Erneuerbare Energien
30.04.2019

Innogy spricht sich vor Übernahme Mut zu

Foto: Innogy
Die womöglich letzte Innogy-Hauptversammlung fand in der Grugahalle in Essen statt.

Innogy zeigte sich auf der dritten und womöglich letzten Hauptversammlung des Energiekonzerns vor der möglichen Zerschlagung selbstbewusst. Die EU-Wettbewerbshüter nehmen sich derweil mehr Zeit für die Prüfung des Deals.

Der Chef des Energiekonzerns Innogy, Uwe Tigges, hat angesichts der geplanten Zerschlagung seines Unternehmens durch die Mutter RWE und den Konkurrenten Eon Selbstbewusstsein demonstriert. "Wir werden übernommen, weil wir gut sind", sagte Tigges am Dienstag bei der möglicherweise letzten ordentlichen Hauptversammlung des Unternehmens in Essen. "Unsere Mission ist nicht beendet", fügte er hinzu. Die Projekte von Innogy lebten fort, "unter welchem Konzerndach auch immer".

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Die Netz- und Ökostromtochter des Energieriesen RWE soll nur drei Jahre nach ihrem Start schon wieder verschwinden. Eon will die Strom- und Gasnetze und das Endkundengeschäft von Innogy behalten und die Ökostromproduktion zusammen mit den eigenen erneuerbaren Energien an RWE weiterreichen. Zudem soll RWE mit 16,7 Prozent an Eon beteiligt werden und eine einmalige Ausgleichszahlung von 1,5 Milliarden Euro erhalten.

EU-Wettbewerbsbehörde prüft weiter

Tigges verwies auf ein "wenig wahrscheinliches, aber immer noch mögliches Scheitern" des Geschäfts zwischen Eon und RWE. Während der RWE betreffende Teil bereits von der europäischen Wettbewerbsbehörde genehmigt wurde, steht dies für Eon noch aus. Die Kommission prüft derzeit, ob den Stromkunden Preiserhöhungen drohen.

Die EU-Wettbewerbshüter nehmen sich für die Prüfung nun mehr Zeit. Wie die Europäische Kommission nun auf ihrer Webseite mitteilte, wurde die Prüffrist erneut gestoppt. Bereits im März hatte es einen Stopp gegeben, der am 11. April endete.

Eon will an Zeitplan festhalten

Der Stopp der Prüffrist sei nicht ungewöhnlich, hieß es bei Eon. "Bei so großen und komplexen Transaktionen ist es durchaus üblich, dass dies mehr als einmal passiert", sagte eine Sprecherin. Von kurzen Verzögerungen sei Eon bereits bei der Planung der Transaktion ausgegangen. "Sie ändern daher weiterhin nichts an unserem generellen Zeitplan." Eon-Chef Johannes Teyssen hatte Mitte März bei der Vorlage der Bilanz für 2018 gesagt, er sei "zuversichtlich, dass wir die erforderlichen Genehmigungen in der zweiten Jahreshälfte erhalten werden".

Eon hat sich mittlerweile fast 90 Prozent der Innogy-Aktien gesichert. Bei den verbliebenen Aktionären rief die wahrscheinliche Abschiedsvorstellung ihres Konzerns nur mäßiges Interesse hervor. Gerade einmal 250 Aktionäre waren in die Grugahalle, die mehreren Tausend Menschen Platz bietet, gekommen.

Aktie stieg in den letzten Monaten

Die verbliebenen Anteilseigner konnten sich auch durch die Zukäufe von Eon in den vergangenen Monaten über einen Kursanstieg der Innogy-Aktie freuen. 2018 habe sich die Aktie nicht nur besser als der Dax entwickelt, sondern auch besser als die Aktien von RWE und Eon, sagte Thomas Deser, Fondsmanager bei Union Investment. Das sei "erfreulich und gleichzeitig erstaunlich", denn Innogy habe das dritte enttäuschende Geschäftsjahr in Folge hinter sich. Aber wegen der bevorstehenden Zerschlagung würden auf dem Kapitalmarkt andere Spielregeln als üblich gelten.

Nach der Innogy-Übernahme würde Eon zum mit weitem Abstand größten Stromlieferanten in Deutschland mit mehr als 12 Millionen Kunden. Weitere 2,1 Millionen Kunden würde der Konzern mit Gas beliefern und vielerorts die Verteilnetze betreiben. Europaweit hätte Eon dann 50 Millionen Kunden.

Innogy hat weiter Probleme in Großbritannien

Innogy rechnet mit weiteren Schwierigkeiten in seinem britischen Vertriebsgeschäft Npower. Dessen Ergebnis werde sich im laufenden Geschäftsjahr weiter verschlechtern und auch auf Innogy durchschlagen, erklärte Tigges. Bei Npower läuft ein weiteres Sparprogramm, das unter anderem die Streichung von rund 900 Stellen vorsieht. Innogy behalte sich zudem "weitere Maßnahmen vor", so Tigges.

Das britische Geschäft sorgt seit Jahren für Probleme. Es leidet unter hohem Wettbewerbsdruck und einer straffen Regulierung. Zudem führte die britische Regierung eine Preisobergrenze für Standardtarife ein. Aktionäre kritisierten die Entwicklung harsch. Bei Npower sei "alles schief gelaufen, was schief laufen kann", sagte etwa Thomas Hechtfischer von der Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW).

Innogy bekräftigt Prognose für 2019

Innogy hatte die seit Jahren schwächelnde britische Tochter eigentlich in ein Gemeinschaftsunternehmen mit dem schottischen Energieversorger SSE einbringen wollen, doch der Deal scheiterte. Deswegen musste Innogy das Verluste schreibende Geschäft wieder in der Bilanz konsolidieren, was eine Senkung der Prognose im vergangenen Jahr zur Folge hatte. Dabei musste Innogy zum Jahresende nochmals Wertberichtigungen auf Npower vornehmen, insgesamt beliefen sich die Abschreibungen 2018 auf mehr als 1,5 Milliarden Euro. Aktionäre sollen deswegen mit 1,40 Euro eine niedrigere Dividende erhalten als im Jahr zuvor, als 1,60 Euro gezahlt wurden.

Die Prognose für 2019 bekräftigte Innogy indes. Der bereinigte Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) dürfte auch wegen Npower von rund 2,6 Milliarden auf 2,3 Milliarden Euro sinken, das bereinigte Nettoergebnis von gut einer Milliarde Euro auf rund 850 Millionen Euro zurückgehen.

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dpa/dpa-AFX
Keywords:
Innogy | RWE Innogy | Eon
Ressorts:
Finance | Markets

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