Finanzen
23.09.2019

Kapitalanleger wollen Billionen klimafreundlich anlegen

Foto: Allianz
Allianz-Chef Oliver Bäte und seine Kollegen haben die "Net Zero Asset Owner Alliance" ind Leben gerufen.

Die institutionellen Kapitalanleger dieser Welt bewegen tagtäglich riesige Summen. Das könnte ein wirksames Druckmittel für CO2-neutrales Wirtschaften werden.

Im Kampf gegen die globale Erwärmung will eine internationale Initiative großer Versicherungen und Pensionsfonds bis 2050 mehr als zwei Billionen Euro klimaneutral anlegen. Das gab die "Net Zero Asset Owner Alliance" am Montag beim New Yorker UN-Klimagipfel bekannt. Initiator ist die Allianz, Europas größter Versicherer. Er allein hat etwa 800 Milliarden Euro in den Büchern stehen, die angelegt werden müssen. Beteiligt an dem Bündnis sind eine Reihe weiterer institutioneller Investoren, darunter der staatliche französische Pensionsfonds Caisse des Dépots, der kanadische Rentenversicherer CDPQ sowie die Schweizer Versicherer Zurich und Swiss Re.

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Konkret bedeutet dies, dass die Großinvestoren nun Einfluss auf die Unternehmen wollen, deren Wertpapiere sie halten, damit diese ihre Geschäftsmodelle "dekarbonisieren" - also die Belastung des Planeten mit Treibhausgasen nicht mehr erhöhen.

"Allianz & Co. müssen Versprechen auch einhalten"

Allianz-Chef Oliver Bäte und Mitstreiter hoffen auf Vorbildwirkung: "Indem sie sich verpflichten, ihre Investmentportfolios bis zum Jahr 2050 auf netto null Treibhausgas-Emissionen umzustellen, legen die Kapitalanleger die Messlatte für andere Investoren, Industrieverbände und (...) die Weltwirtschaft hoch", heißt es in der Mitteilung. Allianz-Chef Bäte und UN-Generalsekretär Antonio Guterres wollten die Initiative beim Klimagipfel gemeinsam vorstellen. "Den Klimawandel abzumildern ist die Herausforderung unserer Zeit", erklärte Bäte.

Die Initiative sei ein großes Versprechen für die Zukunft und sehr wichtig in Zeiten mutloser Minischritte der Politik, sagt Regine Richter, Energie-Campaignerin beim gemeinnützigen Verein Urgewald. Die Vermögensverwalter müssten den tatsächlichen Wert der Initiative aber erst noch beweisen. "Um 2050 emissionsfrei zu sein, dürfen sie ab sofort nicht mehr in neue fossile Infrastruktur investieren. Sie dürfen das Null-Emissions-Ziel nicht durch fragwürdige CO2-Ausgleichmaßnahmen zu erreichen versuchen, sondern müssen bei den Unternehmen, deren Anleihen und Aktien sie halten, auf eine echte Transformation dringen", so Richter.

Ankündigung gilt nicht für gesamte Anlage

Umweltinitiativen wie Urgewald machen seit Jahren auf die Finanzwelt Druck, ihre Anlagepolitik zu ändern und aus Investitionen in Öl- oder Kohlebranche auszusteigen. So hatte die Allianz bereits bekannt gegeben, dass sie keine neuen Kohlekraftwerke mehr versichern will.

Allerdings bedeutet auch die Ankündigung vom Montag nicht, dass der Münchner Konzern nun seine gesamten Anlagen umstrukturieren würde. Die Allianz ist einer der größten Kapitalanleger der Welt. Zum Konzern gehören die Vermögensverwaltungsgesellschaften AGI und Pimco, die abgesehen vom eigenen Geld mehr als 1,5 Billionen Euro externer Kundengelder angelegt haben. Da Vermögensverwalter dieses Kalibers ihre Anlageentscheidungen in Absprache mit Großkunden treffen, gilt die Ankündigung für AGI und Pimco nicht.

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ck/dpa
Keywords:
Green Finance
Ressorts:
Finance

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