In einem gemeinsamen Brief fordern sieben Umweltverbände die deutschen Autobauer auf, bis spätestens 2030 keine neuen Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor mehr zu verkaufen. Hersteller wie Volkswagen, Daimler und BMW müssten ihre Produktion stattdessen auf "effiziente und verbrauchsarme Elektrofahrzeuge ausrichten", heißt es in einem Brief, den unter anderen der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Germanwatch, Greenpeace und die Deutsche Umwelthilfe unterschrieben haben.

Für Hybrid-Fahrzeuge gelte die Forderung nach einem Verkaufsstopp gleichermaßen, wie die Unterzeichner erklären. "Die angekündigten SUV-Modelle sind ein klimapolitischer Irrweg", schreiben die Verbände, die auch synthetischen Kraftstoffen und Kraftstoffen aus Biomasse im Straßenverkehr eine Absage erteilen.

Eine Verpflichtung zum Verbrenner-Ausstieg verleihe der dringend benötigten Antriebswende den erforderlichen Schub, schreiben die Verbände. Darüber hinaus schaffe eine solche Erklärung Klarheit und sendet ein deutliches Signal an die Zulieferer, Auftragnehmer, den Energiesektor, Finanzinstitutionen und Regierungen.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hatte erst vor wenigen Tagen ein Ende des fossilen Verbrenners bis 2035 in Aussicht gestellt. Anders als von Umweltverbänden gefordert, will der CSU-Politiker aber auf synthetische Kraftstoffe setzen. Lediglich der klassische Verbrenner, der mit Benzin oder Diesel angetrieben wird, solle innerhalb der nächsten 15 Jahre auslaufen, hatte der CSU-Politiker der "Welt am Sonntag" gesagt.

Grüne nur für emissionsfreie Fahrzeuge

In dem am Freitag vorgelegten Entwurf des grünen Programms zur Bundestagswahl fordert die Partei kein Verbot des Verbrenners,  sondern ab 2035 sollen nur noch emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden. Das schließt also auch unter anderem Fahrzeuge ein, die synthetische Kraftstoffe nutzen.

Der Verkehrssektor - insbesondere der Straßenverkehr - ist für einen großen Teil der klimaschädlichen Treibhausgasemissionen verantwortlich. Die ausgestoßene Menge lag im Jahr 2020 nach Angaben des Umweltbundesamts bei 146 Millionen Tonnen. Die Reduktion um 19 Millionen Tonnen Treibhausgase im Vergleich zum Vorjahr führen Experten zum Teil auf weniger Mobilität während der Corona-Pandemie zurück.

Die EU-Kommission will Ende 2021 neue und ehrgeizigere Schadstoff-Grenzwerte für Autos und Vans vorschlagen. Sie sollen 2025 in Kraft treten. Die Automobilbranche befürchtet dadurch ein vorzeitiges Ende des klassischen Verbrennungsmotors - also genau das, was Umweltverbände nun mit Nachdruck fordern.

Zahl der Verbrenner sinkt in Bayern

Auf den Straßen Bayerns ist erstmals seit mindestens einem Jahrzehnt die Zahl der mit einem reinen Verbrennungsmotor ausgerüsteten Autos gesunken. Ihr Bestand sank 2020 um rund 40.000, wie aus Zahlen des Kraftfahrt-Bundesamts hervorgeht. In den zehn Jahren zuvor war die Verbrenner-Zahl pro Jahr stets um mehr als 70.000 gestiegen, häufig auch um mehr als 100.000.

Treiber des Rückgangs bei Benzinern und Dieseln war die Tendenz zu Hybriden und Elektroautos, die vergangenes Jahr teilweise mit hohen Summen gefördert wurden. Zudem setzen die Autohersteller vermehrt auf diese Autos, um ihre CO2-Ziele zu erreichen. Diese Verschiebung bei den Neuzulassungen machte sich nun auch im Bestand bemerkbar.

Die Zahl der reinen Elektroautos konnte sich binnen Jahresfrist beinahe verdoppeln und stieg auf knapp 60.000. Hybride legten von gut 100.000 auf fast 190.000 zu. Damit bleiben alternative Antriebe trotz aller Zuwächse aber die Ausnahme auf Bayerns Straßen: Sie standen zum Stichtag 1. Januar noch immer 5,02 Millionen reinen Benzinern und 2,85 Millionen reinen Dieselfahrzeugen gegenüber. Die Gesamtzahl der Autos auf bayerischen Straßen stieg auch im Corona-Jahr: von 8,1 auf 8,2 Millionen.

jst/dpa

Mit einem konsequenten Aus für Verbrenner-Autos. wie es die Umweltverbände fordern, würde auch der Auspuff für immer verschwinden. (Copyright: Istock)