Luftfahrt
21.10.2019

Initiative fordert Subventionen für sauberes Kerosin

Zur Dekarbonisierung des Luftverkehrs braucht es Alternativen zum fossilem Kerosin.

Die Luftfahrtinitiative Aireg fordert eine feste Quote für nachhaltige Kraftstoffe, um die klimaschädlichen Emissionen beim Fliegen zu senken. Auch Beihilfen für die Produktion seien notwendig.

Eine Beimischungsquote von nachhaltigen Kraftstoffen für das Flugbenzin und Subventionen für den Aufbau einer nennenswerten Pilotproduktion für Öko-Flugbenzin stehen auf der Wunschliste der Aviation Initiative for Renewable Energy in Germany (Aireg) ganz oben. Die Quote solle von zwei Prozent im Jahr 2021 auf 20 Prozent im Jahr 2030 steigen, forderte Aireg-Beirat Jürgen Ringbeck vergangene Woche in Berlin. Die Initiative, der neben dem Flugzeugbauer Airbus Mineralölkonzerne und Forschungseinrichtungen angehören, erhofft sich aus dieser Vorgabe den notwendigen Anreiz für Investitionen in den Aufbau einer Produktionsinfrastruktur für alternative Kraftstoffe in der Fliegerei.

Anzeige

Anzeige

Bislang lohnt sich der Bau von Fabriken zur Erzeugung von erneuerbaren Flugkraftstoffen nicht. Der Preisabstand zum ölbasierten Kerosin verhindert, dass saubere Alternativen wettbewerbsfähig werden. Je nach Höhe des aktuellen Ölpreises ist alternatives Flugbenzin zwischen zwei und 20 Mal so teuer. Deshalb spricht sich Ringbeck neben der Quote auch für Subventionen für Hersteller synthetischen Kerosins aus. Die Finanzierung könne über einen vom Bund aufgelegten Fonds erfolgen.

„Derzeit nur homöopathische Mengen“

Derzeit sind weltweit laut Aireg rund 70.000 Tonnen nachhaltigen synthetischen Kerosins verfügbar. Bis zum Ende des nächsten Jahrzehnts werde die Kapazität auf sieben Millionen Tonnen steigen. Im Vergleich zu den 300 Millionen Tonnen Bedarf an Flugbenzin ist diese Aussicht bescheiden. So bedürfte die von der Initiative geforderte 20-Prozent-Quote einer Produktion von 130.000 Tonnen alternativer Flugkraftstoffe, die entweder biogen oder strombasiert erzeugt werden.

„Derzeit gibt es im deutschen Markt nur homöopathische Mengen“, stellt Martin Kaltschmitt von der Uni Hamburg-Harburg fest. Der Wissenschaftler fordert den staatlich subventionierten Aufbau einer Pilotanlage zur Produktion von 10.000 Tonnen pro Jahr. „Wenn wir heute anfangen, haben wir 2030 eine Anlage dafür“, sagt Kaltschmitt. Das würde den Bund nach seiner Rechnung zwischen 150 und 200 Millionen Euro kosten.

Weg zu sauberen Luftverkehr noch weit

Umstritten ist auch noch, welche Technologie zur Erzeugung der synthetischen Kraftstoffe am Ende zum Einsatz kommt. Es könnte Kaltschmitt zufolge auch eine Kombination von biogenen Brennstoffen und „Power to Liquid“ sein. Flugzeuge mit reinem Wasserstoff zu betreiben, ist nach Einschätzung des Wissenschaftlers zumindest auf Langstrecken nicht realistisch. Dafür sei die Energiedichte des Wasserstoffs zu gering. Experten von Aireg halten allenfalls auf kurzen und mittleren Strecken diese Alternative für denkbar.

Die Wettbewerbsfähigkeit nachhaltiger Flugkraftstoffe wird auch durch die zunehmende Konkurrenz um die dafür nötigen Rohstoffe erschwert. So wolle etwa die Chemische Industrie Kunststoffe auf Ölbasis durch CO2-freie Technologien ersetzen. Angesichts der vielen Schwierigkeiten scheint der Weg zu einem sauberen Luftverkehr noch weit.

Lesen Sie auch: Forscher halten Wasserstoff-Regionalflieger für möglich

Wolfgang Mulke
Keywords:
Luftfahrt | Synthetische Kraftstoffe
Ressorts:
Technology

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen