Finanzierung
17.07.2018

Investitionen in fossile Energie steigen wieder

Foto: istock/nielubieklonu
Die globalen Investitionen in Öl und Gas nehmen wieder zu, auch wenn unterm Strich das meiste Geld in den Ausbau der Elektrizität fließt.

Zum ersten Mal seit 2014 haben Investoren weltweit mehr in Öl und Gas investiert. Gleichzeitig sanken die Geldanlagen in Energieeffizienz und Erneuerbare – ein Trend, der sich fortsetzen könnte.

Fatih Birol, der Geschäftsführer der Internationalen Energieagentur (IEA) schlägt angesichts des jüngsten Abwärtstrends bei Investitionen in Erneuerbare Alarm: „Solch ein Rückgang der weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz ist besorgniserregend“. 

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Jahrelang hatten die Investitionen in erneuerbare Energien und Energieeffizienz stetig zugelegt. 2017 sind sie zum ersten Mal um drei Prozent zurückgegangen. Für sich genommen sanken die globalen Investitionen in Erneuerbare sogar um sieben Prozent. Auf der anderen Seite gingen die Investitionen in die Energieversorgung mit Gas und Öl leicht nach oben.

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Neue Regeln für Solar

Investitionensentscheidungen für neue Kohlekraftwerke gingen zum zweiten Mal in Folge zurück und liegen nur noch bei einem Drittel des Niveaus von 2010. Dennoch stieg die Zahl der Kraftwerke weltweit: Insbesondere, weil China ihren Bau trotz des geplanten Umstiegs auf grüne Energie noch eine Zeitlang unterstützt.  

Weil China aber zuletzt seine Förderung von Solaranlagen drastisch zurückgefahren hat, besteht aus Sicht der IEA zudem das Risiko, dass die Kurve für Investments in Erneuerbare weiter nach unten geht. Mehr als 40 Prozent aller Solar-Investitionen stammen aus dem Reich der Mitte, weshalb sich Änderungen in der Förderpolitik weltweit auswirken. Die Regierung in Peking hatte im Juni verkündet, gewerbliche Photovoltaik-Anlagen ab sofort nicht mehr zu subventionieren. 

"Investitionen müssten eigentlich rapide steigen"

Investitionen in Energieeffizienz legten 2017 zwar zu, konnten den Rückgang bei Erneuerbaren aber nicht ausgleichen, so die IEA. Zudem habe sich das Wachstum abgeschwächt, weil die Anstrengungen der Politik auf diesem Feld nachließen.

Birol warnt, die jüngste Entwicklung könnte den notwendigen globalen Ausbau der erneuerbaren Energien gefährden. Es sei „enttäuschend, dass die Investitionen in diesem Jahr zurückgehen könnten, wo sie doch rapide steigen müssten“, sagt er.

Stromsektor legt zu

Unterm Strich fließen allerdings immer mehr Investitionen in den Stromsektor: Zum zweiten Mal in Folge wurde 2017 mehr Geld in den Ausbau von Elektrizität als in fossile Energien gesteckt, getrieben vom Netzausbau. Von den 1,8 Billionen Dollar, die weltweit in die Energieindustrie investiert wurden, entfielen 750 Milliarden auf den Elektrizitätssektor und 715 Milliarden auf die fossile Industrie.

Der Anteil staatlich geförderter Investitionen steigt dabei immer weiter. Solche Anlagen in die Energiebranche kletterten in den vergangenen fünf Jahren auf mehr als 40 Prozent. Gleichzeitig spielt die staatliche Förderpolitik eine immer entscheidendere Rolle für private Investitionen, wie das Beispiel China zeigt. Laut IEA basierten mehr als 95 Prozent der Geldanlagen im Energiesektor auf öffentlichen Förderregeln und gesetzlichen Vergütungsmodellen. Die Rolle neuer Projekte, die mit den Erlösen aus dem Energiegroßhandelsmarkt ohne staatliche Subventionierung auskommen, ist hingegen schwindend.

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Jutta Maier
Keywords:
grüne Investments | Nachhaltige Investments | erneuerbare Energien | Fossile Energie | IEA
Ressorts:
Finance | Governance

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