Viele Autohersteller fahren derzeit ihre Produktion nach mehreren Wochen Lockdown langsam hoch. Die Verkäufe aber bleiben gering - fällt die Nachfrage noch länger aus, könnten etwa volle Lager und ein stockender Materialfluss schon in kurzer Zeit neue Probleme bereiten. Auch sind zahlreiche Zulieferer auf ein wieder anziehendes Auto-Geschäft angewiesen.

Vor dem Hintergrund geht der Schlagabtausch zwischen Befürwortern und Gegnern neuer Staatshilfen weiter. Vor dem Autogipfel am Dienstag verlangte die Chefin des Branchenverbands VDA, Hildegard Müller, erneut rasche Beschlüsse. Müller zufolge herrsche ein "doppelte Zurückhaltung", sagte sie der "Welt am Sonntag". Käufer seien nicht nur durch die Coronakrise verunsichert. "Sobald eine Debatte stattfindet, ob der Staat mit einer Kaufprämie hilft, warten die Verbraucher natürlich ab, bis die Prämie tatsächlich kommt", sagte sie.

VW-Chef Herbert Diess sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" (FAS), man solle nun keine "Grundsatzdiskussionen" führen, sondern den "Fokus auf die Konjunktur und Tempo" legen. Aus seiner Sicht brauche man "die Prämie unabhängig von der Antriebsart, für das gesamte Produktangebot." Nach Vorstellung von VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh sollte ein Fördermodell eine "Impuls-Prämie" ür Neuwagen umfassen, die auch für neue Verbrenner über "einen klar begrenzten Zeitraum" gilt.

Volkswagen: Staat kann klimaschonende Fahrzeuge per Steuer fördern

Hildegard Müller zufolge kann sich der VDA ein Stufenmodell vorstellen, bei dem bestimmte Antriebe noch zusätzliche Prämien bekommen. Laut Volkswagen könnte der Staat über Änderungen des Systems der Mineralöl- oder Kfz-Steuer den Absatz klimaschonender Fahrzeuge zusätzlich anschieben. Große Teile der Branche wollen überdies, dass die weitere Verschärfung der CO2-Ziele der EU in der schwachen Absatzphase noch einmal überdacht wird. "Wenn wir diesen Prozess weiter beschleunigen, bedeutet das noch mehr Wandel in noch kürzerer Zeit, das muss uns klar sein", sagte Diess.

Bundesregierung und Branche wollen am Dienstag über die angespannte Lage beraten. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte aber schon deutlich gemacht, dass bei dem Treffen mit keiner Entscheidung über spezielle Auto-Anreize zu rechnen sei. Auch reisst die Kritik an Instrumenten ähnlich der "Abwrackprämie" 2009 nicht ab.

Die Grünen betonten auf ihrem Parteitag am Wochenende zwar, die Autoindustrie sei ein Schlüsselsektor - sie habe aber schon vor der Corona-Pandemie in einer Krise gesteckt, die sich nun verschärfe. Die Partei will mögliche Kaufanreize auf klimaneutrale Mobilität fokussieren. So könnten Haushalte, die "ihren privaten Pkw abmelden und keinen neuen anschaffen", eine Mobilitätsprämie erhalten, um Alternativen wie eine Bahncard, eine ÖPNV-Monatskarte, ein Lastenfahrrad oder Car- und Bikesharing-Angebote finanzieren zu können.

Bonus-Malus-System kommt wieder auf dem Tisch

Auch Umweltorganisationen wie Greenpeace oder der BUND fordern, Fördergeld höchstens für Autos mit alternativen Antrieben - vor allem reine E-Fahrzeuge - in Aussicht zu stellen. Ähnlich äußerte sich Umweltministerin Svenja Schulze (SPD).

Der Grünen-Politiker Cem Özdemir, Chef des Verkehrsausschusses im Bundestag, brachte einen alternativen Ansatz ins Gespräch: ein gemischtes "Bonus-Malus-System" mit einem "Umweltanreiz". "Um die Industrie jetzt zu stützen, bekommt jeder einen Bonus, der ein besonders klimafreundliches Auto anschafft", sagte er in der "FAS". In zwei Jahren gebe es dann einen Malus für klimaschädliche Autos ein. Ein ähnliches Bonus-Malus-System war bereits im Klimapaket der Bundesregierung erwogen, aber dann ersatzlos gestrichen worden.

SPD-Chef Norbert Walter-Borjans lehnt die Forderungen der Branche nach einer Kaufprämie dagegen ab. "Die Autokonzerne sollen zuerst einmal auf die satten Gewinne der vergangenen Jahre zurückgreifen, bevor sie nach den Steuerzahlern rufen", sagte er dem Magazin "Business Insider".

Kritisiert wird auch, dass etliche Unternehmen die Zahlung von Manager-Boni oder Aktionärsdividenden bisher trotz des Rufs nach Staatshilfe nicht infrage gestellt haben. "Das Auftreten, das die Autobranche diesbezüglich an den Tag legt, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten", sagte Carsten Schneider, erster Parlamentarischer Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, der Zetung "Die Welt" (Montag).

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Mit einer Kaufprämie hoffen die Hersteller auch ihre auf Halde geparkten Fahrzeuge noch loszuschlagen. (Foto: iStock)