Elektromobilität
26.08.2019

Intelligentes Laden reduziert Kosten für Netzausbau

Foto: iStock
Wollen alle Besitzer von Elektroautos ihre Fahrzeuge gleichzeitig aufladen, belastet dies die Netze.

Die deutschen Stromnetze müssen fit für die massenhafte Einführung von Elektroautos gemacht werden. Eine intelligente Ladesteuerung kann helfen, so das Ergebnis einer Studie.

Was kostet es die Kabel und Transformatoren der Netze so zu verstärken, dass sie den Strom für Millionen Elektroautos transportieren können? Bis 2050 jährlich zwischen 1,5 und 2,1 Milliarden Euro – eine intelligente Regulierung vorausgesetzt. So das Ergebnis einer Studie der Denkfabriken Agora Verkehrswende, Agora Energiewende und The Regulatory Assistance Project (RAP).

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Demnach reichen 1,5 Milliarden Euro jährlich aus, um das Stromnetz fit für 30 Millionen Elektroautos zu machen. Bei 45 Millionen Elektrofahrzeugen im Jahr 2050, also einer Vollelektrifizierung des Fahrzeugbestandes auf heutigem Niveau, würden sich die jährlichen Netzausbaukosten auf bis zu 2,1 Milliarden Euro belaufen. Damit müsste zukünftig nicht mehr in Stromverteilnetze investiert werden als in der Vergangenheit. In diesen Kostenschätzungen enthalten sind bereits Ausgaben zur Modernisierung der Netze, die ohnehin anfallen würden.

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Lastspitzen beim Laden abmildern

Voraussetzung für diesen günstigen Ausbau der Verteilnetze ist, dass Lastspitzen beim Laden der Fahrzeuge abgemildert werden. So kann eine teure Überdimensionierung von Kabeln und Transformatoren vermieden wird. Lastspitzen entstehen, wenn beispielsweise alle E-Auto-Nutzer ihre Fahrzeuge gleichzeitig nach Feierabend um 19 Uhr aufladen möchten. „Gesteuerte Laden“ könnte hingegen erfolgen, indem die Betreiber der Verteilnetze Prognosen über die voraussichtliche Belastung ihrer Netze vorab an Stromlieferanten geben. Die würden daraufhin die Ladestationen für die Elektroautos so steuern, dass es nicht zu Netzüberlastungen kommt. Der Besitzer würde nichts bemerken.

„Eine gute Regulierung vorausgesetzt, zahlen in Zukunft die Besitzer der Elektroautos den Ausbau der Stromnetze und nicht die Gesamtheit aller Stromverbraucher“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. Dafür sei gesteuertes Laden die Voraussetzung, denn damit fielen die nötigen Investitionen in Leitungen und Trafos nicht höher aus als in den vergangenen Jahren. „Dafür müssen nun rasch die nötigen Schritte eingeleitet werden.“ Dies betrifft die Steuerung der Ladestationen, die dafür nötige Software und die Prognosetools.

Rabatt auf die Netzentgelte

Vorstellbar wäre auch, dass die Nutzer der Elektroautos zu lastarmen Zeiten einen Rabatt auf die Netzentgelte für ihren Autostrom erhalten. Sollten sie dennoch zu Zeiten von Netzspitzen mit hoher Leistung laden wollen, müssten sie hingegen mit einem Aufschlag rechnen. Ohne ein derart gesteuertes Laden wäre der Netzausbau für eine große Zahl von Elektroautos nicht finanzierbar, da die Stromnetze dann auf die maximale Stromnachfrage hin ausgebaut werden müssten, die nur an wenigen Stunden im Jahr auftritt.

Die Studie arbeitet auch Unterschiede bei den Netzausbaukosten zwischen städtischen, halbstädtischen und ländlichen Regionen heraus. Demnach profitieren insbesondere Vorstädte und das Land vom gesteuerten Laden – die jährlichen Netzausbaukosten können dadurch mehr als halbiert werden: Bei einem bundesweiten Bestand von 15 Millionen Elektroautos im Jahr 2030 würden sie dadurch beispielsweise von 99 auf 39 Euro pro Kopf und Jahr sinken.

Lesen Sie auch: E-Auto-Boom: Netzbetreiber sehen sich gewappnet

ck
Keywords:
Elektromobiltität | Netzausbau
Ressorts:
Technology | Markets

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