Windenergie
22.03.2018

Kampf um jede Windmühle: Wettbewerb im Service-Markt wird härter

Fotos: Deutsche Windtechnik
Techniker des Bremer Wartungsdienstleisters Deutsche Windtechnik. Der Windenergie-Service-Markt wächst. Aber auch der Wettbewerb nimmt zu.

Die Konkurrenz auf dem Service-Markt für Windparks nimmt zu. Die Hersteller von Windkraftanlagen stehen im Kerngeschäft unter Druck. Deshalb versuchen sie, unabhängigen Service-Firmen Kunden abzujagen, wie eine Studie der KfW IPEX-Bank zeigt.

Es ist eine strategische Allianz gegen den Verschleiß: Der größte Hersteller von Onshore-Windkraftanlagen Vestas hat sich Ende Februar mit InspecTools verbündet, einem kalifornischen Spezialisten für digitale Windturbinen-Analyse. Dessen Sensoren und Daten lassen Betreiber von Windkraftanlagen früher erkennen, wenn ein Rotorblatt wegen Erosion Leistung einbüßt. Das hilft ihnen, Wartungstechniker zum richtigen Zeitpunkt loszuschicken und Ausfallzeiten zu verringern.

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InspecTools ist ein echtes Pfund in Vestas‘ Service-Portfolio. Noch sprechen die beiden Unternehmen bloß von einer „globalen Partnerschaft“. Doch eine Übernahme würde in Vestas‘ Strategie passen: Der dänische Windenergiekonzern hat das Service-Geschäft zum Expansionsfeld erklärt. Im Jahr 2016 kaufte er den westfälischen Instandhaltungsdienstleister Availon, im Jahr davor das US-amerikanische Service-Unternehmen UpWind. 

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Verlockendes Service-Geschäft

 

Für die Branchenexperten der KfW IPEX-Bank ist das Motiv der Hersteller für solche Übernahmen und ihren Drang in den Service-Markt klar: Der bloße Verkauf von Windenergieanlagen verspreche nur noch volatilen und wegen hohen Wettbewerbsdrucks weniger lukrativen Absatz, schreibt die KfW-Projektfinanzierungstochter in einer bisher unveröffentlichten Kompaktstudie, die dem Magazin bizz energy vorliegt. Das Service-Geschäft dagegen locke mit überdurchschnittlichen Wachstumsraten, stabilen, planbaren Cashflows und attraktiven Margen. (Lesen Sie auch: Windenergie – Vestas hält Siemens Gamesa auf Abstand)

 

Die Zahlen belegen es: Bei Vestas lag die Ebit-Marge des Service-Geschäfts im Jahr 2016 demnach bei 17,2 Prozent, während der Anlagenverkauf nur eine Ebit-Marge von 13,1 Prozent lieferte. Beim deutschen Konkurrenten Nordex standen 14,1 Prozent im Service lediglich 4,2 Prozent im Verkauf gegenüber. Wettbewerber Senvion kam auf 12,3 Prozent im Service und nur auf 5,1 Prozent im Verkauf.

 

KfW IPEX beziffert den Wert des globalen Onshore-Service-Markts mit 14 Milliarden US-Dollar. Wegen des stetigen Zubaus und des steigenden Alters der Bestandsanlagen rechne man in der Branche mit einem Marktwachstum von jährlich zehn Prozent, heißt es in der Kurzanalyse.

 

"Die Margen werden dünner"

 

In Deutschland wird das Service-Geschäft aus einem weiteren Grund attraktiver für die Anlagenhersteller: Seit der Änderung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes Anfang 2017 lassen sich neue Windparks nicht mehr mit festen Einspeisevergütungen refinanzieren, sondern Projektierer unterbieten einander in Auktionen mit niedrigen Einspeisepreisen. Das hat die Windindustrie verunsichert und das alte Kerngeschäft der Hersteller weniger berechenbar gemacht.

 

Aber der zunehmende Wettbewerb erreiche inzwischen auch den Servicesektor, sagt Bettina Schroth, Autorin der KfW-IPEX-Analyse: „Die Margen werden dünner. Alle in diesem Wettbewerb werden sich strecken und günstigere Preise anbieten müssen.“ Unterdessen stiegen die Anforderungen an die Wartungsteams, Reparatur- und Ausfallzeiten möglichst kurz zu halten. „Die Eigentümer versuchen unter den neuen Marktbedingungen, aus den Anlagen herauszuholen, was möglich ist. Jede Kilowattstunde zählt“, so Ursula Friedman, Teamleiterin im Kreditrisikomanagement der KfW IPEX-Bank für die Sektoren Energie & Umwelt.

 

Konzentrationsprozess geht weiter

Übernahmen von Windenergie-Serviceunternehmen. Quellen: KfW IPEX-Bank, The Wind Energy O&M Report 2017

 

Vor rund zehn Jahren waren es die unabhängigen Wartungsdienstleister, die in den von Anlagenherstellern und von großen Windparkbetreibern dominierten Service-Markt einbrachen. Nun holen sich die einstigen Platzhirsche Anteile zurück. Wenn es sein muss, indem sie – wie Vestas – Unabhängige aufkaufen: Der Energieversorger EnBW verleibte sich das dänische Unternehmen Connected Wind Services ein. Gamesa (heute Siemens-Gamesa) übernahm einen spanischen und einen britischen Dienstleister.

 

Im vergangenen Jahr ebbte die Übernahmewelle zwar ab, aber das schreibt die KfW IPEX-Bank der Umstellung der Branche auf das Ausschreibungssystem zu. Diese habe die Unternehmen auf Trab gehalten und Management-Kräfte gebunden, die sonst in das Aushandeln weiterer Zukäufe von Service-Unternehmen hätten fließen können. Der Konsolidierungstrend sei eindeutig, sagen Schroth und Friedman. Sie rechnen damit, dass der Konzentrationsprozess im globalen Windenergie-Service-Sektor weitergeht.

 

Lesen Sie auch: Windkraft-Altanlagen: Ab 2021 regiert der Strompreis

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Windpark
Ressorts:
Markets

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