Bei grünen Wirtschaftsexperten macht Deutschland offenbar einen erstklassigen Eindruck. In der Kategorie Wahrnehmung belegt die Bundesrepublik den Spitzenplatz der Ländertabelle des Global Green Economy Index 2016. Was die tatsächliche Leistung bei der Förderung einer grünen Wirtschaft angeht, ist das Land gegenüber der letzten Erhebung allerdings einen Rang abgerutscht und belegt nur noch den fünften Platz. Insgesamt wurden 80 Nationen bewertet.

Der Index wird von der US-amerikanischen Beratungsfirma Dual Citizen herausgegeben, dieses Jahr zum fünften Mal seit Start 2010. Das Länder-Ranking basiert auf vier Kategorien: Umweltschutz, Effizienzbemühungen, Markt- und Investmententwicklungen, und politischem Engagement zur Begrenzung des Klimawandels. Bei letzterem ist laut den Autoren der Treibhausgas-Ausstoß wichtigste Bewertungsgrundlage, gemessen an Bevölkerungsgröße und Wirtschaftsleistung. Daneben werde nach öffentlicher Positionierung und einer klaren Agenda geschaut. 

 

Wirtschaftswachstum mit CO2-Schwund

Die Befragten kommen aus der Privatwirtschaft, Nichtregierungsorganisationen und internationalen Organisationen. „Repräsentanten des öffentlichen Sektors und der Regierungen befragen wir nicht, da wir zu große Voreingenommenheit ausschließen wollen“ erklärt Dual Citizen Gründer Jeremy Tamanini auf Nachfrage von bizz energy. Sie sind vielmehr die Adressaten der Veröffentlichung.

Dass Deutschland – entgegen dem Empfinden der Befragten – laut Index nicht das Land mit der erfolgreichsten Förderung einer grünen Wirtschaft ist, liegt laut den Autoren vor allem am schleppenden Rückgang der CO2-Emissionen. Nur eine Wirtschaft, bei der Wirtschaftswachstum und Klimagas-Austoß entkoppelt sind, wäre den Analysten zufolge wirklich grün. Auf den vier ersten Plätzen vor der Bundesrepublik finden sich: Schweden als Nummer eins, gefolgt von Norwegen, Finnland und der Schweiz. Wobei etwa in die Berechnung von Norwegens CO2-Ausstoß demnach nicht jene Emissionen einbezogen wurden, die durch dessen umfangreiche Ölexporte andernorts in die Atmosphäre gepustet werden.

Grünes Wirtschaftswachstum braucht passende Rahmenbedingungen. Die sind laut aktueller Analyse in Deutschland vergleichsweise fortschrittlich, für die Weltspitze reichten sie jedoch nicht. (Foto: Phillipe Put / Flickr.com / CC BY 2.0)