Solarenergie
19.03.2018

Iran: Markt für Photovoltaik-Dachanlagen entsteht

Foto: Flickr/Jørn Eriksson
Skyline der iranischen Hauptstadt Teheran. Die Regierung will die Verbreitung von Solar-Dachanlagen steigern

Neben großen Solarparks kommen im Iran zunehmend auch kleinere Photovoltaikanlagen auf Privathäusern zum Einsatz. Das Land will den Erneuerbaren-Anteil in seinem Energiemix stark steigern.

Das Wachstum beginnt auf niedrigstem Niveau, aber die Richtung ist klar: Die Zahl der Photovoltaik-Dachanlagen im Iran ist in den beiden ersten Monaten des Jahres um rund 30 Prozent gestiegen. Wie die Zeitung „Tehran Times“ unter Berufung auf die staatliche Agentur für erneuerbare Energien SATBA berichtet, kommt das Land damit auf 841 Anlagen dieser Größenordnung mit einer Gesamtleistung von 8,1 Megawatt.

Anzeige

Damit spielen Photovoltaik-Dachanlagen im 80 Millionen Einwohner zählenden Iran erst eine marginale Rolle. Aber SATBA und regionale Verteilnetzbetreiber rechnen im Jahresverlauf mit starkem Zubau. Staatliche Förderung führe dazu, dass zunehmend auch privates Geld in die Solarstromerzeugung fließe, heißt es in dem Bericht.

Anzeige

Ausländische Investoren

Feste Einspeisevergütungen, die in Europa allmählich selten werden, locken seit dem vergangenen Jahr auch ausländische Solarpark-Investoren an. Zuletzt erhielt Anfang März das italienische Bauunternehmen Carlo Maresca den Zuschlag für einen 100-Megawatt-Solarpark. Er soll eine Sonderwirtschaftszone in der nordiranischen Provinz Semnan mit Strom versorgen. (Lesen Sie auch: Irans Solarmarkt kommt in Fahrt)

Im sonnenreichen Iran rollt eine Welle von Solarprojekten. Im Februar haben österreichische und südkoreanische Investoren neue Großanlagen angekündigt. Im Herbst gab der Londoner Finanzinvestor Quercus bekannt, er werde Solarkraftwerke mit einer Gesamtkapazität von 600 Megawatt und einem Investitionsvolumen von mehr als 500 Millionen Euro bauen.

Neue Sanktionen drohen

Medienberichten zufolge zieht die EU wegen des iranischen Raketenprogramms neue Sanktionen in Erwägung während die USA drohen, das geltende Atomabkommen mit Teheran aufzukündigen. Dennoch setzen auch deutsche Solarunternehmen auf das Land: Der Iran sei ein „sehr interessanter Markt, der sich klar im Aufbruch befindet“, teilt der deutsche Marktführer bei Wechselrichtersystemen, SMA, auf Anfrage mit. SMA ist im Iran als Zulieferer im Geschäft. Man erwarte für die kommenden Jahre weiteres Wachstum, heißt es bei dem hessischen Unternehmen, das den Mittleren Osten von seiner Niederlassung in den Vereinigten Arabischen Emiraten aus bearbeitet.

Deutsche Mittelständler zählen zu den Photovoltaik-Wegbereitern im Iran: Der Projektentwickler Adore aus dem vorpommerschen Murchin errichtet ein 100-Megawatt- Solarkraftwerk. Das Heidelberger Unternehmen Athos Solar hat bereits mehrere kleinere Solarparks in Betrieb genommen.

Solar-Autobahn nach Teheran

Das ambitionierteste Vorhaben plant unterdessen ein einheimisches Unternehmen: Der Verteilnetzbetreiber der Provinz Ghom will Photovoltaik-Anlagen mit einer Kapazität von 1,5 Gigawatt entlang der Autobahn zwischen Teheran und der Provinzhauptstadt Ghom aufstellen. Außerdem will er die Installation privater Solar-Dachanlagen durch Abnahmeverträge mit einer Laufzeit von 20 Jahren in Gang bringen.

Bisher stammen laut „Tehran Times“ nur 420 Megawatt der 77.000 Megawatt starken iranischen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien. Der aktuelle Fünfjahresplan der Regierung sieht einen jährlichen Erneuerbaren-Zubau von 5.000 Megawatt vor.

Lesen Sie auch: Deutschland und Iran sondieren Energie-Zusammenarbeit

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Iran | Solarenergie | Photovoltaik
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Herbst 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab dem 03.09.2018 bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen