Mit einem scharfen Angriff auf die Übertragungsnetzbetreiber versuchen die Stadtwerke Nürnberg, den Bau neuer Gaskraftwerke in Süddeutschland zu verhindern. „Den volkswirtschaftlichen Sinn kann ich nicht erkennen, einen betriebswirtschaftlichen schon“, wetterte Josef Hasler, Vorstandsvorsitzender des Nürnberger Kommunalversorgers N-Ergie, in dieser Woche in Berlin.

Die Netzstabilitätsanlagen würden als Reservekraftwerke gegen Stromausfälle von den Übertragungsnetzbetreibern gebaut, die auch die Einnahmen aus dem Betrieb der Anlagen erhielten. Hasler unterstellte, dass der Kapitaleinsatz möglicherweise genauso hoch verzinst werden könnte wie bei Investitionen in neue Leitungen, wofür die Netzbetreiber gesetzlich festgelegte Renditen von 6,91 Prozent erhalten.

Die Stadtwerke Nürnberg fürchten offenkundig, dass neue Meiler ihrem eigenen Gaskraftwerk Irsching Konkurrenz machen, an dem N-Ergie mit 25,1 Prozent beteiligt ist. 

Zwei Gigawatt neue Kraftwerke

Noch hat die Bundesregierung allerdings überhaupt noch nicht geregelt, wie Netzstabilitätsanlagen von den Stromkunden vergütet werden. Mit dem Strommarktgesetz hat der Bundestag im vergangenen Sommer zunächst einen Prüfauftrag geschaffen. Die  Übertragungsnetzebetreiber und die Bundesnetzagentur sollen ermitteln, ob in Süddeutschland überhaupt neue Erzeugungskapazitäten benötigt werden, wenn bis 2022 die letzten Kernkraftwerke abgeschaltet werden.

Mitte Februar legten die Übertragungsnetzbetreiber ihr Gutachten in eigener Sache vor: benötigt würden 2 Gigawatt neuer Kraftwerke – also genau die Höchstgrenze, die der Bundestag bereits ins Gesetz geschrieben hatte. Bis Ende April muss die Bundesnetzagentur nun festlegen, ob und in welcher Höhe tatsächlich neue Kraftwerke gebaut werden sollen.

Im Interview mit bizz energy verteidigt der Chef von Tennet in Deutschland, Urban Keussen, die Bedarfsprognose der Netzbetreiber: „Die Versorgungssicherheit muss in jeder Situation gewährleistet sein. Wir brauchen deshalb Kraftwerksleistung in einem Umfang, wie sie die Netzstabilität erfordert. Aus diesem Grund sieht der Gesetzgeber auch die Errichtung von Netzstabilitätsanlagen vor.“

Zweistellige Millionenverluste

Stadtwerke-Chef Hasler verweist dagegen auf Irsching 5. Erst wenige Wochen zuvor hatte N-Ergie Alarm geschlagen, weil das moderne Kraftwerk im vergangenen Jahr einen zweistelligen Millionenverlust eingefahren habe. Die Gesellschafter wollen es wegen der niedrigen Strompreise stilllegen. Als Netzreserve wird es jedoch auf Anforderung der Übertragungsnetzbetreiber in Betrieb gehalten und nach gesetzlich festgelegten Regeln vergütet.

Hasler verwies darauf, dass Irsching 5 im vergangenen Jahr von Tennet an nur zwei Tagen eingesetzt worden sei. Weil das Kraftwerk derzeit kaum in Betrieb sei, habe es genug Möglichkeiten, den bevorstehenden Wegfall des bayerischen Kernreaktors Isar II zu kompensieren.

Das hochmoderne Gaskraftwerk Irsching 5 in Bayern steht seit Jahren still. (Foto: www.siemens.com/presse)