Strommarkt
26.06.2018

Kartellbehörden wollen Eon und RWE genau beobachten

Foto: RWE
Demnächst unter Beobachtung der Kartellbehörden: die Vorstandschefs Johannes Teyssen (Eon, l.) und Rolf Martin Schmitz (RWE)

Die Kartellbehörden interessieren sich für die geplante Verflechtung der Energiekonzerne Eon und RWE. Sie wollen zunächst klären, ob es ein deutsches oder ein europäisches Fusionskontrollverfahren geben wird.

Der Präsident des Bundeskartellamts, Andreas Mundt, hat angekündigt, dass die Wettbewerbsbehörden das Zusammenrücken der beiden größten deutschen Energiekonzerne Eon und RWE genau beobachten werden. „Wettbewerbliche Auswirkungen könnte der Fall im Bereich der konventionellen Stromerzeugung haben“, sagte Mundt auf der Jahreskonferenz des Bundesverbands Neue Energiewirtschaft (BNE) in Berlin. „RWE ist nach wie vor der mit Abstand führende Player auf dem deutschen Stromerstabsatzmarkt.“ Mit der Transaktion erhalte der Konzern möglicherweise Einfluss auf weitere Kernkraftwerke von Eon, so Mundt. Zu berücksichtigen sei allerdings, dass die Kernkraftwerke in naher Zukunft abgeschaltet würden.

Anzeige

Anzeige

Ob den Fall RWE/Eon das Bundeskartellamt oder die Europäische Kommission prüfen müsse, werde derzeit geklärt, sagte Deutschlands oberster Wettbewerbshüter im Gespräch mit dem Magazin bizz energy am Rande der Veranstaltung. Dem Umsatz der Unternehmen nach sei Brüssel für wesentliche Teile zuständig, aber: „Es ist eine sehr komplexe Transaktion. Insbesondere bei der Frage der 16,67-Prozent-Beteiligung von RWE an Eon muss geklärt werden, wer sie prüft.“ Einen Zeitplan für das Fusionskontrollverfahren gebe es noch nicht. „Die Unternehmen haben die Transaktion noch nicht angemeldet. Wie es weitergeht, hängt nun davon ab, wie schnell sie die notwendigen Informationen beibringen und wie schnell wir uns mit  Brüssel abstimmen können“, so Mundt.

Sparten werden aufgeteilt

RWE und Eon hatten im März ihre Pläne zu einem gemeinsamen Umbau bekannt gegeben, der eine Neuordnung des deutschen Energiemarkts bedeutet: Eon will 77 Prozent der RWE-Tochter Innogy übernehmen. Im Gegenzug will sich RWE mit knapp 17 Prozent an Eon beteiligen. Eon würde sich in dieser Konstellation auf Netze und Vertrieb konzentrieren, bei RWE stünde das Erzeugungsgeschäft im Vordergrund. (Lesen Sie auch: Eon ohne Erneuerbare – Deal mit RWE birgt Risiken)

Angesichts dieser Entwicklung will das Bundeskartellamt künftig jährlich einen „Marktmachtbericht“ über den deutschen Strom-Erstabsatzmarkt erstellen. „Wir werden darin unter anderem skizzieren, welche Unternehmen als marktbeherrschend einzustufen sind“, sagte der Chef der Behörde. Zwar sei Marktmacht in jüngster Zeit kein Thema gewesen. Die Marktmachtfrage könne sich in Zukunft aber wieder stellen, insbesondere wenn die Kernkraftwerke abgeschaltet würden und Kohlekraftwerke aus dem Markt gingen. Die Daten für den Bericht werde die neue „Markttransparenzstelle Energie“ liefern, die das Bundeskartellamt und die Bundesnetzagentur derzeit gemeinsam einrichteten. „Damit werden wir ein zusätzliches Instrumentarium haben, um Marktmacht auf dem Energiemarkt beurteilen zu können“, so Mundt.

Leitfaden für die Strombranche

Außerdem bereitet die in Bonn ansässige Behörde derzeit einen Leitfaden für die Strombranche vor. Er soll klarstellen, in welchem Rahmen den Stromanbietern Preisspitzen erlaubt sind und wie diese wettbewerbsrechtlich beurteilt werden. Das Bundeskartellamt will unter anderem verhindern, dass Anbieter Strompreisspitzen künstlich herbeiführen, indem sie Erzeugungskapazitäten vom Markt zurückhalten.

Lesen Sie auch: Umweltschützer attackieren RWE vor Hauptversammlung

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Strommarkt | Bundeskartellamt | Eon | RWE
Ressorts:
Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy – Sommer 2018

Die aktuelle Ausgabe gibt es bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de sowie als E-Paper bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen