Die energieintensive Industrie kommen die Pläne der Bundesregierung, Eigenstromerzeuger an der EEG-Umlage zu beteiligen, teuer zu stehen. Deutschlandweit würden allein für den industriellen Eigenverbrauch rund 350 Millionen Euro zusätzlich anfallen, wie BIZZ energy today berichtete. Bei Thyssen-Krupp möchte man die Pläne der Bundesregierung nicht politisch kommentieren. Die zusätzlichen Kosten würde der Konzern aber deutlich zu spüren bekommen. Im Duisburger Stahlwerk erzeuge der Konzern jährlich 3,5 Terawattstunden in eigenen Anlagen. Rund 40 Millionen Euro müsste Thyssen-Krupp nach den neuen Plänen für die EEG-Umlage zahlen, heißt es aus dem Unternehmen. Bei einem operativen Gewinn im Bereich Stahl von 140 Millionen Euro im vergangenen Geschäftsjahr schlügen diese Zusatzkosten erheblich auf die Bilanz durch.

Für den Ludwigshafener Chemiekonzern BASF würde die Regelung nach eigenen Angaben pro Jahr zusätzliche Kosten im mittleren bis hohen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich bedeuten. „Das würde die Wettbewerbsfähigkeit unserer hocheffizienten und politisch gewollten Gaskraftwerke zur Erzeugung von Strom und Dampf erheblich beeinträchtigen“, teilte ein Sprecher mit. Unverständlich sei, dass für die Vergütung erneuerbarer Energien weiterhin Bestandsschutz gelten solle, für die Stromversorgung der Industrie aus bereits bestehenden eigenen Anlagen dagegen nicht.

Auch der Stahlkonzern Salzgitter wäre betroffen. Dort hat die Salzgitter-Tochter Flachstahl in den vergangenen Jahren ihr Kraftwerk für 250 Millionen Euro runderneuert und die Effizienz um 30 Prozent gesteigert. Seitdem erzeugt die Anlage pro Jahr 300.000 Megawattstunden mehr Strom. Allein die Effizienzsteigerung würde Salzgitter bei einer Beteiligung an der EEG-Umlage jährlich überschlägig etwa drei Millionen Euro kosten. Insgesamt erzeugt das Kraftwerk 1,35 Terawattstunden Strom pro Jahr, demnach läge die Gesamtbelastung bei rund 13 Millionen Euro.

Im Gespräch mit BIZZ energy today hatte Salzgitter-Vorstandschef Heinz Jörg Fuhrmann noch vor wenigen Wochen gewarnt: „Eine Voraussetzung für die Wirtschaftlichkeit dieser ökologisch hochwertigen Großinvestition ist, dass auch künftig keine EEG-Umlage für aus Kuppelgasen eigenerzeugten und selbstverbrauchten Strom erhoben wird.“ Zwar sei für bestehende integrierte Hüttenwerke eine Standortverlegung in die USA aufgrund der Komplexität und Größe der Anlagen nicht möglich. Aber: „Wettbewerbsverzerrende Energiekosten ziehen mittelfristig Standortschließungen in Deutschland nach sich“, sagte Führmann. Ein warnendes Beispiel dafür sei die Schließung von zwei Edelstahlwerken im Ruhrgebiet.

 

 

 

Das runderneuerte Salzgitter-Kraftwerk (Salzgitter)