Russland
16.06.2016

Indien will Öl aus Sibirien

Foto: Flick/Rob
Beim Wirtschaftsforum in Sankt-Petersburg sucht Russland neue Partner.

Russland sucht beim Wirtschaftsforum in Sankt-Petersburg neue Partner. Wichtigstes Thema: Energie.

 

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Allein die Gästeliste ist eine Demonstration. Wenn heute Morgen in Sankt-Petersburg, Russlands zweitgrößter Stadt, das größte Wirtschaftsforum des Landes beginnt, dann werden nicht nur Wirtschaftsbosse auf dem Expogelände im Süden der Metropole eintrudeln, sondern auch hochrangige Gäste der Politik. Allein zur Eröffnung werden der Chef der EU-Kommission Jean-Claude Juncker und UN-Generalsekretär Ban Ki-moon erwartet. Von Seiten der internationalen Wirtschaft ist vor allem die Öl – und Gasbranche hochkarätig vertreten. Unter anderem weilen Rex Tillerson von Exxon, Robert Dudley von BP und Ben van Beurden von Shell dieser Tage in Russlands nördlicher Hauptstadt.

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Präsident Wladimir Putin, dessen Auftritt für den Freitag angekündigt ist, dürfte zufrieden sein. Denn erst im vergangenen Jahr drohte die Veranstaltung, die einst von Moskau als russisches Davos lanciert wurde, zu einem provinziellen Randtermin zu verkommen. Grund waren politische Spannungen zwischen Russland und dem Westen im Zuge der Wirtschaftskrise. In diesem Jahr ist die Anzahl internationaler Unternehmen, die in Petersburg vertreten sein werden von gut 300 auf 500 gestiegen. Ebenfalls am Freitag wird der italienische Premier Matteo Renzi erwartet. Italien hält dieses Jahr den Status des offiziellen Gastlandes. Im italienischen Tross sind auch Großkonzerne wie der Ölförderer Eni und Pipelinebauer Saipem, deren Chefs sich zu Gesprächen mit russischen Kollegen treffen wollen.

 

Sanktionen gegen Russland sind Top-Thema 

Das Forum nutzt der Kreml vor allem symbolische als Demonstration dessen, dass Russland wirtschaftlich weit von einer Isolation entfernt ist. Doch auch westliche Unternehmen hoffen auf Annäherung. So begrüßte etwa der Verband Europäischer Unternehmen in Russland (AEB) Junckers Reise nach Petersburg. „Ungeachtet aller Probleme sitzen wir auf demselben Kontinent“, sagt AEB-Chef Frank Schauff. Der Besuch sei wichtig, schließlich liege das Letzte Treffen von Juncker und Putin bereits drei Jahre zurück. Die wichtigsten Themen, sagte Regierungsberater Juri Uschakow, werden Sanktionen der EU gegen Russland und der geplante Bau von Nord Stream 2 sein, der noch immer für Diskussionen innerhalb der EU sorgt. Vor allem osteuropäische Mitgliedsstaaten kritisieren das Projekt als kontraproduktiv im Bestreben, sich unabhängiger von russischen Energieimporten zu machen.

Abseits der Politik wollen auch Energiekonzerne das Petersburger Wirtschaftstreffen als Kulisse für wichtige Vertragsunterzeichnungen nutzen. So hat Gazprom bereits im Vorfeld ein Abkommen mit Shell über den Bau einer Flüssiggasanlage westlich von Sankt-Petersburg angekündigt. Die Konzerne Rosneft und Novatek planen, mit italienischen Partnern ins Geschäft kommen. Besonderes Augenmerk gilt auch der indischen Delegation, die vom Öl- und Gasminister Indiens, Dharmendra Pradhan, angeführt wird. In einem Interview mit der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti ließ der Botschafter des Landes durchblicken, dass Pradhan in Petersburg wichtige Verträge mit russischen Partnern unterzeichnen könnte. Branchenkreise gehen von einer Beteiligung indischer Konzerne an Ölvorkommen in Sibirien aus. Ebenfalls sei der Einstieg des russischen Ölgiganten Rosneft bei einer Ölraffinerie in Indien im Gespräch.

Maxim Kireev
Keywords:
Russland | Wladimir Putin | Wirtschaftsforum | Energie | Italien | Indien
Ressorts:
Finance | Governance

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