Emissonshandel
06.09.2016

Industrielle Klimaflucht

Foto: Arnold Paul, Gralo, Arnold Paul; Wikimedia (CC BY-SA 3.0)
Auch Kohlekraftwerks-Betreiber haben sicher nichts gegen billige Emissionszertifikate.

Der EU-Emissionshandel droht energieintensive Unternehmen zu vertreiben, warnen Ökonomen.

Das Geschäft mit Zertifikaten zur Luftverschmutzung ist ein zentrales Klimaschutz-Instrument der EU – und dementsprechend umstritten. Parlament und Rat der Union feilen derzeit an Reformplänen des Emissionshandels für die Periode 2021 bis 2030. Die der neoliberalen Tradition von Hayeks nahestehende Denkfabrik Centrum für Europäische Politik (Cep) warnte diesen Dienstag davor, wichtige Unternehmen aus der energieintensiven Industrie zu verjagen.

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Bis 2030 will die EU 40 Prozent weniger Treibhausgase als 1990 ausstoßen. Jährlich werden darum die ausgegebenen Zertifikate verknappt. Derzeit um je 1,74 Prozent, ab 2021 soll die Menge um mindestens 2,2 Prozent pro Jahr schrumpfen. Der Thinktank dagegen hält das für ein Maximum des Machbaren, dessen Überschreitung viele Unternehmen zu vergraulen drohe. Sie könnten demnach in Weltregionen mit günstigeren Auflagen abwandern.

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Astronomisch hohe Verknappung nach 2030

Oldag Caspar von Germanwatch widerspricht da scharf: „Minus 2,2 Prozent pro Jahr funktioniert nicht. Dann müsste die jährliche Verknappung nach 2030 astronomisch hoch werden, um die Klimaziele der EU noch zu erreichen“, sagt der Klimapolitik-Beobachter gegenüber bizz energy. Germanwatch wirbt zusammen mit dem Industrieverband BDI auch für eine gemeinsame CO2-Preispolitik der G20-Staaten.

Um die industrielle Flucht vor der Eu-Klimapolitik zu verhindern, dürfe man auch den Anteil an frei zugeteilten Zertifikaten nicht starr begrenzen, meint die Denkfabrik Cep. Dieser kostenlos ausgegebene Anteil der Verschmutzungsrechte soll nach Willen der EU-Kommission auf 43 Prozent beschränkt werden.

„Auch bei hoffentlich steigenden CO2-Preisen wäre das Risiko sehr wahrscheinlich äußerst begrenzt“, meint dagegen Caspar. Wissenschaftler der London School of Economics hätten errechnet: Selbst ein zehnfacher Anstieg der CO2-Preise würde in der EU nur zu einem Rückgang des Exports um 0,5 Prozent führen.“

Tim Lüdtke
Keywords:
CO2 | Emissionen | ETS | EU | Germanwatch | CEP | Stiftung Ordnungspolitik | Caspar
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