Danfoss-Chef im Interview
10.04.2019

„In der Wärmewende gibt es keine Einheitslösung“

Foto: Danfoss
Ole Møller-Jensen ist Geschäftsführer der Danfoss GmbH. Der Däne ist seit über 40 Jahren für das Unternehmen tätig, seit 2015 am Standort in Deutschland.

Dass die Regierung die Gebäudekommission abgesagt hat, ist eine vertane Chance, sagt Ole Møller-Jensen. Der Danfoss-Geschäftsführer fordert eine Grundsatzdiskussion zur Wärmewende.

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Die ursprünglich geplante Gebäudekommission wurde gestoppt. Wie haben Sie das aufgenommen?

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Wir sind enttäuscht und überrascht. Das ist eine vertane Chance. Es gibt keine Einzellösungen für die Wärmewende, man muss das gesamte System betrachten. Nicht alle Häuser können an Fernwärme angebunden werden, nicht alle können eine Wärmepumpe verwenden. Wir müssen auch bei effizienteren Heizkesseln etwas tun, ganz zu schweigen vom Gebäude selbst. Technologisch ist das gesamte System zu betrachten: Was passt wo am Besten und was fördern wir sozialverträglich mit welchen Mitteln? Das hätte ich mir von der Kommission erhofft.

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Welche Förderungen und Maßnahmen fänden Sie denn sinnvoll?

Grundsätzlich glauben wir, dass der Ansatz ‚Fordern und Fördern’, also Anforderungen und Anreize zu setzen, richtig ist. Was die Finanzierung angeht, glauben wir, dass sowohl Steuerprogramme als auch Zuschüsse nötig sein werden um den Sanierungsstau aufzulösen. Ein Grundproblem im Gebäudebestand in Deutschland mit dem hohen Anteil an Mietwohnungen ist das Mieter/Vermieterdilemma. Wenn man Mieter ist, besteht die Gefahr, dass von Effizienzmaßnahmen nichts bei einem ankommt. Mieter- und Vermieterinteressen müssen ausgeglichen werden. In Schweden und der Schweiz gibt es zum Beispiel CO2-Steuern, deren Einnahmen wieder ausgeschüttet werden. Das könnte den Mietern helfen.

Was sagen Sie zum Gebäudeenergiegesetz?

Wir sind dafür, per Gesetz vernünftige Anforderungen an Gebäude zu stellen. Es gibt ein paar Punkte, die im Entwurf fehlen. Zum Beispiel kommt die Fernwärme nicht besonders gut weg. Möglichkeiten wie der hydraulische Abgleich von Gebäuden, mit dem sich relativ einfach bis zu fünf Prozent Energie sparen lässt, werden nicht beachtet.

Allerdings konzentriert sich das Gesetz auf den Neubau. Unsere Hauptaufgabe liegt aber in der Steigerung der niedrigen Sanierungsrate – warum tun wir hier nicht mehr? Wenn wir bei Altgebäuden ein bisschen am Hebel drehen, mit Anreizen für den Eigentümer und den Mieter, können wir viel erreichen.

In Ihrem Heimatland Dänemark ist der Einbau von Öl- und Gasheizungen verboten. Halten Sie das auch für Deutschland für sinnvoll?

Die Struktur der Wärmeversorgung in Dänemark ist anders als in Deutschland, es gibt viel mehr Fernwärmenetze. Irgendwann macht es sicherlich auch in Deutschland Sinn, Ölkessel zu verbieten, aber jetzt ist es noch zu früh.
Außerdem wurde in Dänemark vor dem Verbot Öl und Gas erst einmal stärker besteuert. Man könnte sich fragen, ob es so sinnvoll ist, dass in Deutschland Strom sehr hoch mit Energiewendekosten belastet ist, während Öl und Gas es nicht sind.

Steuern sind ein Mittel, um Bewegung zu erzeugen. Die EEG-Förderung beispielsweise von Windrädern in Deutschland ist zwar fast vorbei, aber man hätte sie viel früher stoppen können. Der Markt ist schon da. Das gleiche Mittel könnte man dann anderswo nutzen und damit zum Beispiel den Aufbau von Fernwärme unterstützen.

Was hat Dänemark getan, um die Fernwärme durchzusetzen?

Es ist vor 30, 40 Jahren gelungen, eine Brücke über das gesamte politische System zu schlagen und einen breiten gesellschaftlichen Kompromiss für eine langfristige strategische Planung und Umsetzung zu finden. Eine Fernwärmekommission hat damals quer über alle politischen Parteien entschieden, dass der Ausbau der Fernwärme sinnvoll ist.

Im Gegensatz zu Deutschland haben wir in Dänemark einen Anschlusszwang. Wenn eine Fernwärmeleitung vor Ihrem Haus gegraben wird, dürfen Sie Ihren Ölkessel nicht mehr verwenden. Das würde in Deutschland schwierig.

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Keywords:
Wärmewende | Wärmepumpen | Danfoss
Ressorts:
Markets

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