Konjunkturpaket
01.06.2020

Kaufprämie für Autos nimmt Fahrt auf

Foto: Istock
So sähe die Autoindustrie ein Ergebnis der Kaufprämie gern: Jede Menge mehr verschrotteter Wagen

Die seit Wochen debattierte Autokaufprämie nimmt offenbar Fahrt auf. Das Wirtschaftsministerium will dafür fünf Milliarden Euro aufwenden. Umweltverbände setzen sich weiter für eine Mobilitätsprämie ein.

Laut verschiedenen Medienberichten soll das Wirtschaftsministerium eine nach Emissionen gestaffelte Prämie im Gesamtvolumen von fünf Milliarden Euro vorschlagen. Ob eine Autokaufprämie aber Teil des 75 bis 80 Milliarden Euro großen Konjunkturpakets wird, das die Koalitionsspitzen am Dienstagabend beraten wollen, ist nach wie vor unklar.

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Die Forderung nach einer Kaufprämie kommt vor allem von den Autobauern und den Autoländern Niedersachsen, Baden-Württemberg und Bayern. Markus Söder, bayerischer Ministerpräsident, bekräftigte in der "Welt am Sonntag" die Forderung nach Kaufanreizen für Neuwagen: "Wir nehmen damit alte Autos vom Markt und ersetzen sie durch saubere Fahrzeuge der neuesten Generation."

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Auto-Ländern wollen "Innovationsprämie"

Gefördert werden sollten laut Söder mit einer "Innovationsprämie" moderne Autos, die weniger CO2 produzieren. "Zudem könnten wir die Ladeinfrastruktur für die Elektromobilität fördern, indem der Staat 50 Prozent der Kosten für private Ladepunkte übernimmt", sagte Söder.

Kritiker der geforderten Prämie bezweifeln die Wirksamkeit. Der Präsident des Maschinenbauverbands VDMA, Carl Martin Welcker, warnte in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Kaufprämien für Autos und vergleichbare Einzelsubventionen wirken selektiv, diskriminieren andere Produkte und erzeugen Mitnahmeeffekte." Sinnvoller wären eine Förderung von Forschung und Entwicklung sowie steuerliche Entlastungen, um die Nachfrage anzukurbeln.

Am Wochenende waren weitere Gegenstimmen laut geworden, auch aus der Union: Falls die Autoprämie komme, sei sie "ein Paradebeispiel dafür, wie sich eine Lobby in Deutschland durchsetzt", sagte der Chef der Mittelstands- und Wirtschaftsunion von CDU und CSU, Carsten Linnemann, der "Welt". Auch Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus wandte sich dagegen - der Druck von Unternehmen, Gewerkschaften und Ministerpräsidenten sei aber sehr groß, sagte er.

Umwelt- und Verkehrsverbände für breite Mobilitätsprämie

Der Fahrradverband ADFC erwartet, dass statt einer reinen Kaufprämie für Autos auch die Anschaffung von Fahrrädern, Pedelecs und Cargobikes sowie Bahn-Abos gefördert wird. Italien und Luxemburg hätten vorgemacht, wie das geht, erklärte ADFC-Bundesgeschäftsführer Burkhard Stork. Die Länder haben nach dem Corona-Shutdown Mobilität gefördert, ohne dabei einseitig auf das Auto zu setzen. "Deutschland braucht nicht mehr Autos, sondern bessere Alternativen!", so Stork.

Inzwischen setzt sich Verbände- und Unternehmensbündnis für die Mobilitätsprämie für alle. Neben dem ADFC wird diese unterstützt von der Verbraucherzentrale Bundesverband, dem Autoclub ACE, der Allianz pro Schiene, dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen VDV, der Gewerkschaft Ver.di, dem DGB Niedersachsen sowie dem Bundesumweltministerium. Laut einer Umfrage der Allianz pro Schiene sind rund 60 Prozent der Bundesbürger dafür, statt einer Abwrack- eine breit angelegte Mobilitätsprämie einzuführen.

Der Industrieverband BDI stellt sich dagegen hinter die Autohersteller. BDI-Präsident Dieter Kempf forderte in der "Welt am Sonntag" eine solche Prämie sowohl für E-Autos als auch für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Bei der Förderung müsse es im Kern um Investitionen und Klimaschutz gehen. "Deshalb ist es durchaus sinnvoll, hierbei auch Fahrzeuge mit modernen und effizienten Verbrennungsmotoren zu fördern, wenn dadurch bestehende Anreize für Elektromobilität nicht verwässert werden."

Interesse am Autokauf steigt auch ohne Prämie

Dabei zeigt eine Befragung durch die Unternehmensberatung McKinsey, dass der Interesse der Deutschen an einem neuen Auto auch ohne Prämie langsam wieder zunimmt: Demnach verfolgen von 100 Personen, die vor der Covid-19-Pandemie ein neues Auto kaufen wollten, derzeit 79 weiterhin diesen Plan. Anfang April hatten nur 58 Prozent der Kaufinteressenten ihren Plan zum Erwerb eines neuen Autos weiterverfolgt, Mitte April waren es 68 Prozent.

Die Hersteller selbst sind mit Kaufanreizen einer anderen Erhebung zufolge momentan zurückhaltend. Zu diesem Schluss kommt die regelmäßige Rabattstudie des Center Automotive Research der Universität Duisburg-Essen für den Monat Mai. Unmittelbar vor dem Berliner Spitzengespräch verhielten sich die Hersteller abwartend, beschreibt Studienleiter Ferdinand Dudenhöffer die Lage.

Die Rabatte für Neuwagen seien in der Jahresfrist auf breiter Front gesunken, heißt es in der Studie. Das gelte sowohl für die Preisnachlässe bei Internet-Händlern, die offen beworbenen Sonderaktionen oder die Zulassung von Autos auf eigene Rechnung, um sie später mit Preisnachlässen zu vermarkten. "Kundenschnäppchen in der Corona-Krise sind Fehlanzeige", folgerte Dudenhöffer. Für Autokäufer lohne sich der Weg zum Händler derzeit kaum. Das Motto laute Abwarten.

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jst/dpa
Keywords:
Konjunktur | Abwrackprämie | Mobilitätsprämie
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