samstag stimmten unter anderem Russland, Kasachstan und Aserbaidschan dafür, die tägliche Produktion um 558.000 Barrel zu senken. Laut dem Analysehaus Energy Aspects war das mehr, als der Markt erwartet hatte. Prompt stieg der Preis für die Nordseesorte Brent am Montagmorgen zeitweise um rund fünf Prozent auf fast 57,50 Dollar pro Fass. Einen ähnlich hohen Preissprung gab es bei der US-Sorte WTI.

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In Deutschland machen Exporte aus OPEC-Staaten 15 Prozent der Rohöleinfuhren aus, die anderen nun beteiligten Länder kommen auf einen Anteil von weiteren 41 Prozent, wie eine Auswertung von Daten des Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) zeigt.

Trotz des hohen Gewichts der neuen Öl-Koalition rechnet das Institut für Weltwirtschaft (IfW) in Kiel jedoch damit, dass der Preis nach der kurzfristigen Rallye am Montag wieder fallen wird. „Die OPEC hat im November und den Monaten davor gefördert, was das Zeug hält, um auf ein hohes Niveau zu kommen, von dem aus gesenkt wird“, sagt Klaus-Jürgen Gern vom IfW. Skeptisch macht den Rohstoff-Experten auch der Umgang der Ölstaaten mit früheren Beschlüssen: „Die OPEC hat gezeigt, dass Quoten notorisch nicht eingehalten werden und es ist nicht einzusehen, warum das diesmal anders sein sollte.“

 

Wichtige Förderländer scheren aus

Ende November hatte die OPEC verkündet, die Förderung ab Anfang Januar um 1,2 Millionen Barrel pro Tag zu kürzen. Allerdings hat Indonesien bei der Sitzung bekannt gegeben, seine Mitgliedschaft ruhen zu lassen. IfW-Experte Gern weist außerdem darauf hin, dass die OPEC für ihre Mitglieder Nigeria und Libyen keine Quoten festgesetzt hat: „Sie haben in jüngster Zeit nicht voll fördern können und können sich nun erholen.“ Zusammen machen die beiden afrikanischen Staaten sechs Prozent der deutschen Rohöleinfuhren aus.

Wirtschaftswissenschaftler Gern rechnet damit, dass die angekündigten Förderkürzungen nicht in vollem Maß umgesetzt werden. „Ich glaube nicht, dass sich der Preis dauerhaft bei 57 Dollar pro Barrel halten wird“, sagt der Experte. Bleibt das Level allerdings bei über 50 Dollar, rechnet Gern mit wieder steigenden Investitionen der USA in die Ölförderung und einem wachsenden Druck auf die OPEC-Staaten. „Um den Preis hochzuhalten, müssten sie die Produktion dann viel stärker reduzieren.“

Manuel Berkel
Keywords:
OPEC | Erdöl | Nigeria | Libyen | Russland | Indonesien
Ressorts:

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