Elektromobilität
25.06.2018

Italien will eine Million E-Autos auf die Straße bringen

Foto: iStock
Noch dominieren Autos mit Verbrennungsmotoren das Straßenbild in Rom.

Mehrere Milliarden Euro müsste Italiens neue Regierung investieren, um wie geplant bei der Elektromobilität durchzustarten. Kritiker bezweifeln, dass dies gelingen kann.

Die neue Regierung in Italien, bestehend aus der Fünf-Sterne-Bewegung und der rechtspopulistischen Lega, beschäftigt sich offenbar nicht nur mit der Flüchtlingspolitik. Dem Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg zufolge, will sie in den kommenden Jahren rund eine Million Elektroautos auf die Straßen des Landes bringen. Dies würde Italien zum europäischen Spitzenreiter in Sachen E-Mobilität machen.

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Wie Bloomberg berichtet, hat die Fünf-Sterne-Bewegung einen Absatz zum Thema „Reduzierung von Benzin- und Dieselfahrzeugen“ in den Koalitionsvertrag verhandelt, der eine Förderung für die Anschaffung von Elektro- und Hybridfahrzeuge vorsieht. Zwar werden keine konkreten Zahlen genannt, doch Luigi Di Maio, Spitzenkandidat der Fünf-Sterne-Bewegung und derzeit Minister für Arbeit und wirtschaftliche Entwicklung, hat das Ziel von einer Million Fahrzeugen bis 2022 ausgegeben. Sollte dies umgesetzt werden, könnte das Programm Kosten von rund acht bis neun Milliarden Euro verursachen.

Nur rund 5.000 E-Autos in Italien

Unter den zwei Millionen verkauften Fahrzeugen in Italien waren im vergangenen Jahr nur rund 2.600 vollelektrische Pkw. Nach Schätzung des europäischen Automobilverbands Acea kommen noch rund 2.200 Plug-in-Hybride hinzu. Auf den Straßen des Landes dürften aktuell weniger als 5.000 vollelektrische Autos unterwegs sein.

Um vom Nachzügler in Sachen E-Mobilität zum europäischen Spitzenreiter zu werden, müsste Italien den Kauf von E-Autos mindestens so stark subventionieren wie Norwegen. Kaufanreize in Höhe von rund 10.000 Euro pro Fahrzeug wären nötig. Selbst bei solchen Milliarden-Investitionen halten Kritiker wie Gian Primo Quagliano, Leiter des Forschungsinstituts Promotor, die Pläne für unrealistisch.

Nötig wäre auch ein Ausbau der Ladeinfrastruktur. Italiens führender Energiekonzern Enel will 100 bis 300 Millionen Euro investieren, um bis 2022 bis zu 14.000 Ladestationen aufzubauen. Autobauer Fiat Chrysler plant, neun Milliarden Euro in den Aufbau eines E-Auto-Sortiments zu investieren. Der Druck von Behörden und Politik ist da: Rom will ab 2024 die Stadt für Dieselautos sperren. Mailand könnte dem folgen.

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Carsten Kloth
Keywords:
Elektromobiltität | Auslandsmärkte
Ressorts:
Governance

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