Kolumne Gerard Reid
25.02.2013

Internet der Dinge

Illustration: Valentin Kaden

Die englische Firma ARM greift den US-Riesen Intel an – und zeigt, wie wichtig die Energieeffizienz digitaler Geräte ist.

Die wichtigsten technischen Fortschritte in den vergangenen 30 Jahren, beispielsweise der Computer, das Internet oder das Smartphone, sind Produkte des digitalen Zeitalters. Sie sind nicht mehr weg zu denken und stehen für einen Trend: Die körperliche Welt wird immer mehr zu einer Art Informationssystem. Sensoren und Motoren sind in unterschiedliche Gegenstände – Fernseher, Klimaanlagen bis hin zu Herzschrittmachern – integriert und miteinander über das Internet verbunden. Man spricht vom „Internet der Dinge“.

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Der Bosch-Konzern prognostiziert, dass im Jahr 2017 gut fünf Milliarden Menschen quer über den Globus verbunden sein werden, dank Billionen einzelner Geräte, die wiederum miteinander kommunizieren. Der weltweite Stromverbrauch der digitalen Geräte in unseren Häusern macht heute 15 Prozent aus. Rechenzentren sind wahre Stromfresser; ihr Anteil am Gesamtverbrauch in Deutschland liegt bei rund zwei Prozent.

Die körperliche Welt wird zu einer Art Informationssystem

Das Rückgrat dieser digitalen Revolution sind Technologien wie Halbleiter, Funktechnik, Mikrowellenstrahlen, Laser, Glasfasertechnik, Mikroprozessoren sowie Sensoren. Komplexe Software-Programme steuern und kontrollieren diese Technologien. Diese Revolution hat bereits eine Bandbreite von Unternehmen wie etwa Apple, Cisco Systems, Facebook, Google, SAP, Intel, Microsoft und Nokia bekannt gemacht; hinzu kommen asiatische Giganten wie Samsung und Sony. 

Im Kern der Revolution steht auch eine englische High-Tech-Firma mit Sitz in Cambridge, die noch nahezu unbekannt ist: ARM. Die Firma bestückt nicht nur den Kern der Mikrochip-Technologie für Apple-iPhones und Samsung-Galaxy-Handys, sondern 95 Prozent von allen in der Welt verkauften mobilen Geräten und Tablets. Während der US-Chip-Gigant Intel in den vergangenen 40 Jahren die Leistung der Halbleiter ständig gesteigert hat, blieb sein Marktanteil bei mobilen Anwendungen nahezu Null. 

Besonders interessant ist die ARM-Unternehmensstrategie. Intel produziert und entwickelt hauptsächlich Mikrochips, aber die Engländer machen das nicht. Stattdessen entwickeln sie Kerntechnologien für Chips, die unter Lizenz von anderen Unternehmen weiterentwickelt werden können. Eigene Entwicklungen und das geistige Eigentum von Firmenkunden können auf dem Chip integriert werden. Das ermöglicht einem typischen Intel-Kunden wie Apple oder Samsung, kostengünstig einen eigenen Chip zu entwickeln, anstatt einen standardisierten Intel-Chip zu verwenden.

Anders als Intel ist ARM nicht darauf fokussiert, die Leistung zu steigern – sondern die Energieeffizienz. Das erklärt, warum Handy-Batterien heute länger halten als etwa vor fünf Jahren, obwohl die Endgeräte heute viel leistungsfähiger sind. Es erklärt auch, warum iPad-Akkus heute mehr als zehn Stunden Betrieb ermöglichen, im Gegensatz zu Laptop-Akkus, die auf Intel-Chips basieren.

Die Folgen für die Energiewelt werden enorm sein: So können in einem Netzwerk alle Geräte wie Kühlschränke und Gefriertruhen intelligent und kosteneffizient zusammengeschaltet, Lastspitzen und Nachfragedellen durch intelligente Steuerung ausgeglichen werden. 

Bei mobilen Anwendungen blieb Intels Marktanteil nahezu Null

Das Beispiel ARM zeigt eindrucksvoll, dass Unternehmen einen Wettbewerbsvorteil erreichen, wenn sie auf Energieeffizienz setzen. Das gilt im Zeitalter des Mobilfunks mehr denn je. Für den Kunden ist es ein Graus, wenn er das Ladegerät seines Akkus vergisst und ihm unterwegs der Saft ausgeht. Der Kunde verlangt immer stärkere Prozessoren für immer mehr Funktionen; das setzt die Hersteller unter Druck.     

Jetzt kann ARM sogar den zuvor unberührten PC-Markt erschließen. Auslöser dafür war die Entscheidung von Microsoft, ARM die Plattform seines Betriebssystems Windows 8 nutzen zu lassen. Damit nicht genug: ARM greift Intel auch auf dessen profitabelstem Gebiet an, dem Server-Markt. Erste Tests von Hewlett-Packard legen nahe, dass die auf ARM-Technologie aufgebaute Architektur die gleiche Leistung bietet wie die x-86 Architektur von Intel – aber satte 89 Prozent weniger Energie verbraucht. 

Der Aktienkurs von Intel sackte nach unten, nachdem der Konzern verkündet hatte, zehn Milliarden US-Dollar in neue Fabriken und Technologien der nächsten Generation zu investieren. Es wäre wohl sinnvoller, dieses Geld zur Übernahme von ARM zu nutzen. Damit würde Intel das „Internet der Dinge“ umschließen, statt weiter an der glorreichen Vergangenheit zu hängen.

Gerard Reid zählt weltweit zu den Top-Finanzanalysten für erneuerbare Ener-gien. Für die Wall-Street-Investmentbank Jefferies baute er den Bereich Renewables auf. Anschließend gründete er mit Alexa Capital seine eigene Beratungsgesellschaft. 2011erschien sein Buch „Asiens Energiehunger – Rohstoffe am Limit“. Reid hat am Imperial College in London eine Finance-Professur inne. Last but not least: Gerard Reid ist Chefökonom bei BIZZ energy today.

Foto Startseite: Depositphotos

Gerard Reid
Keywords:
SAP | ARM | Intel | Energieeffizienz | Green-IT | Internet | Apple | Google
Ressorts:
Finance

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