Kaufprämie
03.08.2016

Kein Bonus für Deutschland

Illustration: Valentin Kaden
Autoökonom Ferdinand Dudenhöffer.

Die amtliche Statistik zeigt, was abzusehen war: Die Kaufprämie für Elektroautos ist alles andere als ein Renner. Ein Kommentar von Ferdinand Dudenhöffer.

Begeisterung sieht anders aus. Die „Umweltbonus“ genannte Kaufprämie für Elektroautos wird in Deutschland weitgehend verpuffen, darauf deuten die ersten Statistiken des zuständigen Bundesamts für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (Bafa) hin. Hochgerechnet können wir von jährlich weniger als 14.000 geförderte reine batterieelektrischen Elektroautos ausgehen. Das wäre in etwa die gleiche Zahl wie im Jahr 2015. Die Prämie ist also eher Flop als Renner. Dafür gibt es vier Gründe.

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Erstens: Wenig attraktive Elektroautos. Die meisten Anträge kamen von BMW-Käufern, vor Renault und VW. Richtig enttäuschend schnitten bislang etwa Mercedes und Audi ab. Aber dort hat man ja außer einer nicht gerade prickelnden B-Klasse zu 39.000 Euro und den wenig geliebten Plug-In Hybriden praktisch nichts zu bieten. Die Prämie offenbart die Schwächen des heutigen Angebots. Die deutschen Autobauer müssen bei Elektroautos schneller werden. Zum schlechten Ergebnis tragen die Regeln bei. Die Bundesregierung setzte die Preisobergrenze für förderfähige Modelle auf 60.000 Euro fest und bootete so den erfolgreichsten (aber US-amerikanischen) E-Autobauer Tesla kurzerhand aus. Honi soit qui mal y pense.

Zweitens: Löcher im Ladenetz. In Deutschland gibt es 5.800 öffentliche Ladepunkte für Elektroautos – und damit ein dickes Infrastrukturproblem. Insbesondere Schnellladesäulen sind dabei Mangelware. Nur zum Vergleich: Während Deutschland die Kaufprämie einführte, kündigte die Obama-Administration in den USA an, 4,5 Milliarden Dollar zum kommerziellen Roll-out eines nationalen Schnellladenetzes bis 2020 zur Verfügung zu stellen. „Coast-to-coast, nationwide zero-emissions travel” lautet das Ziel.

Drittens: die Dieselsubvention. Wie um Gottes Willen will man die Käufer von Diesel-Fahrzeugen davon überzeugen, dass Elektroautos eine Alternative sind, wenn an jeder Tankstelle große Preisschilder auf den vermeintlich billigen Dieselkraftstoff hinweisen. Pro Liter Dieselkraftstoff gewährt Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble 18 Cent Steuersubvention. Das verstehe wirklich wer will.

Viertens: Lustlose Politiker. Es war mehr als ein Hick-Hack, den die Berliner-Diskussionen zur Prämie begleitet haben. Wichtige Minister wie Schäuble sehen in der Prämie eher ein Übel. Geliebt wurde die Prämie weder von der Kanzlerin, noch von großen Teilen ihres Kabinetts; die oppositionellen Grünen hätten die Prämie am liebsten mit unsinnigen Bonus-Malus-Rechenübungen weiter kompliziert. Eigentlich wollte sie niemand so richtig, alle scheinen den Diesel zu lieben. Und so gibt es trotz Prämie wenig Hoffnung, dass wir in den Deutschland den Weg zum Elektroauto schaffen – so wie etwa in den Niederlanden, Frankreich, Norwegen, den USA oder China.

 

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Instituts an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

Ferdinand Dudenhöffer
Keywords:
Kaufprämie | Elektromobilität | Deutschland | Ferdinand Dudenhöffer
Ressorts:
Governance | Markets

Kommentare

Insbesondere bei Nissan kann man das schön sehen. Während der Diesel-Evalia etwas über 20000€ Liste kostet, ruft Nissan für den eNV200 über 31000€ auf. Und da kommt dann noch die Batteriemiete hinzu. Bei solchen Preisunterschieden reißt auch der Umweltbonus nix mehr raus.

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