Kommunale Stromanbieter
02.08.2016

Junge Stadtwerke attraktiv für alte Energieriesen

Foto: Tuxyso / Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0
Energieriesen wie RWE wollen beim Wechseltanz zu beliebten Regio-Stromanbietern nicht außen vor bleiben.

Aufgrund des Regionalitäts-Trends bei Stromkunden kaufen große Versorger Beteiligungen an kleineren Stadtwerken. Das zeigt sich insbesondere im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen, wo viele neue Kommunal-Anbieter entstanden.

Auf dem Energiemarkt versuchen große Versorger beim Trend zum Regionalen nicht außen vor zu bleiben. Ihre Methode: Sie kaufen Anteile an Stadtwerken. Eine Verbraucherschützer-Studie aus Nordrhein-Westfalen liefert deutliche Zahlen. Dort ist RWE der große Anteilseigner, doch auch bei vergleichbaren Riesen wie EnBW und Eon finden sich mehrere dutzend Kommunal-Anbieter im Portfolio.

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Die wachsende Vorliebe zum lokalen, kommunalen Stromanbieter in Deutschland bestätigt nicht nur eine aktuelle Studie der Uni Hohenheim, sondern ist auch die Erfahrung von Beratungsstellen: „In unserer Anbieterwechselberatung zeigen viele Verbraucher Interesse an einem örtlich verankerten Stromlieferanten“, berichtet Christina Wallraf, von der Verbraucherzentrale NRW. „Die Nachricht von einem neuen Stadtwerk regt viele Stromkunden überhaupt erst zum Nachdenken über einen Wechsel an.“ Insofern seien neue Anbieter zu begrüßen.

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Großinvestor RWE

Seit 2006 sind in NRW 38 kommunale Unternehmen in den lokalen Stromvertrieb eingestiegen. Knapp die Hälfte dieser Stadtwerke ist auch erst innerhalb dieser zehn Jahre gegründet worden. Wie stark die örtliche Verankerung tatsächlich ist, ist von Fall zu Fall sehr unterschiedlich. Lediglich drei der 38 Unternehmen sind im 100-prozentigen Besitz einer einzelnen Kommune.

Alle anderen haben mindestens einen weiteren Gesellschafter. Bei gut 40 Prozent der Unternehmen halten größere, überregionale Stromanbieter Anteile. So ist an knapp jedem vierten der untersuchten Unternehmen der RWE-Konzern mit Anteilen zwischen 12 und 45 Prozent beteiligt. Die Gelsenwasser AG (eines der bundesgrößten Wasserversorgungs-Unternehmen) hält Anteile an gut jedem sechsten Anbieter, oft sogar von 49 oder 50 Prozent. „Die Gewinne eines Stadtwerks kommen somit nicht unbedingt nur der Kommune zugute – auch wenn die Unternehmensdarstellung im Internet das oft nahelegt“, sagt Wallraf.

 

Preisbedachte Erneuerbaren-Interessierte

Bei der Hälfte der Unternehmen stehen die genauen Anteilsverteilungen auf den Firmen-Webseiten. Bei weiteren neun sind die Namen aller Gesellschafter genannt. Die restlichen neun legen ihre Gesellschafterstruktur online nicht offen. Wer sicher gehen will, wie viel Geld in der Region bleibt, muss aufwendig selbst recherchieren, etwa im Handelsregister. Durchweg punkten können die neuen kommunalen Stromanbieter NRWs zumindest bei den Voraussetzungen für persönlichen Service: Alle 38 Unternehmen haben eine Anlaufstelle vor Ort.

Eine weitere Auffälligkeit in der NRW-Studie ist, dass bei einem Viertel der untersuchten Stadtwerke der Öko-Stromtarif am günstigsten ist. Dabei liegt der Preis noch unter dem jeweils  billigsten Angebot des Grundversorgers – meistens RWE. Per Stadtwerks-Beteiligung versuchen die großen Energieversorger eine für sie doppelt schwierige Kundengruppe nicht völlig zu verlieren: Die der preisbedachten Erneuerbaren-Interessierten unter den Befürwortern regionaler Stromversorgung.

Tim Lüdtke
Keywords:
VBZ | NRW | Stadtwerke | Energieversorger
Ressorts:

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