Sektorkopplung
09.04.2019

Industrie setzt weiter auch auf Wasserstoff

Foto: iStock
Für Pkw ist Wasserstoff umstritten. Für Nutzfahrzeuge und als Speichermedium könnte er Zukunft haben.

Ein erstes Projekt geht ins Rennen für das „Reallabor der Energiewende“ des Wirtschaftsministeriums. Im Verkehrssektor wird weiter über Technologieoffenheit und die Brennstoffzelle debattiert.

Mit Wasserstoff die Energiewende voranbringen will die Initiative Get H2. In dieser haben sich die Unternehmen RWE Generation, Siemens, Enertrag, die Stadtwerke Lingen, Hydrogenious Technologies, Nowega sowie das Forschungszentrum Jülich und das IKEM - Institut für Klimaschutz, Energie und Mobilität zusammengeschlossen. Zunächst planen die Partner den Aufbau einer Wasserstoffinfrastruktur im Emsland, die entlang der gesamten Wertschöpfungskette die Sektoren Energie, Industrie, Verkehr und Wärme verbinden soll.

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Im Rahmen des Projektes soll eine Power-to-Gas Anlage mit einer Leistung von 105 Megawatt errichtet werden, die Strom aus Windkraft in „grünen Wasserstoff“ umwandelt. Des Weiteren geht es um Transport und Speicherung in bestehende Infrastrukturen sowie um die Nutzung des Wasserstoffs.

Mit diesem Vorhaben nehmen die Unternehmen am Ideenwettbewerb des Bundeswirtschaftsministeriums „Reallabore der Energiewende“ teil. Eine Projektskizze haben sie bereits eingereicht – mit der Entscheidung rechnen sie bis Ende Juni. In zwei Jahren wollen die Partner in die konkrete Umsetzung gehen.

Baustein für die Energiewende

Wasserstoff gilt als ein wichtiger Baustein für die Energiewende. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Elektrolyse auf Basis von erneuerbaren Energien. Strom aus Wind und Sonne wird bei der Aufspaltung von Wasser zu „grünem Wasserstoff“. Dieser Energieträger könnte wesentlich dazu beitragen kann, die CO2-Emissionen auch über den Stromsektor hinaus deutlich zu senken.

Umstritten ist jedoch, welche Rolle der Wasserstoff-Antrieb im Verkehrssektor spielen soll. So sprach sich Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auf dem Future Mobility Summit in Berlin gegen eine Festlegung auf nur eine Antriebstechnologie aus. „Nur auf Elektromobilität zu setzen, ist mir zu eingegrenzt“, so der Minister. „Wir brauchen Kombilösungen, technologieoffen, verkehrsträgerübergreifend.“ Scheuer widersprach damit VW-Chef Herbert Dies. Dieser hatte Technologieoffenheit als falschen Weg bezeichnet und eine Fokussierung auf batteriebetriebene E-Mobilität angemahnt. 

Doch auch Henning Kagermann, Vorsitzender der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität, bezeichnete in seinem Vortrag Wasserstoff als eine Möglichkeit, die Sektorkopplung voranzutreiben. Damit war er ganz auf der Linie der Teilnehmer einer anschließenden Diskussionsveranstaltung zum Thema alternative Antriebe und Mobilitätskonzepte.

Chance als Primär-Energieträger

„Wenn ich große Mengen speichern muss, dann geht an Wasserstoff kein Weg vorbei“, sagt beispielsweise Angelika Heinzel, Geschäftsführerin des Zentrums für Brennstoffzellentechnik ZBT in Duisburg. Sie verwies in diesem Zusammenhang auch auf das Thema Versorgungssicherheit, wozu die strategischen Reserven gehören. Hier sei der elektrisch erzeugbare Wasserstoff ein Teil der Lösung.

Kleine Fahrzeuge, die keine allzu große Reichweite benötigen, sollten mit Batterien ausgestattet werden, so die Professorin. Doch für längere Strecken könnten in Zukunft auch Brennstoffzellen als „Range Extender“ zum Zuge kommen.

Ähnlich argumentiert Daimler-Entwicklungschef Jochen Hermann. Auch sein Unternehmen fokussiere sich bei den kommenden Modellen im Pkw-Segment momentan auf die Batterie. Für Wasserstoff sieht er aber eine Chance als Primär-Energieträger. Die Brennstoffzelle habe ihre Berechtigung beispielsweise in Hinblick auf schwere Nutzfahrzeuge. „In einer Zeit, in der sich die Dinge so schnell ändern wie noch nie, ist es eine gute Idee einen mehrspurigen Ansatz zu haben“, sagt Hermann in Hinblick auf die Debatte um die Technologieoffenheit.

Lesen Sie auch: Grüner Wasserstoff - Einmal Gas und wieder zurück

Carsten Kloth
Keywords:
Wasserstoff | Brennstoffzelle | Verkehrswende
Ressorts:

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