Windenergie
10.09.2019

„Der Innovationsmotor Windkraft stottert“

Foto: HUSUM Wind/Messe Husum & Congress
Auf der Messe Husum Wind zeigen ca. 650 Aussteller aus 25 Ländern ihre Produkte und Technologien.

Die jüngste Ausschreibung bestätigt die Probleme der Onshore-Windenergie. Erneut gab es zu wenig Gebote. Auch die Messe Husum Wind steht unter dem Eindruck der Branchenkrise.

Bei der September-Ausschreibung für neue Windräder an Land haben sich erneut nur wenige Investoren gemeldet. Ausgeschrieben waren Anlagen mit einer Leistung von 500 Megawatt, es gingen jedoch nur 22 Gebote über 187 Megawatt ein, teilte die Bundesnetzagentur am Dienstag in Bonn mit. "Damit gingen deutlich zu wenige Projekte ins Rennen, um von Wettbewerb sprechen zu können", heißt es in der Mitteilung.

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Ein Gebot wurde ausgeschlossen, so dass 21 Gebote mit einem Volumen von 176 Megawatt einen Zuschlag bekamen. Die Windparks erhalten nach ihrer Fertigstellung eine Vergütung von 6,2 Cent je Kilowattstunde Strom; das war auch der zulässige Höchstwert in der Ausschreibung. Das Ausschreibungssystem sieht vor, dass die Zuschläge an den günstigsten Anbieter gehen.

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Von den Zuschlägen gingen 64 Megawatt nach Nordrhein-Westfalen und 30 Megawatt nach Schleswig-Holstein, der Rest verteilt sich auf sieben weitere Bundesländer. "Damit wird bei der Onshore-Windenergie die Lücke zwischen Ziel und tatsächlicher Umsetzung noch größer", sagte Katherina Reiche, Hauptgeschäftsführerin des Verbandes kommunaler Unternehmen. "Von den 2500 Megawatt Windenergieleistung, die bisher in 2019 ausgeschrieben wurden, konnte nicht einmal die Hälfte (1130 Megawatt) bezuschlagt werden." Das Ergebnis unterstreiche, wie dringend der Handlungsbedarf sei. Die Vorschläge des Klimakabinetts im September müssten auch Maßnahmen für den Windenergieausbau enthalten.

EEG-Reformen als Krisenauslöser

Unter dem Eindruck einer kriselnden Branche steht auch die Messe Husum Wind 2019. Der Innovationsmotor "Windkraft" sei ins Stottern gekommen, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) bei der Eröffnung am Dienstag. "Der Netzausbau erfolgt zu langsam, Windräder stehen oft still, und das System an Abgaben und Umlagen in Deutschland ist nicht mehr auf der Höhe der Zeit", kritisierte er die Bundesregierung.

Umweltminister Jan-Philipp Albrecht (Grüne) nannte als Auslöser der Krise unter anderem Reformen an den Erneuerbare Energien-Gesetzen in den Jahren 2014 und 2017. "Weil man dachte, sich alles nicht leisten können", sagte Albrecht. "Heute wissen wir: Was an Investitionsbedarf, an Aufwand nötig ist, um die Klimaziele auch international zu erreichen, ist weitaus größer, als was damals zur Debatte stand."

Albrecht forderte, alle Möglichkeiten zu nutzen, um die Windkraft gerade auch an Land auszubauen. "Windkraft ist nicht ein kleineres Übel oder eine Belastung, sondern die einzige Chance, das Ausbauziel 65 Prozent erneuerbare Energien überhaupt erreichen zu können."

"Berlin schaut nur zur IAA"

Hermann Albers vom Windenergieverband betonte: "Wir sind weit weg von den Zielen, die wir uns selber bei dem Ausbau erneuerbarer Energien gesetzt haben. Wir kommen in eine Situation, wo die Bundesregierung aufpassen muss, dass nicht 75 Prozent der Gesellschaft und der Industrie weiter ist als das Denken derzeit im Wirtschaftsministerium." Zu den akuten Problemen der Branche zählte Albers die Bereitstellung von Flächen und die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren.

"Wir haben 11.000 Megawatt in der Genehmigungsschleife", sagte Albers. "Viele seit vielen Jahren. Und wenn sich nichts ändert, werden die meisten dieser Anlagen nicht genehmigt werden." Derzeit gingen die Unternehmen bei acht von zehn Anträgen "mit einer negativen Entscheidung oder gar keiner Entscheidung nach Haus: Das hält keine Branche aus, wenn die Perspektive auf Erfolg nur 10 oder 20 Prozent ist".

Hans-Dieter Kettwig vom Windenergieanlagen-Hersteller Enercon forderte, die Bundesregierung müsse "endlich Ja sagen zur Energiewende. Die Politik in Berlin muss die Gesetze dafür jetzt bereitstellen". Und kritisierte, dass sich die Bundesregierung nicht ausreichend um die Windbranche kümmere: "Berlin schaut nur zur IAA. Es wäre nett gewesen, wenn einer aus Berlin hier gewesen wäre, um unsere Sorgen und Probleme einmal anzuhören."

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ck/dpa
Keywords:
Onshore-Wind | Windenergie | Windkraft
Ressorts:
Markets

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